Bloomy-Days-Gründerin Franziska von Hardenberg

100.000 Euro in 93 Minuten – so viel und so schnell sammelte Franziska von Hardenberg 2012 über eine Seedmatch-Kampagne für ihr Blumen-Abo-Startup ein. Die Bloomy-Days-Gründerin ist der erste weibliche Talk-Gast beim Startup Grind Berlin. Normalerweise bekommen die dorthin eingeladenen Unternehmer bei dem einstündigen Interview Hochprozentiges von Moderator Christoph Räthke eingeflößt, um die Zungen zu lockern. Dieses Mal muss er allein trinken: Von Hardenberg macht Detox.

Ungesprächig ist sie trotzdem nicht. Schon in der Schule habe sie gerne die Rollen des Klassenclowns und der Rampensau eingenommen, erzählt von Hardenberg. Früh wusste sie, dass sie Unternehmerin werden wollte. Nach Stationen bei drei Rocket Ventures, machte sie ihr eigenes Ding und gründete Bloomy Days. Wirkliche Zweifel am Erfolg ihres Startups hatte sie nie: „Eine der Eigenschaften, die man als Gründer oder Unternehmer grundsätzlich braucht, ist der Hang zur maßlosen Selbstüberschätzung – ich glaube, sonst braucht man das Ganze gar nicht erst anzufangen“, erzählt sie lachend.

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Trotz aller Zuversicht machte ihr das Arbeitsamt in der Anfangsphase beinahe einen Strich durch die Rechnung: Von Hardenberg wurde der Gründungszuschuss gestrichen. Die Erklärung: Sie sei so qualifiziert, dass sie jederzeit einen neuen Job finden könne – man sehe also keinen Grund darin, ihre Selbstständigkeit zu unterstützen. Der Zuschuss sei „nur noch eine Eingliederungsmaßnahme für Langzeitarbeitslose“. Lediglich weil sie sich Geld von ihrem Vater lieh, konnte sie sich die Gründung ihrer GmbH leisten.

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Auf ihre Zeit bei Rocket Internet blickt die gebürtige Hamburgerin positiv zurück, sie habe dort viel mitgenommen: „Ich denke, der größte Vorteil von Rocket ist: Wenn man sich nicht ganz blöd anstellt, bekommt man dort relativ schnell sehr viel Verantwortung. Und das ist echt Wahnsinn. Ich hatte mit 25 die Verantwortung für 60 Leute.“

Sie habe in der Unternehmensschmiede der Samwers aber auch Vieles gelernt, das sie heute anders mache. Bei Rocket gebe es viel Fluktuation, die Leute dort seien schnell ausgebrannt. „Ich bin der Meinung, die Mitarbeiter, die man hat, sind die Essenz des Geschäftes. Dass sie happy sind und Bock drauf haben, ist essenziell wichtig, sodass wir extrem viel dafür tun, die richtigen Talente reinzuholen und die auch zu halten.“

Frauen benötigten allerdings keine Sonderbehandlung in der Startup-Szene, findet von Hardenberg. Sie ist dagegen, dass „Frauen pauschal in eine Problemecke gestellt“ würden. Es gebe zwar auch sinnvolle Förderprogramme, aber – „vielleicht haben gar nicht alle Frauen Bock, sich selbstständig zu machen“. Von Hardenberg kategorisiert die Menschheit in drei Teile: Ein Drittel sei zum Gründen geboren und ließe sich das auch nicht nehmen. Das zweite Drittel könne es vielleicht lernen und der Rest „wird es nie lernen“. Sie selbst zählt sich übrigens zur ersten Gruppe.

Hier könnt Ihr Euch das gesamte Interview ansehen:

Bild: Startup Grind Berlin