Urlaub

Urlaubslust statt Urlaubsfrust

Vom Startup bis hin zum „alten Freelancer-Hasen“ dürfte ein Problem bekannt sein: Die Urlaubszeit. Einerseits halten es die meisten Freiberufler für wichtig, für ihre Kunden immer erreichbar zu sein. Das ist löblich. Und etwas überambitioniert, denn andererseits braucht jeder Mensch Erholung. Nicht selten arbeiten Freelancer weit über die 40-Stundenwoche hinaus, wirkliches Abschalten ist dabei nicht möglich.

„Freie“ bangen um Kunden, ihnen könnten Aufträge entgehen – und den Urlaub muss man sich erst mal leisten können, schließlich kommt zu den Reisekosten noch der Verdienstausfall hinzu. Vielleicht wird es mal Zeit, auf einen Impuls des Verbands Freelancer International e. V. zu hören: „Freelancer sind „ihr eigener Chef“ – und ein Chef, der keinen Urlaub gewährt, ist ein schlechter Chef.“

Urlaubsreif? Zeit für Erholung!

Eine Studie des Bürodienstleisters Regus hat ergeben, dass die Deutschen selbst im Urlaub nicht aufhören zu arbeiten. Frauen entspannen sich im Schnitt besser als Männer, aber noch immer investieren 49 Prozent der Bundesbürger zwischen ein bis drei Stunden in Arbeit während der Urlaubszeit. Work-Life-Balance? Fehlanzeige! Die Lösung liegt letztlich darin, sich selbst den Rücken freizuhalten und im Urlaub komplett abzuschalten – am besten ohne Smartphone und Tablet, und wenn das nicht geht, dann wenigstens ohne das Beantworten von Mails und Anrufen.

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Gerade bei einem hohen Arbeitspensum sollte mindestens eine längere Pause pro Jahr eingelegt werden. Sven Hollmann, seines Zeichens wissenschaftlicher Berater am Arbeitsphysiologie-Institut an der Uni Dortmund, forscht seit über einem Jahrzehnt am Thema Arbeitsbelastung und erklärt die Zeichen, an denen man erkennt, urlaubsreif zu sein: „Vermehrte Alltagsfehler wie das Verbummeln von Schlüsseln sind Zeichen dafür, dass Auszeiten nötig sind.“ Hinzu kommen spürbarere Ungeduld und Gereiztheit.

Vertretungen machen’s möglich

Zunächst ist es wichtig, den richtigen Zeitpunkt für den Urlaub herauszufinden. Der ist dann gekommen, wenn sich die Auftragslage etwas entspannt – jede Branche kennt Zeiten, in denen es weniger zu tun gibt als sonst. Ein Sekretariatsservice kann die telefonische Erreichbarkeit des Freiberuflers gewährleisten. Kunden, die anrufen, laufen nicht ins Leere, sondern werden „erstversorgt“ und nach dem Urlaub glücklich gemacht.

Nun sind da aber noch die Stammkunden, für die wöchentlich oder gar täglich anfallende Arbeiten immer wieder erledigt werden. Die meisten von ihnen können nicht warten, bis man wieder aus dem Urlaub zurückkommt – man denke an den Job eines Social Media-Managers, der die Auftritte in den sozialen Netzwerken täglich pflegen muss. Hier empfiehlt es sich, auf Netzwerke für Vertretungen zurückzugreifen.

Alternativ arbeiten Freelancer ohnehin mit Agenturen zusammen, die einspringen können, oder suchen in Netzwerken wie Xing empfehlenswerte Urlaubsvertretungen. Das Arbeitsniveau muss bei der Urlaubsvertretung mit der eigenen Qualität übereinstimmen – zugegeben, das ist nicht immer ganz einfach, weil eigene Ansprüche enorm hoch sind. Aber beginnt man mit der Urlaubsplanung und Vertretungssuche rechtzeitig, stehen die Chancen für den richtigen Partner sehr gut.

Sehr wichtig ist die Kommunikation darüber mit dem Kunden: Zum einen sollte kommuniziert werden, dass eine Verschwiegenheitsvereinbarung unterzeichnet wurde (und das auch wirklich realisieren!), zum anderen, dass man selbst nach dem Urlaub wieder zu 100 Prozent da sein wird und in dringenden Fällen erreichbar ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser dringende Fall eintritt, ist bei einer hohen Vertretungsqualität gleich null.

Alternative: Mehrere Kurzurlaube

Urlaubsplanung braucht Zeit und kann – etwa bei der Suche nach einer geeigneten Vertretung – zur Verzweiflung führen! Alle guten Kräfte scheinen schon ausgebucht zu sein und irgendwie scheint es, als falle der ganze Urlaub ins Wasser. Es ist zwar erholsamer, einmal im Jahr für zwei, vielleicht sogar drei Wochen in den Urlaub zu gehen, aber es ist immer noch erholsam, als Alternative einige Kurzurlaube aufs Jahr zu verteilen. Kürzere Urlaubsphasen verprellen keinen Kunden – und irgendwie klingt es auch attraktiver, wenn man äußern kann: „Am Mittwoch bin ich schon wieder im Büro, dann kümmere ich mich um Ihren Auftrag“ als „Ich komme in drei Wochen zurück, warten Sie bitte.“

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Fernziele sind Nonsens für Kurzurlaube. Aber in Europa gibt es wundervolle Flecken, die für Erholung sorgen. Sollte ein dreimonatiger Rucksacktrip durch Australien aber der Lebenstraum eines Freiberuflers sein und sind die Bedingungen günstig (heißt: Direktkontakt ist unnötig, Telefonverbindung und Internet reichen), geht es aber auch anders: Dann sind die drei Monate eben kein kompletter Urlaub, sondern es wird zwischendurch gearbeitet, dafür kann man länger im Urlaubsland verweilen.

Tipps fürs Urlaubsglück

Auch das Folgende kennt jeder – vom Startup bis zum langjährigen Freiberufler: Wer in den Urlaub will, muss vorher doppelt und dreifach Gas geben, um alle Aufgaben zu erledigen. Die folgenden Tipps helfen, den Urlaub von Anfang bis Ende entspannt zu genießen:

  • Der letzte Arbeitstag ist meist der fieseste: Das Telefon klingelt unaufhörlich, der Posteingang ist mit „Last-Minute-Aufträgen“ voll. Das lässt sich abstellen, indem der Urlaubsstart einen, vielleicht sogar zwei Tage früher als tatsächlich kommuniziert wird. So kann man sich am wirklich letzten Tag von der Außenwelt abschotten und Liegengebliebenes aufarbeiten.
  • Ähnliches gilt übrigens für den Arbeitsstart: Es ist hilfreich, sich erst mal wieder einzufinden, für sich alleine E-Mails zu checken und die Mailbox abzuhören. Am besten kommuniziert man das Urlaubsende einen Tag später, sonst ist die ganze Erholung gleich am ersten Arbeitstag dahin und man wünscht sich nur noch zurück unter die Palmen.
  • Vor dem Urlaub sind sämtliche Dinge abzuarbeiten, die nicht delegiert werden können. Sonst plagt einem das schlechte Gewissen während des Urlaubs – und das ist nicht erholsam.
  • Der letzte Arbeitstag sollte auch als solcher genutzt werden. Weder Meetings noch Telefonate vereinbaren – in aller Regel dauern solche Termine länger als anvisiert und man gerät doch ins Rudern.
  • Idealerweise bleiben Smartphone und Tablet zuhause. Geht das nicht, sollten beide im Urlaub abgeschaltet werden. Das Beantworten von Anrufen auf der Mailbox oder Mails im Posteingang obliegt dann der Zeitplanung des Freiberuflers.
  • Wer rechtzeitig mit dem Packen beginnt, spart sich Hektik in letzter Minute. Muss noch Sonnencreme eingekauft werden oder reicht die Zahnpasta nicht für den Urlaub, kann das entspannt beim normalen Einkauf erledigt werden.
  • Weder Unterlagen noch Fachlektüre oder sonstiges, was im Zusammenhang mit der Arbeit steht, gehört ins Urlaubsgepäck.
  • Zeit- und Selbstmanagement-Wissen gehören nicht in den Urlaub! Die einzige Aufgabe sollte Erholung sein. Auch das im Alltag durchaus übliche Leistungsdenken hat in der Erholungsphase nichts zu suchen. Es muss nicht jede Sehenswürdigkeit mitgenommen werden, wenn einem eher nach Sonne und Strand ist.
  • Mit einem Reiseführer vom Urlaubsziel oder tollen Bildern im Web kann man sich schon Zuhause auf den Urlaub einstimmen und die Vorfreude ins Unermessliche steigern. Außerdem gehört der Urlaubsbeginn gefeiert! Vielleicht mit einem Gläschen Sekt im Flugzeug? Prost und eine erholsame Urlaubszeit!
Bild: Bianca Wellbrock