Christian (links) und Kai Wawrzinek, die Gründer von Goodgame Studios

Goodgames Ziel: die globale Marktführerschaft

500.000 Euro, das ist ganz schön viel Geld. Einen Kredit in dieser Höhe bekamen die Brüder Wawrzinek für ihr Unternehmen – doch was passiert, wenn’s schief geht? Lange mussten sich Kai und Christian nicht darum sorgen, denn mit mittelalterlichen Strategiespielen, Online-Bauernhöfen und digitalen Gangsterjagden lässt sich viel Geld verdienen. Ihre Hamburger Firma Goodgame Studios ist mittlerweile eine der größten Spiele-Schmieden Deutschlands. Das Ziel: kein geringeres als die Gaming-Weltherrschaft.

Phantasien haben da keinen Platz im Businessplan der Brüder Wawrzinek. „Kurzfristig viel Geld verdienen und in der Hängematte auf Hawaii den Rest des Lebens genießen, darum geht es uns nicht“, sagt CEO Kai Wawrzinek. Er und sein Bruder Christian wollten langfristig „etwas richtig Großes aufbauen“. Dafür setzen die Gründer auf das Free-to-play-Prinzip. Nutzer können im Browser oder auf dem Smartphone die Goodgame-Spiele umsonst zocken. Wer schneller vorwärts kommen will, muss Fortschritte erkaufen. Am erfolgreichsten ist bislang das Spiel Empire, das laut Goodgame weltweit über 69 Millionen Gamer im Browser und knapp 39 Millionen mobil spielen.

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Das Geschäftsmodell hat den Wawrzineks im ersten Halbjahr 2014 mit ihrer Altigi GmbH, der Mutter von Goodgame, ein EBITDA von 20,1 Millionen Euro eingebracht. Laut Bundesanzeiger lag das EBITDA im gesamten Vorjahr bei 13,3 Millionen Euro; der Jahresüberschuss betrug 7,9 Millionen Euro. 2012 lag der Überschuss bei etwa 23.000 Euro und 2011 verzeichnete Goodgame noch ein Minus von 200.000 Euro. Das Empire-Spiel ist 2011 gestartet.

Offenbar ist Goodgame Studios damit an seiner deutschen Konkurrenz vorbeigezogen. Der genaue Vergleich mit Wooga, Gameforge und Innogames ist allerdings schwierig: Die jüngsten öffentlichen Jahresabschlüsse der drei Firmen stammen aus dem Jahr 2012 und auf Anfrage gaben sie keine aktuelleren Zahlen heraus.

Hinweise können aber die Mitarbeiterzahlen geben. Bei Gameforge arbeiten heute 450 Mitarbeiter. Genau so viele wie 2010. Innogames beschäftigt 350 Angestellte, wobei es Ende 2010 188 waren. Bei Wooga stagnieren die Zahlen seit 2012 – entgegen großer Pläne des Unternehmens. In dem Jahr erzielte Wooga erstmals einen Überschuss von etwa 1,3 Millionen Euro und wollte mit dem Geld neue Büros mit neuen Mitarbeitern füllen. Zu der Zeit stellte Wooga zwei pro Woche ein. Heute aber arbeiten genauso viele für die Firma wie noch vor zwei Jahren: 275 Angestellte.

Krasses Personalwachstum und „sehr schwarze Zahlen“

Goodgame Studios hingegen expandiert massiv. Bei der Gründung 2009 gab es zwölf Mitarbeiter, mittlerweile sind es 1.200 und in diesem Jahr sollen noch einmal 400 hinzu kommen. „Ein solches Wachstum zu managen ist ganz klar eine große Herausforderung“, sagt Kai Wawrzinek. Der Zuwachs sei aber notwendig: In den Angestellten sieht er den wichtigsten Faktor für Erfolg. Der Druck im internationalen Geschäft sei hoch, gute Ideen deswegen entscheidend. „Von 30 Konzepten geht am Ende vielleicht ein Spiel live.“

Um dem krassen Personalzuwachs irgendwie Herr zu werden, beschäftigen die Wawrzineks inzwischen 100 Angestellte in ihrer Personalabteilung. Trotzdem tut sich das Unternehmen schwer damit, geeignete Kandidaten zu finden. Von den über 5.000 Bewerbern im Monat werden nur 1,7 Prozent eingestellt.

Bei diesem Turbo-Wachstum bleibt das Credo von Goodgames etwas überraschend: Nachhaltigkeit. Das scheint gar nicht so zu passen, aber Kai Wawrzinek verweist darauf, dass jedem Mitarbeiterzuwachs ein Umsatzwachstum vorausgegangen sei, das die Kosten mehr als decke. „Wir rechnen sehr konservativ“, sagt er, „und achten darauf, dass wir trotz neuer Einstellungen weiter sehr, sehr schwarze Zahlen schreiben.“

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Das finanzielle Risiko des hohen Start-Kredits hat die Brüder geprägt; die Kosten mussten so niedrig wie möglich bleiben. So hockten Kai und Christian Mitte der 2000er im Hamburger Keller ihrer Eltern und haben daran gebastelt, die Altigi GmbH aufzustellen. Das, was einmal die Idee für Altigi sein würde, hatten die Brüder bereits während ihres Studiums in Kiel entwickelt. „Man ist ja als Student notorisch knapp bei Kasse und muss sich dringend ‘nen Euro dazu verdienen“, sagt Kai Wawrzinek. Deswegen kauften sie Webseiten und machten Geld mit Werbung.

Ihren Unternehmergeist entwickelten sie an einem Studenten-Stammtisch weiter. Dort wurden Geschäftsideen diskutiert. „Zum Teil ganz schön abstruse“, finden die Brüder heute. Dennoch haben sie sie offenbar dazu gebracht, ihre eigentlichen Berufen nie auszuüben: Christian Wawrzinek ist Arzt, Kai Wawrzinek Anwalt. Da ihr Geschäft gut lief, nahmen die Brüder dann den Kredit auf: Alles sollte größer werden. Die Webseiten, die die Gründer damals kauften, waren vor allem welche mit Spielen und Videoclips.

Dass sie mit Clips gegen YouTube keine Chance haben würden, mussten die Wawrzineks allerdings schnell einsehen. „Die haben alles platt gemacht“, sagt Kai Wawrzinek. „Wir haben uns dann überlegt: Wenn wir schon Spiele-Seiten mit 150.000 aktiven Nutzern haben, warum machen wir nicht auch Geld mit den Spielen darauf?“ Das war der Ursprung von Goodgame – die Brüder gründeten die Spiele-Schmiede schließlich im Jahr 2009. Christian entwarf die Grafiken, Kai programmierte die Spiele: „Mittlerweile haben wir zum Glück Leute, die das besser können als wir.“

Zum Zocken haben beide längst keine Zeit mehr, große Gamer waren sie sowieso nie. „Wir haben nicht, wie viele Gründer, unser Hobby zum Beruf gemacht,“ sagt Kai Wawrzinek. Strategie und unternehmerische Herausforderungen finden COO Christian und CEO Kai spannender: Facebook? Neue Produkte? Wie viel Gaming geht in China? Und natürlich: Wie treiben wir am schnellsten das mobile Geschäft voran?

Bitte wenden – hier geht’s zur zweiten Seite: Kann Goodgame Supercell überholen?

Bild: Goodgame Studios

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