Die Freundinnen Juliane Eichblatt und Eva Neugebauer gründeten zusammen das Hamburger Startup Frischepost

„Ich wollte nie gründen, nur um zu gründen, sondern weil ich von der Idee überzeugt bin“, erzählt uns Juliane Eichblatt, als wir sie in ihrem Büro in der Hamburger Hafencity besuchen. Die 27-Jährige ist auf einem Bauernhof in Schleswig-Holstein aufgewachsen. Nach dem Abitur zog sie für ihr Studium an der Gründer-Schmiede WHU nach Vallendar.

„Zuhause habe ich die Herausforderungen kennengelernt, die kleine landwirtschaftliche Betriebe in der Direktvermarktung haben“, erzählt sie. „Das wollte ich ändern.“ Zusammen mit ihrer Studienfreundin Eva Neugebauer hat Juliane Eichblatt deswegen vor rund einem Jahr das Startup Frischepost gegründet, einen Lieferdienst für regionale Lebensmittel. Das Ziel: Kleine Produzenten aus der Region unterstützen und ihre Lebensmittel so frisch wie möglich zu Kunden in der Stadt bringen. „Wenn Erzeuger sich auf die Qualität und Nachhaltigkeit ihrer Produkte fokussieren, haben sie häufig keine Zeit mehr für die Vermarktung“, sagt Eichblatt. „Deswegen übernehmen wir das!“

Als Masterarbeit für die WHU entwickelte Eva Neugebauer (26) das Konzept für Frischepost. Über das Exist-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums bekamen die Gründerinnen zum Start 125.000 Euro, im April 2015 ging die Seite live. Im vergangenen Sommer folgte dann eine Seed-Finanzierungsrunde, an der sich auch Wundercar-Macher Gunnar Froh beteiligte.

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Mittlerweile vertreiben die Gründerinnen knapp 450 Produkte über ihre Seite, darunter Äpfel, Kartoffeln, Salat, Eier, Joghurt, Käse oder Wurst. Alle Produkte kommen von Höfen, die nicht weiter entfernt als 100 Kilometer vom Frischepost-Lager liegen.

Bis Dienstagnacht müssen die Kunden ihre Lebensmittel für mindestens 15 Euro bestellen, Donnerstagmorgen bringen die Händler ihre Produkte in eine Lagerhalle in der Hamburger Speicherstadt. Dort können die Kunden ihre Bestellung direkt abholen oder sich die Ware für wenige Euro liefern lassen. Sind die Kunden nicht zuhause, stellen die Fahrer die Kiste vor der Haus- oder Wohnungstür ab. „Alle Fahrer sind ausschließlich mit Elektroautos unterwegs“, betont Eva Neugebauer. „Und die Ware wird in Mehrwegkisten verpackt, die unsere Fahrer zusammen mit den Glasflaschen und anderen Mehrweg-Verpackungen wieder abholen.“

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Bisher gibt es den Service von Frischepost nur in Hamburg. Bald wollen die Gründerinnen ihr Modell, das beispielsweise mit den Berliner Startups Gegessen wird immer oder Bonativo konkurriert, aber auch in anderen Städten testen. „Bis Ende 2016 können wir das Geschäft in Hamburg profitabel machen“, sagt Neugebauer. „Nach einer zweiten Finanzierungsrunde werden wir mit unserem Proof of Concept dann in weitere Großstädte expandieren.“

Über Umsatz und Kundenzahl wollen die Gründerinnen noch nicht sprechen, unter den B2B-Kunden seien aber auch große Firmen wie Beiersdorf oder Kitas aus der Umgebung, erzählen sie. Firmen können ihre Ware jeden Tag abholen, Privatkunden beliefert das Startup nur am Donnerstag. Bald soll aber auch der Montag hinzukommen – viele Kunden und auch Produzenten hätten sich einen zweiten Liefertag gewünscht.

Die Gründerinnen strahlen, wenn sie von ihrem Konzept erzählen. Für Eva Neugebauer ist es besonders schön, zu sehen, wie die Großstädter sich plötzlich über die Händler informieren: „Bisher waren die Erzeuger alle anonym, die Käufer hatten keinen Bezug zu den Lebensmitteln“, sagt sie. „Einige der Betriebe verkaufen 60 Prozent ihrer Lebensmittel über uns“, ergänzt Juliane Eichblatt. „Wir sichern also deren Fortbestehen. Das treibt uns an.“

Unsere Redakteurin Hannah Loeffler ist diese Woche in Hamburg, um dort spannende Gründer und ihre Startups kennenzulernen. Für Anmerkungen und Ideen schreibt ihr eine Mail an hannah@gruenderszene.de.

Bild: Hannah Loeffler/Gründerszene