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Es ist der 2. Februar 2012 gegen Mittag, die Anspannung wächst. Draußen brennt die Sonne und gleich geht es los. Der Startschuss für den German Silicon Valley Accelerator (GSVA) fällt. Über 200 „Mover & Shaker“ und Macher des digitalen Banketts wie zum Beispiel Peter Thiel geben sich im Plug-and-Play-Inkubator die Klinke in die Hand, um heute dabei zu sein. Und das, obwohl an diesem Tag Facebook seinen Börsenprospekt offenlegt… 

Der German Accelerator bringt deutsche Gründer ins Silicon Valley

Die deutsche Gründerszene boomt – die ganze Welt sieht nach Deutschland und bewundert uns für den technologischen Fortschritt. Utopie? Nein – aber lange her. Die deutsche „Gründerzeit“ fand Ende des 19. Jahrhunderts statt. Ein vom Krieg zerstörtes Ökosystem für Entrepreneure sowie eine daraus resultierende Risikoaversion haben aus Deutschland einen Markt für Fast Follower, aber nicht für Innovatoren gemacht, wie Peter Thiel feststellt. Bei allen Fortschritten Berlins auf dem alten Kontinent – der Nabel der Technologiewelt ist immer noch unumstritten das Silicon Valley.

Das GSVA-Programm, von den deutschen Technologieveteranen Dirk Kanngiesser und Oliver Hanisch ins Leben gerufen, wählt vielversprechende deutsche Startups aus und gibt ihnen im Rahmen eines Stipendiums die Möglichkeit, den US-Markt zu erobern. Das Programm ist im Februar 2012 gestartet und Fair Observer (www.fairobserver.com) und Trifense (www.trifense.de) sind die ersten beiden Startups gerade vor Ort.

Deutsche im Valley

Auch wenn das Silicon Valley inzwischen von indisch- und chinesisch-stämmigen Gründern und Entwicklern dominiert wird, gibt es eine ganze Reihe deutscher Vorbilder, die den Weg für „ze Germans“ bereitet haben, unter anderem Konstantin Guericke, Mitgründer von LinkedIn, Andreas von Bechtoldsheim, Mitgründer von Sun Microsystem, sowie Marco Börries, Entwickler von StarOffice.

Sie als Leuchttürme, sowie die (für uns abgedroschen wirkenden) deutschen Tugenden als auch die zunehmende Attraktivät Berlins führen dazu, dass Deutsche im Valley momentan hoch gehandelt werden. Nur die deutsche Angewohnheit, Ideen kleinzureden, wird noch belächelt…

Lifestyle vor Ort

Die Technologielandschaft erstreckt sich von der Golden Gate Bridge aus nach Süden. Sie ist geprägt durch das pulsierende und kreative San Francisco sowie durch Palo Alto, das dank der Stanford-Universität eine fast magische Anziehungskraft ausübt. Hier treffen kalifornische Lockerheit und studentischer Hedonismus auf analytische Brillianz. Abgesehen davon erblickt das deutsche Auge weit und breit die für USA so typische Suburbia. Von der man sich aber nicht täuschen lassen darf. Überall erspäht man die Headquarters weiterer Weltunternehmen wie Apple, Cisco, Ebay, Intel und Google, um nur einige zu nennen.

Viele Startups im Valley teilen sich Gründer-WGs in der Nähe der Unis beziehungsweise Inkubatoren. Visionen werden hier 24/7 gelebt, und „work hard, play hard“ stilisiert sich zu einem beschleunigenden, scheinbar grenzenlosen Gemeinschaftsgefühl. In der San Francisco Bay Area zu arbeiten, bedeutet zumeist frühes Aufstehen und deutsche Pünktlichkeit. Zeit und Geld sind knapp. Zuspätkommen wird abgestraft.

Für den Trifense-Gründer Christian Gehl ist es also ein täglicher Spagat, da er in den verschiedenen Zeitzonen arbeiten muss, um “das Geschäft in den USA und Deutschland weiterhin unter Kontrolle zu haben“. Networking im Valley ist höchst professionell und omnipräsent, ob im Zug, an der Bar oder bei offiziellen Veranstaltungen.

Erfolgsfaktoren

Der Mitgründer von Fair Observer, Christian Becker, erinnert sich an sein allererstes Meeting im Valley: „Wir haben im deutschen Maßstab schon ziemlich groß gedacht. Die Investoren hier haben uns eines Besseren belehrt und erwarten Umsätze, die um den Faktor fünf bis zehn größer sein müssen.“

Die Mentalität ist von drei Treibern geprägt. Erstens, groß zu denken, zweitens perfekter Execution, und drittens sich konsequent auszutauschen. Wie extrem ersteres ausgeprägt ist, lässt der ehemalige Leiter der MIT-Entrepeneurship Association, Ted Blackman, inzwischen selber Entrepreneur, erahnen: „Ein sehr namhafter Venture Capitalist meinte, dass er überzeugt sei, dass die Firma in zwei, drei Jahren für 100 Millionen US-Dollar von Google gekauft wird. Aber das seien nur Peanuts. Deswegen wollte er nicht investieren.“

Zur Execution gehören tiefgehende Produktvalidierungen, die frühzeitige (idealerweise in der Stealthphase) Sicherung der Trademarks und Patente und das gnadenlose Hochskalieren, wie Larry Marcus von Walden VC (www.waldenvc.com) bestätigt, dem ersten Pandorainvestor. Sobald Intellectual-Property-Themen geklärt sind, findet ein in der deutschen Heimat zumeist unbekannter Austausch statt. Jeder spricht mit jedem und ist sein gegenseitiger Sparring Partner, um frühzeitig den Markterfolg zu testen und das Produkt kontinuierlich zu verbessern.

Inwiefern die Zeit im Sillicon Valley einen messbaren Einfluss auf die Performance der deutschen Startups hat, kann sicher erst mit etwas Abstand bewertet werden. Die Voraussetzungen könnten aber nicht besser sein. Jetzt fehlt nur noch das notwendige Quäntchen Glück.

Übrigens: Gründerszene-Redaktionsleiterin Nora Wohlert wird vom 26. März bis 4. April im Silicon Valley unterwegs sein. Wer von Euch ist noch vor Ort? Schreibt eine Mail an redaktion@gruenderszene.de.