Ein Gastbeitrag von Thomas Jajeh, Gründer und CEO von Twago.

Freelancer sind für Startups oft eine hilfreiche Unterstützung für Projekte, bei denen bestimmte Fähigkeiten und Spezialisierungen gefragt sind. Wegen der stabilen Wirtschaftslage und des Fachkräftemangels in Deutschland haben es freie Mitarbeiter heute meist leichter als noch vor einigen Jahren. Dies gilt sowohl für die Höhe der Auftragseingänge als auch für die der Vergütung. Vor allem in der Webentwicklung ist die Nachfrage nach fähigen Freelancern ungebrochen. Nach einem aktuellen Report der Freelancer-Plattform Twago sind die drei meist gefragten Fähigkeiten, die in freien Mitarbeitern gesucht werden, PHP-, JavaScript- und CSS-Kenntnisse.

Während man als Freelancer vor einigen Jahren noch Zugeständnisse bei der Entlohnung machen musste, hat die mittlerweile verzweifelte Suche nach qualifiziertem Personal dazu geführt, dass die Verdienstmöglichkeiten für freie Mitarbeiter selten so gut waren wie jetzt. Davon betroffen sind besonders Freelancer-Tätigkeiten in der kaufmännischen Beratungs- und IT-Branche.

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Trotzdem oder vielleicht grade deswegen bleiben stets die Fragen für jeden freien Mitarbeiter: „Welcher Verdienst wäre angemessen?“, „Welchen Tagessatz beziehungsweise Stundensatz sollte man nehmen?“ und „Wer verdient was?“ Naheliegend wäre zur Berechnung des Honorars den Vergleich mit dem Gehalt eines Angestellten heranzuziehen. Der Freelancer stellt sich hier die Frage, welches Gehalt würde er verdienen, wenn er für seinen Auftraggeber Vollzeit beschäftigt wäre. Schließlich will man, wenn man schon das Risiko der Selbständigkeit eingeht, am Ende kein geringeres Gehalt erhalten, als ein Angestellter. Aber dieser Vergleich ausreichend? Am Ende soll es kein böses Erwachen geben.

Was muss ich als Freelancer beachten?

Zusatzkosten, die ein Angestellter nicht zu tragen hat, müssen Freelancer sorgfältig einrechnen. Dazu gehören nicht nur Reisekosten, Krankenkasse, Steuerberatung und etwaige Zusatzversicherungen wie Rechtsschutz (zum Beispiel Haftung gegenüber dem Kunden), Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung. Es müssen Rücklagen gebildet werden für Zeiten, in denen es keine Aufträge gibt. Es entsteht zudem ein monetär bewertbarer Zeitaufwand für die Akquisition neuer Aufträge und administrative Arbeiten. Für die Büroausstattung, eigene Geräte und die Miete müssen ebenfalls Kosten eingeplant werden. All dies muss sich im Einkommen des Freelancers widerspiegeln.

Gehaltsvergleich zwischen Freelancern und Festangestellten

Dennoch stellt der Gehaltsvergleich insgesamt eine brauchbare Methode zur Berechnung dar. Eine Faustregel lautet hier: ein Freelancer sollte das 1,5-Fache des Bruttogehalts eines Angestellten verdienen. Dies berücksichtigt unter anderem die Lohnnebenkosten des Arbeitgebers (ungefähr 20 Prozent des Bruttolohns), Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und bezahlten Urlaub.

Beispielrechnung:

Monatliches Bruttozielgehalt: 3.000 Euro
(Umrechnung brutto/netto zum Beispiel hier)

In Berlin gibt es 2016 monatlich durchschnittlich 21 Arbeitstage mit 8 Arbeitsstunden pro Tag = 168 Arbeitsstunden pro Monat ergeben 17,86 Euro Bruttostundenlohn

Ein Freelancer-Stundenlohn sollte also bei etwa 26,79 Euro liegen (17,86 Euro mal 1,5).

Selbstverständlich können neben diversen Faustregeln genaue Berechnungen zum Gehaltsvergleich angestellt werden. Ausgehend von dem Bruttogehalt eines Angestellten werden circa 20 Prozent Lohnnebenkosten des Arbeitgebers hinzu gerechnet. Dann wird dieser Wert zuzüglich einiger anderer Nebenkosten wie Büromiete und Betriebshaftpflicht zur Berechnung eines Tagessatzes durch die Anzahl der jährlichen Arbeitstage eines Angestellten (abzüglich etwa 25 Urlaubstage und etwa 18 Krankheitstage) geteilt. Der berechnete Wert stellt schließlich im Gehaltsvergleich zu einem Angestellten einen adäquaten Tagessatz für die Freelancer-Tätigkeit dar. Das Gehalt vergleichen lohnt sich also immer.

Bild: Gettyimages/Hero Images

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