Die vier Speaker der ersten Berliner FuckUp Night: Adam Telfer, Georg Lindt, Johannes Finke und Hans Christian Stier.

„Scheitern kann man überall“

Scheitern gehört bei Wooga zum täglichen Geschäft. Die Berliner Spieleschmiede ist unglaublich erfolgreich, potent finanziert und wird schon als Kandidat für den baldigen Börsengang gehandelt. Doch in den bunt gestalteten Räumen von Wooga wird regelmäßig an Spielen gebastelt, die erfolglos starten, wieder vom Markt genommen werden oder nach den ersten Tests gar nicht erst umgesetzt werden.

Adam Telfer, Produktmanager bei Wooga, hat schon etliche Spiele scheitern sehen. „In der Gaming-Branche zählen nur Hits“, erzählt er am Donnerstagabend seinem Publikum. „Deswegen haben wir einen Filter entwickelt, um erfolgreiche Spiele früher ausfindig zu machen.“ Auf einer großen Leinwand blendet er eine Folie mit einer Grafik in Trichterform ein, die zeigt: Von 40 entwickelten Prototypen werden zehn produziert, sieben gehen in den Softlaunch, drei Spiele werden tatsächlich auf den Markt gebracht und nur zwei davon werden wiederum ein Hit. Viele Entwickler arbeiten also an Projekten, die nie gekauft werden können. Das Publikum staunt.

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Helfer spricht bei der ersten FuckUp Night, die in Berlin stattfindet – diesmal im Büro von Wooga nahe dem Alexanderplatz. Das Event, bei dem Gründer aus verschiedensten Bereichen von ihrem Scheitern berichten, ist in vielen Städten der Welt schon quasi Kult. Beispielsweise in Mexiko City. Denn in Mexiko entstand die Idee für die FuckUp Night: Ein paar Freunde unterhielten sich eines Abends über ihre unternehmerischen Erfahrungen – und über ihr Scheitern. Später stellten sie alle fest, wie wichtig und hilfreich diese Unterhaltung gewesen war und entwickelten die FuckUp Night, damit die Zuschauer von den Erfahrungen der anderen profitieren können.

Mittlerweile findet das Event in 43 Städten in 18 Ländern statt. In Deutschland gab es bereits in Düsseldorf eine FuckUp Night; auch Stuttgart und Köln sollen folgen.

In Berlin sprechen an diesem Donnerstagabend vier Gründer über ihr Scheitern. Sie haben jeweils zehn Minuten mit anschließender Fragerunde. Neben Telfer haben die Veranstalter den Bonaverde-Gründer Hans Christian Stier, der von seinem gescheiterten Startup Kaffee Toro erzählt, den Filme- und Liedermacher Georg Lindt, der gleich seine ganze Lebensgeschichte preisgibt, und Alleskönner Johannes Finke, der von seinem gescheiterten Verlag, kurzfristig abgesagten Theaterstücken und Scheidungen berichtet, eingeladen.

Keiner der Speaker hält sich an den Zeitrahmen, Georg Lindt redet sogar knapp 40 Minuten. Doch das Publikum wirkt größtenteils gebannt. Die Stimmung ist locker, es wird viel gelacht. Für fünf Euro Eintritt dürfen sich die Gäste Bier und Wasser nehmen. 120 Leute sind zu Wooga gekommen, die Veranstalter sind begeistert von so vielen Zuhörern und sehen viel Potenzial: In anderen Städten, beispielsweise Mexiko City oder New York City kommen nämlich bereits über 1.000 Leute für eine FuckUp Night zusammen.

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„So unterschiedlich die Wege auch sind, scheitern kann man überall: Als digitaler Unternehmer, Künstler oder Handwerker“, sagt Mitveranstalter Fabian Metzeler. „Deswegen können alle voneinander lernen.“ Im Dezember oder Februar soll bereits die nächste FuckUp Night stattfinden. „Wir haben schon mit spannenden Gründern gesprochen“, sagt Metzeler. Mehr will er noch nicht verraten.

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Die erste Berliner FuckUp Night fand in den Räumen des Berliner Spieleentwickler Wooga statt.

Bilder: Hannah Loeffler / Gründerszene