Christoph-Gerlinger-German-Startups

GSG-Chef Christoph Gerlinger; die German Startups Group hat ihren Sitz am ehemaligen Flughafen in Berlin Tempelhof

Gleich mehrere Gewinnwarnungen musste die German Startups Group in wenigen Tagen abgeben – der Jahresbeginn 2017 brachte Firmenchef Christoph Gerlinger in Erklärungsnot. Bei drei Portfoliounternehmen verringerte sich die Bewertung deutlich, es handelt sich also um sogenannte Downrounds. Entsprechend muss der börsennotierte Startup-Investor seine Geschäftszahlen korrigieren, schließlich kann er sein Geld nur durch einen Wertzuwachs und entsprechende Exits bei seinen Investments verdienen.

Der jüngsten Mitteilung zufolge rechnet die German Startups Group für das abgelaufene Jahr nun mit einem Nachsteuerverlust von 10 Cent je Aktie, was insgesamt etwas mehr als einer Million Euro entspricht. Zuvor hatte Gerlinger schon zwei Mal nach unten korrigieren müssen. Eigentlich hätte ein positives Ergebnis unter dem Strich stehen sollen.

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Hintergrund sind laut Gerlinger geplante Kapitalerhöhungen – oder möglicherweise Übernahmen – bei drei Portfoliounternehmen, die derzeit in Vorbereitung sind. Als börsennotiertes Unternehmen sei die German Startups Group verpflichtet, in einem solchen Fall die Gewinn- und Verlustrechnung zu korrigieren, auch wenn die Finanzierungsrunden noch nicht abgeschlossen sind. Um welche Unternehmen aus dem eigenen Portfolio es sich handelt, wollte Gerlinger auf Nachfrage nicht verraten.

Naheliegend ist allerdings, dass es sich bei einem der Unternehmen um die Streaming-Plattform SoundCloud handelt. In den vergangenen Tagen war bekannt geworden, dass mögliche Investoren das Berliner Startup nicht mehr zu den zuvor abgerufenen Konditionen unterstützen wollen. So solle sich Google zwar für SoundCloud interessieren, sei aber nicht gewillt, mehr als 500 Millionen Dollar für eine Übernahme zu bezahlen. Zuvor war das Unternehmen mit 700 Millionen beziehungsweise mit bis zu einer Milliarde Dollar gehandelt worden.


Abwärtstrend bei der German Startups Group – Kurs von finanzen.net

 

Mit einem Kurs von zuletzt 2,10 Euro liegt die German-Startups-Aktie derzeit knapp ein Fünftel unter dem Ausgabepreis bei dem Börsengang im November 2015. Damit vergleicht sich das Papier zwar immer noch gut mit der Aktie etwa von Rocket Internet. Dennoch dürfte es der GSG derzeit schwer fallen, neues Investmentgeld zu bekommen – zumindest nicht zu günstigen Konditionen. Einmal mehr wird sich Gerlinger also die Frage gefallen lassen müssen, ob ein Startup-Investor an der Börse funktionieren kann.

Währenddessen hat sich die Liquiditätslage der German Startups Group in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert. Grund: Der Investor hatte mit Exits gerechnet – die aber blieben aus. Um die Trockenphase zu überbrücken, hatte sich die GSG sogar eine Kreditlinie von 8 Millionen gesichert. Für 2017 muss Gerlinger nun auf höhere Erträge aus Verkäufen hoffen. Und darauf, dass sich die Aktie erholt – und somit eine Kapitalerhöhung wieder attraktiv für die Gruppe wird.

Bild: German Startups Group