Nicht ganz so schlecht

So richtig gut ist es für Facebook in den vergangenen Monaten nicht gelaufen, wenn man den vielen Studien traut. Junge Leute würden das Soziale Netzwerk in Scharen verlassen, hieß es. Facebook sei uncool, weil jetzt auch Mütter, Väter und Großeltern dort vertreten sind. Auch die Auslagerung der Chatfunktion in eine eigene mobile App kam nicht so richtig gut an. Die teuren Zukäufe von Whatsapp und Instagram wurden fast schon als Verzweiflungstat eingeschätzt. Doch ganz so verzweifelt sieht die Lage der kalifornischen Firma offenbar nicht aus.

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Die Zahlen sind natürlich nicht mit Apple zu vergleichen, aber die Tendenz ist ähnlich: Im vierten Quartal 2014 ist der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr um 34 Prozent auf 701 Millionen Dollar gestiegen. Der Umsatz verdoppelte sich auf fast 3,85 Milliarden Dollar. Die Zahl der monatlichen Facebook-Nutzer ist um 13 Prozent auf 1,39 Milliarden gestiegen. Nicht ganz so schlecht.

Wie hat es Facebook geschafft, diese überzeugenden Zahlen abzuliefern? Fünf Thesen:

1. Konsequente Ausrichtung auf Mobile

Die große Mehrheit der Facebook-Nutzer, unglaubliche 1,2 Milliarden, greift von mobilen Geräten auf das Netzwerk zu. Bereits vor einigen Jahren hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg diese Entwicklung vorhergesehen und konsequent auf Mobile gesetzt. Ebenso legendär wie unbestätigt ist die Geschichte, dass er alle stationären Computer aus der Zentrale im kalifornischen Menlo Park entfernen ließ, um die mobile Ausrichtung zu forcieren. Gerade in Entwicklungsländern verbinden sich die Menschen vor allem per Smartphone mit dem Internet. Hier liegen auch die größten Wachstumschancen der kommenden Jahre. Und die Chancen erfolgreicher Werbung (siehe These 5).

2. Weltweite Vernetzung statt Erlöse

Immer wieder musste sich Zuckerberg den Vorwurf anhören, dass sein Netzwerk zwar sehr viele Nutzer habe, er sich aber nicht genug um die Erlöse kümmere. Trotzdem lässt sich der Facebook-Chef nicht von seiner Vision abbringen: „We want to really focus on serving everyone in the world.“ Das ist groß und offensiv gedacht: Facebook will das Netzwerk sein, das weltweit alle Menschen verbindet.

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Um dieses Ziel zu erreichen hat die Firma mächtig aufgestockt – und dadurch die Kosten in die Höhe geschraubt. Sie stiegen von Oktober bis Dezember im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 87 Prozent auf 2,72 Milliarden Dollar. Die Belegschaft wurde um 45 Prozent vergrößert, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung verdoppelt. Investoren sind vorsichtig. Die Facebook-Aktie fiel nach Bekanntgabe der Zahlen. Doch das wird Zuckerberg kaum stören.

3. Ausrichtung auf Video und Fotos

Jeden Tag werden auf Facebook unglaubliche drei Milliarden Videos geteilt. Das ist eine Steigerung um 74 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ähnlich sieht es bei Fotos aus. Facebook wird in den kommenden Monaten intensiv daran arbeiten, die Video- und Fotofunktionalitäten zu verbessern und so den neuen Bedürfnissen der Nutzer entgegen zu kommen.

4. Zukäufe von Whatsapp und Instagram

Die teuren Zukäufe haben sich für Facebook gelohnt. Nach dem Bayern-München-Prinzip wurden damit vielversprechende Konkurrenten aus dem Markt genommen und treten nun im gleichen Team an. WhatsApp-Nutzer verschickten pro Tag 30 Milliarden Nachrichten. Im Vergleich dazu: weltweit wurden 20 Milliarden SMS verschickt. Jeden Monat nutzen rund 700 Millionen Menschen Whatsapp, 300 Millionen sind aktiv auf Instagram und 500 Millionen aktivierten den Facebook-Messenger. Das Potential für mobile Werbung ist gigantisch. Mit Whatsapp und Instagram werden jüngere Zielgruppen angesprochen, die sich von Facebook verabschieden. Alles bleibt in der Familie.

5. Mobile Werbung ist die Zukunft

So richtig kommt noch kein Schwung in die mobile Werbung. Das Geschäft läuft eher schleppend, man wartet noch auf den großen Durchbruch. Doch bei Facebook sieht die Sache anders aus. Im vergangenen Quartal wurden 69 Prozent aller Werbeeinnahmen mit Zugriffen von mobilen Geräten verdient. Vor einem Jahr waren es noch rund 50 Prozent gewesen. Obwohl bereits 25 Prozent der Mediennutzung in den USA über mobile Geräte generiert wird, gingen nur zehn Prozent der Werbeausgaben in die mobile Werbung. Der Trend ist also mit Zuckerberg. Facebook arbeitet jetzt daran, die Werbekunden noch intelligenter anzusprechen. Wer sich ab dem 30. Januar bei Facebook einloggt, akzeptiert automatisch die neuen Datenschutzrichtlinien, die es dem Konzern leichter machen sollen, Werbung auf einzelne Nutzer zuzuschneiden. Alle, die nicht zustimmen, müssen auf die Nutzung des Netzwerks verzichten. Wie das genau funktionieren wird, verrät Facebook nicht. Auf mobilen Geräten soll durch Ortung standortorientierte Werbung möglich sein. Zum Beispiel vom Sushi-Lokal um die Ecke. Nutzer können die Ortung natürlich abschalten.

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