Planen den IPO der German Startups Group: COO Nikolas Samios und CEO Christoph Gerlinger

Sie sind einer der aktivsten Startup-Geldgeber in Deutschland. Und doch ist die German Startups Group kein herkömmlicher VC, sondern eine Beteiligungsgesellschaft. Das hat den Vorteil, erklärt Gründer und CEO Christoph Gerlinger im Gespräch, dass man nicht wie bei VC-Fonds auf Laufzeiten und Zeitfenster achten muss – typischerweise folgen VC-Geldtöpfe einem strikten zeitlichen Investment-/Deinvestment-Muster. „Wir können Startups so lange begleiten, wie es sinnvoll ist. Und müssen nicht kurz vor Fondsende auf einen Exit drängen.“ Und VC-Fonds gebe es ja schon reichlich.

Weiterer Vorteil: Eine Beteiligungsgesellschaft kann auch an die Börse gehen, um sich Zugang zum Kapitalmarkt zu beschaffen. Genau das macht der Berliner Investor nun und kündigt ein geplantes Listing am Entry Standard der Frankfurter Wertpapierbörse an. Der angestrebte Emissionserlös soll innerhalb der nächsten zwei Jahre in vielversprechende junge Unternehmen investiert werden. „Wir wollen neue Startups ins Portfolio holen, aber auch bei bestehenden Investments noch einmal nachlegen können“, erklärt Gerlinger. Zudem seien langfristig weitere Kapitalerhöhungen immer wieder möglich.

Die German Startups Group auf einen Blick:

  • gegründet: 2012
  • CEO: Christoph Gerlinger
  • Standort: Berlin
  • aktive Investments: 40
  • bisherige Rendite: 30,5 Prozent auf das durchschnittlich investierte Kapital
  • Bilanzsumme bisher: ein unterer zweistelliger Millionenbetrag, wie aus dem Umfeld zu hören ist
  • Profitabilität: nach eigenen Angaben durchgängig nach IFRS seit dem ersten vollen Geschäftsjahr 2013
  • Mitarbeiter: 8 Vollzeit-Stellen

„Die Altaktionäre werden beim IPO keine Aktien verkaufen“, versichert der GSG-Chef, „es sei denn, die Emissionsbanken üben ihre Greenshoe-Option ihnen gegenüber aus.“ Bislang wird die Gesellschaft von Gerlinger selbst, dem COO Nikolas Samios, den Aufsichtsräten des Unternehmens sowie Freunden und Bekannten getragen. Begleitet wird der IPO von der Commerzbank sowie von Hauck & Aufhhäuser, der BHF-Bank und der Quirin Bank. Wie viel der GSG letztendlich an die Börse gebracht werden oder wie hoch das Volumen sein wird, will Gerlinger noch nicht verraten. Alle weiteren Details sollen mit dem Börsenprospekt veröffentlicht werden. Auf Rocket-Volumen wird es der Börsengang des Berliner Geldgebers derweil wohl nicht bringen.

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Warum der IPO gerade jetzt kommt, wo sich die Kurse der Börsenjünglinge Rocket Internet und Windeln.de gerade nicht so prächtig entwickeln? „Wir glauben, das Börsenumfeld ist nicht schlecht. Der Gründerboom schafft aber auch unabhängig vom Börsen-Tagesklima Mehrwert. Je früher wir mehr Kapital haben, desto früher können wir uns an den Jungunternehmen beteiligen und an der Entwicklung partizipieren.“

Generell sieht Gerlinger, der einst das Spiele-Startup Frogster gegründet und an die Börse gebracht hat, mit dem IPO keine nennenswerten Risiken auf die Beteiligungsgesellschaft zukommen. Zwar räumt er ein, dass sich ein schwacher Börsenkurs auf die Reputation der GSG auswirken könne – wobei es natürlich auf den Grund der Kursänderung ankomme. Unmittelbare Auswirkungen auf die eigene Geschäftstätigkeit oder auf die Portfoliounternehmen sieht er in einem solchen Fall allerdings nicht. „Der vereinnahmte Emissionserlös aus dem Börsengang, also das Vermögen der German Startups Group, würde sich deshalb nicht ändern, es sei denn wir halten zu diesem Zeitpunkt eigene Aktien. Der Kurs hat vor allem immer dann Bedeutung für ein börsennotiertes Unternehmen, wenn es eine Kapitalerhöhung durchführen, also neue Aktien ausgeben und platzieren will.“

Dass die Beteiligungsgesellschaft kein Listing am Prime Standard der Börse anstrebt, der höhere Transparenzanforderungen stellt, liegt laut Gerlinger hauptsächlich am kleinen Team – acht Vollzeitstellen besetze man derzeit. „Wir können jederzeit wechseln, weil wir von Beginn an einen Abschluss nach den internationalen Bilanzierungsregeln (IFRS) gemacht haben. Allerdings wollten wir den Schritt nicht gleich gehen, da mit dem geforderten vierteljährlichen Reporting und anderen Folgepflichten ein erheblicher Aufwand auf uns zu kommen würde.“

Derzeit verweist die German Startups Group auf 40 aktive Investments vom Kunst-Startup Juniqe über den Lieferdienst-Vermittler Delivery Hero bis hin zur Musikplattform SoundCloud. Auch zwei ordentliche Exits hat der seit 2012 aktive Investor bereits vorzuweisen: Im vergangenen Oktober ging der Mobilwerber Fyber für einen wohl niedrigen dreistelligen Millionenbetrag an ein internationales Medienunternehmen, im Frühjahr wurde dann der Sex-Shop Amorelie mehrheitlich von ProSiebenSat.1 übernommen. Nicht immer läuft alles nach Plan, und so musste etwa das GSG-Portfoliounternehmen Squadmail, das ein „Dropbox für Emails“ werden wollte, zum Jahreswechsel den Dienst einstellen.

Knapp vor dem nun angekündigten IPO erweitert die German Startups Group ihr Portfolio durch die Übernahme eines Mehrheitsanteils an der Berliner Exozet-Gruppe. Die bietet unter anderem die Konzeption, Gestaltung und Programmierung von Internetseiten und Online-Shops. Auch iOS- und Android-Apps erstellt der Dienstleister und führt Online-Marketing-Kampagnen durch.

Christoph, was bedeutet der IPO für…

… Anleger? „Interessierte können an der Entwicklung des GSG-Portfolios teilhaben und jederzeit Aktien kaufen oder verkaufen.“

… die Startup-Szene? „Die bekommt einen potenziellen Kapitalgeber mit Zugang zum Kapitalmarkt. Bislang ist im Startup-Bereich nur die Samwer-Firmenfabrik Rocket Internet damit ausgestattet, aber anders als wir als Company Builder unterwegs.“

… die GSG-Beteiligungen? „Erst einmal nichts. Aber natürlich sind wir nach dem Börsengang finanziell deutlich besser aufgestellt. Das bedeutet, wir haben die Möglichkeit, unsere Investments auszuweiten, wenn weiteres Kapital benötigt wird. Mit der Exozet-Übernahme können wir den Startups auch an weiteren Stellen Unterstützung bieten.“

Für die German Startups Group bedeutet der Zukauf gleich in zweifacher Weise eine Neuerung. Zum einen: Es ist die erste Mehrheitsübernahme des Unternehmens. Es soll aber nicht die letzte bleiben: „Zukünftig haben wir auch die Mittel, größere Pakete zu übernehmen, etwa wenn Fonds wegen Laufzeitende aussteigen müssen. Bislang konnten wir es uns das nicht leisten“, so Gerlinger.

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Zum anderen zeigt das Exozet-Angebotsspektrum die Absicht hinter der Übernahme: Es handelt sind durchgängig um Dienstleistungen, die junge (Digital-)Startups gut gebrauchen können. Ob die German Startups Group künftig also zum Inkubator wird? „Es macht unser Kapital jedenfalls smarter“, antwortet Gerlinger. „Aber wir werden niemandem etwas aufdrängen, sondern bieten es nur an“. Auch bei der Strategieentwicklung oder im Hinblick auf Finanzierungsrunden, M&A-Transaktionen und Unternehmensverkäufen stehe man den Beteiligungen zur Seite. „Aber das tun wir bislang auch schon.“

Auch an der Philosophie, sich nicht nur bei Kapitalerhöhungen zu beteiligen, sondern auch bestehenden Investoren ihre Anteilspakete abzukaufen (sogenannte Secondaries), will die German Startups Group auch zukünftig festhalten. „Auf diese Weise können junge Gründer ihr Risiko verringern, weil sie auch vor dem Exit schon einmal Gewinne realisieren können“, sagt Gerlinger. Auch Anteilseignern, die ihre Strategie ändern oder deinvestieren möchten, wolle man einen Weg dafür bieten.

Bild: German Startups Group