E-Book Printbuch Vergleich

Digitalisierung und mobiles Internet haben in den vergangenen Jahren den Medienkonsum nachhaltig verändert. Später als bei anderen Medien erfasst die Digitalisierung nun auch das Buch. Allein 2011 wurden laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) doppelt so viele E-Books verkauft wie im Jahr zuvor. Die Anzahl der verfügbaren deutschsprachigen E-Books liegt etwa beim Anbieter eBook.de aktuell bei 600.000 Titeln. Gemessen am Verzeichnis lieferbarer Bücher von rund drei Millionen noch gering, Tendenz aber stark steigend. Was bedeutet das für das gedruckte Buch? Eine Gegenüberstellung in vier Punkten.

1. Individuelles Leichtgewicht vs. Taschenlampe

Das E-Book ist praktisch. Besonders für Menschen, die viel unterwegs sind und dabei in literarischer Begleitung sein wollen. In der Vergangenheit hatte man auf langen und fernen Reisen nur die Möglichkeit, eine Auswahl vorzunehmen oder einen Stapel an Büchern im Koffer zu verstauen. Blieb der tägliche Konsum aus, war die Mitnahme all der Bücher umsonst.

Das E-Book punktet da ganz klar: Gerade einmal 150 bis 200 Gramm wiegt das kleine Lesegerät und liegt äußerst bequem in der Hand. Ein Reader kann zudem problemlos mehrere hundert Bücher abspeichern. Ein durchschnittlicher Buchwälzer wiegt im Vergleich gerne mal ein knappes Kilo und wird nach einer Weile zu einer echten Sporteinheit.

Andererseits: Die Wahl und Vorfreude auf ein Buch können sich der ungeteilten Aufmerksamkeit des Lesers erfreuen. Die Qual der Wahl fällt beim Printbuch – besonders auf Reisen – einfach weg. Das Lichtproblem löst das E-Book elegant mit einer Beleuchtungsoption für lesereiche Nächte. Das Buch benötigt hierfür mindestens eine Taschenlampe. Gerade für Mitmenschen, die nicht mitlesen wollen, ist das E-Book ein fairer Kompromiss, um niemanden mit Lichtquellen zu stören. Ein weiterer Bonus beim E-Reader ist die individuelle Einstellungsfunktion der Schriftgröße und -art.

2. Multitalent vs. Entspannung

Das gedruckte Buch hat einen ganz bestimmten Geruch, der den Menschen vertraut ist. Es riecht nach einer Geschichte, nach Leben, nach Gebrauch. Ein E-Book ist kalt und flach. Schlichtweg anonym. Im gedruckten Buch kann man Eselsohren in die Seiten falten, wenn die Augen zufallen, kann markieren und unterstreichen, kommentieren und skizzieren.

Aber das E-Book hat auch Vorteile: Manche Reader bieten eine Art Nachschlagewerk für Fachbegriffe, die mittels Verlinkung eine Erklärung bringen. Ein weiterer Pluspunkt ist die Such- und Kopierfunktion ausgewählter Textpassagen. Nicht umsonst wird das E-Book immer wieder gern als Multitalent bezeichnet. Dank seiner Multimedialität kann der Leser auch Video-, Flash- oder mp3-Dateien abspielen und über eine Verlinkung E-Mails aus dem Buch heraus versenden und sich mit anderen Lesern vernetzen und austauschen. Beim Reader ist ein hohes Maß an Interaktivität geboten.

Das gedruckte Buch erzielt im Vergleich dazu eine beruhigende Wirkung. Durch seinen analogen Charakter bringt es den Leser zum Abschalten der digitalen, schnellen Welt. Der Leser ist fokussiert und vertieft sich in seine Fantasiewelt und entspannt.

3. Update vs. Auflagenwahnsinn

In Punkto Umwelt ist das E-Book auf den ersten Blick ein großes Vorbild. Es verbraucht kein Papier. Andererseits muss das Elektrogerät auch erst einmal hergestellt werden, was auch mit Energie und Ressourcen verbunden ist. Das Nonplusultra gibt es also nicht. Dennoch ist das E-Book flexibler, was Korrekturen angeht. Erfahrungsgemäß kommen in Büchern immer wieder Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler vor. Gedruckt ist gedruckt. Selbst bei Auflage 1 und Print on Demand. Das E-Book ist korrigierbar. Der Autor kann problemlos “uploaden”, der Leser zu jeder Zeit die neueste Version “downloaden”.

4. Kostenblock vs. Einmalkosten

Zu guter Letzt werden E-Book und Printbuch auf Anschaffungskosten geprüft. Das E-Book punktet hier in vielen Bereichen. Allein das Einkaufen neuer Inhalte erledigt man bequem am Rechner. Grundsätzlich liegen E-Books etwa 20 Prozent unter dem Ladenpreis der gedruckten Bücher. Kurz und bündig: Das E-Book spart Zeit und Geld. Dennoch ist die Anschaffung eines Readers Grundvoraussetzung. Der Preis für einen Reader liegt bei derzeit bei etwa 100 Euro – je nach Marke, Ausstattung und Neuheit.

Fazit: kein klarer Gewinner

Es gibt keinen klaren Sieger oder Verlierer in dem Duell E-Book vs. Printbuch. Das Printbuch gewinnt in Punkto Charme, Gefühl und Bindung zum Leser. Die Deutschen besitzen eine lange Lesetradition, nicht umsonst spricht man auch vom Land der Dichter und Denker. Ebenso ist das Bücherregal ein wichtiges Aushängeschild der eigenen Persönlichkeit, etwa nach dem Motto: “Seht her, das habe ich alles schon gelesen.”

Das E-Book gewinnt hingegen in sachlichen Kriterien wie geringere Kosten, sofortige Verfügbarkeit und Platzersparnis. Anders als das Printbuch ist das E-Book diskreter, denn beim Lesen ist das E-Book-Cover nicht sichtbar. Der Leser genießt dadurch insbesondere in der Öffentlichkeit mehr Privatsphäre.

Laut der GfK lag im Jahr 2010 die Beteiligung von gedruckten Büchern am gesamtdeutschen Buchumsatz bei 99,5 Prozent. Letztlich ist es eine persönliche Geschmacksfrage, ob man den traditionellen oder innovativen Weg einschlägt. Aus diesem Grund sind E-Book und Printbuch keine Konkurrenz im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr eine Erweiterung der Möglichkeiten und vor allem immer eine Lesefreude.

Technische Fakten zum E-Book

Das E-Book wird meist in den Dateiformaten ePub, PDF oder TXT erstellt E-Books können neben dem Reader auch auf Tablets, PC, Notebooks und Smartphones gelesen werden. Eine Farbdarstellung der Inhalte ist bisher nur im gedruckten Buch möglich. Dafür bieten manche Reader die E-Ink, die elektronische Tinte, an.

Besonders für das Auge ist die E-Ink von Vorteil, weil der Unterschied zum klassischen Papier kaum wahrgenommen wird und somit weniger belastend für die Augen ist. Diese Darstellungsform ist auch bei Sonneneinstrahlung gut lesbar und verbraucht nur beim Umblättern der Seiten Strom, eine merkbare Entlastung für den Akku. Der Akku kann so gern mal mehrere Wochen halten.

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