Eric Leupold ist für den Fintech-Hub verantwortlich

Der Börsen-Chef persönlich hat den Fintech-Hub in Frankfurt eröffnet. Mit diesem Zeichen will Carsten Kengeter vermitteln, welchen Stellenwert die jungen Unternehmen für die Deutsche Börse besitzen. In den Räumen des Hubs dürfen nun vier Unternehmen einziehen, ausgewählt aus 25 Bewerbern. Sie dürfen die Plätze kostenlos nutzen – und sollen sich mit dem Venture Network der Börse austauschen können. Es handelt sich dabei um ein Matchmaking-Portal zwischen Startups und Investoren.

Nun ziehen Fintura, ein Kreditvermittler für KMUs, Dwins, ein Kontowechselservice, Savedroid, eine Sparapp, und Cashlink, ein P2P-Payment-Anbieter, in den Co-Working-Space ein.

Springt der Dax-Konzern mit seinem Hub einfach nur auf den Trend Fintech auf – oder steckt mehr dahinter? Eric Leupold, der für das Venture Network und den Fintech-Hub zuständig ist, spricht über die Hintergründe.

Herr Leupold, es fällt auf, dass Ihr Chef Carsten Kengeter sich in den vergangenen Wochen stark zum Thema Fintech positioniert hat. Jetzt eröffnet die Deutsche Börse den Fintech-Hub. Was ist die Strategie dahinter?

Mit dem Fintech-Hub geht es uns in erster Linie darum, etwas für den Finanzplatz Frankfurt und für innovative Unternehmer zu tun. Frankfurt und Startups, das passte bislang nicht wirklich zusammen. Mit einer Ausnahme: Es gab 360T, eine Erfolgsgeschichte, die mittlerweile Teil der Deutsche Börse ist.

Irgendein Eigeninteresse muss die Deutsche Börse doch auch haben?

Wir erhoffen uns einerseits mehr Börsengänge in Deutschland, aber das erreicht man nicht nur mit einem Fintech-Hub. Wir wollen das gesamte Ökosystem fördern: vom Fintech-Hub für Startups, über das Venture Network für Wachstumsunternehmen, bis hin zum IPO an der Frankfurter Börse. Und wir unterstützen damit die hessische Initiative von Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, in Frankfurt ein Fintech-Cluster aufzubauen.

Mit was wollen Sie die jungen Unternehmen konkret anlocken?

Wir haben im Stadtteil Bornheim Räume auf dem Gelände einer ehemaligen Arzneimittel-Fabrik angemietet, die eine kreative Umgebung für junge Gründer bieten. Auf knapp 500 Quadratmetern können sie kostenlos ein Büro beziehen, wir vom Deutsche Börse Venture Network sitzen vor Ort und beraten, sie sollen so von unserem Netzwerk profitieren.

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Nach welchen Kriterien wurden die Startups denn ausgesucht?

Es gab insgesamt 25 Bewerbungen. Zusammen mit einer Beratung haben wir uns die Geschäftsmodelle und ihr Potential angeschaut. Und dann haben wir überlegt, wie das von den Charakteren passt. Da wir nicht so viel Raum haben, lag unser Fokus auf sehr jungen Unternehmen, etwa Dwins aus Bonn – das ist eine coole Geschichte. Außerdem haben wir es geschafft, drei Startups von Bonn, Darmstadt und Karlsruhe nach Frankfurt zu holen. Das fördert den Standort ebenfalls.

Dass es sich um eher unbekanntere Fintechs handelt, war also das Prinzip?

Ja, denn im Venture Network sind ja Wachstumsunternehmen wie Kreditech oder Auctionata, denen wir per Co-Working hier auch einen Arbeitsplatz bieten, wenn sie mal in Frankfurt sind – und so kann sich eine Community zwischen den Großen und Kleinen bilden.

Ein Startup arbeitet an einem Produkt für Peer-2-Peer-Payment, ein anderes bietet einen Kontowechselservice. Das erste ist ein Segment, an dem sich bereits mehrere Startups die Zähne ausgebissen haben. Beim Kontowechselservice gibt es mit Fino und Finreach zwei Player, die bereits mehrere Banken für sich überzeugt haben. Warum glauben Sie trotzdem an die beiden Kandidaten?

Es geht gar nicht darum, dass wir an die Modelle glauben. Natürlich kann es sein, dass Geschäftsmodelle nicht funktionieren. Dann heißt es: Aufstehen und weitermachen. Außerdem gibt es in meiner Einschätzung keinen Player, der den P2P-Markt beherrscht.

Wie lange bleiben die Startups?

Das haben wir nicht festgelegt. Wenn es gut läuft, wird die Anzahl der Mitarbeiter wachsen und sie werden sich zwangsläufig ein anderes Büro suchen.

Wie sieht die Beratung aus?

Da gibt es keine festen Strukturen, wir sitzen vor Ort und sind Ansprechpartner bei Fragen. Wenn es zum Beispiel um Kontakte zu Investoren geht. Oder um Governance- oder Steuerfragen, da können wir sicherlich gute Kontakte vermitteln.

Wie ist denn der Stand beim Deutsche Börse Venture Network?

Seit dem Start vor einem Jahr – auf Initiative von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hin – sind wir kräftig gewachsen. Zum Start hatten wir 60 Wachstumsunternehmen und 40 Investoren, heute sind es 75 Unternehmen und 150 Investoren. Außerdem ist ein Großteil der Investoren aus dem Ausland. Das war ja auch das Ziel, Investitionen für Wachstumsunternehmen nach Deutschland zu holen. eGym, die beispielsweise seit dem Anfang dabei waren, haben ja gerade eine große Finanzierungsrunde abgeschlossen. Und haben sicherlich von den Kontakten aus dem Börsen-Netzwerk profitiert.

Aus den USA hört man, dass es eher schwieriger mit dem Fundraising wird. Hören Sie Ähnliches von den Startups und Investoren?

Bei den Finanzierungsrunden sehe ich keine Probleme. Nur IPOs aus dem Tech-Bereich haben wir international in der letzten Zeit nicht erlebt. Das kommt aber hoffentlich bald, denn es ist ein wichtiges Zeichen für die Investoren, dass der Börsengang als Exit-Strategie funktioniert.

Steht denn hier in Deutschland bald ein Börsengang eines Startups aus dem Network an?

Ein Kandidat wollte im vergangenen Jahr schon an die Börse gehen. Das hat nicht geklappt. Hoffentlich wird er in diesem Jahr an die Börse gehen.

Bild: Deutsche Börse