In Zeiten einer wirtschaftlichen Krise sollte man als potentieller Gründer oder junges Startup lieber in die Zukunft gucken und sich in Ruhe auf den nächsten Aufschwung vorbereiten. Da bietet es sich doch an die Zukunft und die Chancen von mobilen Anwendungen mal wieder mit neuen Erkenntnissen zu betrachten.

Am Montag fand die Future of Mobile Konferenz in London statt. Es waren hochkarätige Vertreter wie Rich Miner (Group Manager Mobile Platforms Google), Autor Tomi Ahonen (Mobile as the 7th Mass Media), Tom Hume (Future Platforms) und einflussreiche Mobile Blogger wie Rudy de Waele (M Trends) plus Vertreter der mobilen Plattformen Windows Mobile, LiMo, Symbian und Android anwesend. Also ein breites Spektrum an Teilnehmern und Sprechern, so dass eine Beurteilung des State of the Art recht zutreffend sein sollte.

Erstaunt hat mich eine recht negative Grundstimmung bei vielen Sprechern, die zeigt, dass es noch ein langer Weg ist bis die hohen Erwartungen in diesem Bereich eintreffen. Dass es einen Mobile Boom geben wird dürfte klar sein, ob der hauptsächlich in den Emerging Markets auftritt oder nur in den Industrieländern ist unklar, aber die Trends von immer fähigeren programmierbaren mobilen Geräten mit ständiger Internetverbindung sind unabstreitbar. Praktischere Zeichen der Zeit, Google würde nicht so viel Geld und Ressourcen in das mobile Betriebssytem Android stecken, wenn man sich nicht erhofft einen Großteil der über 3 Milliarden Handynutzer zu erreichen. Das iPhone dominiert zur Zeit sämmtliche Nutzungsstatistiken im Mobile Internet Bereich und es zeigt auf in welche Richtung es mit Android, Blackberry oder Windows Mobile in Verbindung mit mächtigen mobilen Geräten gehen wird. Das App Store Modell scheint Fuß zu fassen und verspricht besser Vertriebskanäle.

Warum aber die negative Grundstimmung? Die GPS-Integration ist oft mangelhaft (Nokia N95 oder iPhone Nutzer die vollkommen zufrieden sind?), die Akkulaufzeiten mehr als unzureichend (Hat schon wer das G1 mehr als eine Woche getestet und ist zufrieden?), Datentarife und Geräte zu teuer (wir sind in einer Rezession), diverse mobile Plattformen (Entwicklung nur für iPhone oder doch schon Android?) und vieles weitere Faktoren. Mobile Startups haben es noch sehr sehr schwer an die Nutzer zu kommen. Dies sind alles „Kinderkrankheiten“ und man muss ein paar Schritte weiter gucken, wenn Mobile Mainstream wird…

Was denkt ihr, wo gibt es Chancen für Startups? Wo steckt das höchste Potenzial? Ist es schon zu spät einzusteigen?

Wie kämpft man aktuell gegen die Kinderkrankheiten?

Meine Kurzantwort:
Ich sehe viel Potential in Anwendungen, die die immer besseren Sensoren (Location oder Motion) in Verbindung mit Community-Aspekten (per Bluetooth oder übers Internet) verbinden, nicht nur für Spiele. Nettes Beispiel SMule, gemeinsam Flöten.

In Bezug auf die Kinderkrankheiten, versuchen eine Kernanwendung zu überlegen und wie diese möglichst einfach auf verschiedene Plattformen transportiert werden kann, um Skalierbarkeit zu gewährleisten. Lieber auf Dinge wie iPhone oder Android setzen, als alte Legacy Handys zu unterstützen. Oder sogar auf Flash oder Umgebungen wie Yahoo Blueprint setzen, die eine bessere Abstraktionsebene darstellen, als direkt auf dem Betriebssystem zu sitzen.

Mehr Eindrücke habe ich unter „15 Perspectives from the Future of Mobile“ zusammengefasst.