
Der Betreiber und Vermarkter von Internetwebseiten Unister (unter anderem bekannt für Seiten wie preisvergleich.de, Reisen.de oder Fluege.de) plant zu heute den Onlinegang seiner Immobilienplattform MyImmo.de. Das in Leipzig ansässige Unternehmen warb hierfür verschiedene ehemalige Mitarbeiter des in Thüringen und Sachsen regional gut besuchten Portals Wohnfinder.de ab, welches vor zwei Jahren von Immonet erstanden wurde und seitdem in den Auftritt von Immonet integriert wurde.
Derzeit ist der Ansatz, eine kostenlose Version des Portals anzubieten, und die Plattform auf Basis des Nutzerfeedbacks weiter zu entwickeln. Seit zwei Jahren arbeiten Entwickler bei Unister daher an der Erstellung der Seite, etablieren die Datenbank und konzipieren die Funktionen. Nach eigenen Angaben, ist man dabei den konkurrierenden Anbietern in Bezug auf die Inhalte sehr ähnlich. Unterscheiden tut man sich dadurch, dass man eine kostenlose offene Beta des Portals anbietet. „Unser Ziel ist es, genauso erfolgreich wie ImmobilienScout24 zu werden, indem wir ohne Zeitlimit das kostenlose Einstellen von Angeboten ermöglichen“, sagt Marco Behnke von Unister.
Ein durchaus ehrgeiziges Ziel, bedenkt man, dass der Markt zurzeit von den drei Playern ImmobilienScout24 (Deutsche Telekom), Immowelt (Holtzbrinck) und Immonet (Axel Springer) dominiert wird, hinter denen sich jeweils potente Investoren verbergen und die schon seit Jahren am Markt etabliert sind. Ob es da genügt, ohne neue Funktionen, sondern rein auf Basis des günstigeren Angebots Erfolge zu erzielen, bezweifelt auch ImmobilienScout24-Gründer Arndt Kwiatkowski: „Als ich das Unternehmen verließ, deckte ImmobilienScout24 rund 98% des hierfür verfügbaren Marktes ab und auch die Verfolger Immowelt und Immonet bedienten immerhin 40% der Nachfragen. Das Nutzerverhalten ist äußerst schwer zu verändern und ich halte es für ausgeschlossen, dass die User von einem Portal mit großer Reichweite, bei dem sie zwischen zehn und 40 Euro bezahlen, zu einem unbekannten Anbieter ohne Kosten wechseln. Dafür fehlt es einfach an einem funktionalen Mehrwert.“
Die größte Schwierigkeit dürfte für MyImmo in der Traffic-Generierung und im Gewinn von User-Content liegen. Für einen Online-Marktplatz müssen gleichermaßen Angebot und Nachfrage etabliert werden und im Immobilienanzeigenmarkt stellt besonders das Animieren von Privatanbietern eine große Hürde dar. Diese lassen sich primär von etablierten Marken locken, welche MyImmo noch nicht besitzt, wenngleich die URL einprägsam und prägnant ist. Als zweites wesentliches Element treten die ausgefeilten Angebotsmechanismen der Konkurrenz wie etwa die Berücksichtigung soziodemografischer Inhalte oder Umfeldanalysen hinzu. Ob dies für die Leipziger ebenfalls möglich ist zu realisieren, wird die Zeit zeigen – einige Entwicklungsarbeit haben sie ja in die Plattform gesteckt.
In der Vergangenheit hatten sie zumindest mit ihrem Portal Auto.de weniger Glück, bei welchem man damit warb, der drittgrößte Anbieter für Gebrauchtwagen zu sein, obwohl der Großteil des Angebots durch das Spidern der Inhalte von AutoScout24 zustande kam. Nach einem Unterlassungsurteil schrumpfte das Angebot von Auto.de so von 300.000 auf 20.000 Angebote. Solche Maßnahmen deuten die Schwierigkeit, sich in einem so etablierten und von langjährigen Anbietern dominierten Markt zu behaupten, an. „Das Auslesen externe Inhalte ist verboten und wird bei MyImmo absolut kein Thema sein“, stellt Marco Behnke hierzu klar.
Mit dem heutigen Tag will MyImmo sein Angebot an den Start bringen und vielleicht zieht der Hebel über den günstigeren Preis ja wirklich. Was meinen die geneigten Leser und potentiellen Nutzer dazu…?
UPDATE (16. Juni 2009): Es hatte sich ein kleiner Fehler eingeschlichen: Das regional gut besuchte Portal Wohnfinder.de wurde natürlich nicht von MyImmo aufgekauft, sondern von Immonet. Jedoch rekrutierte sich ein Teil des Personals bei MyImmo aus besagtem regionalen Portal, nachdem es aufgekauft wurde. Danke für die Korrekturhinweise, eien entsprechende Änderung wurde im Text vorgenommen. Darüber hinaus ist MyImmo.de gestern noch nicht online gegangen und wartet auch heute noch auf seinen Start.

Wahrlich ein ehrgeiziges Ziel. Das viele Immobilienmakler gerade mit den Monopolanbieter Immoscout &co. sehr unzufrieden sind könnte Unister da zu gute kommen. Gerade klein- und mittelgroßen Anbietern schmerzen die Kosten doch gewaltig.
Ein ganzheitliches Marketing-Konzept wird der Sache langfristig auch den notwenigen User-Traffic bringen. Ich wünsche viel Erfolg dabei …
Das Unternehmen beweist mir täglich wie die 7 MIO Nutzer zusatnde kommen: Spam! Mein Postfach ist dauernd voll von E-Mails aus Unisters Portalen. Angemeldet für die Newsletter habe ich mich nie. Und abmelden geht nicht, da ich dann immer Fehlermeldungen bekomme. Ich finde das sehr unseriös das Vorgehen. Es ärgert mich jeden Tag.
Das stimmt! Wenn man sich einmal bei einem Unister-Portal angemeldet hat, bekommt man plötzlich Emails von den zig anderen Portalen des Unternehmens. Ganz miese Geschäftspraktik!
Ein Henne-Ei Problem löst man nicht durch ein kostenloses Angebot.
Nochweniger, wenn es sich um eine schlechte Kopie vorhandener Anbieter handelt.
Ich sehe folgende Probleme: 1. Mit einer kostenlosen Dienstleistung kann man nicht genug Geld generieren, um langfristig Werbedruck aufzubauen. Umgekehrt zieht ein leeres Portal auch nicht genug, auch nicht wenn es kostenlos ist, wenn es mehrere etablierte Wettbewerber gibt.
2. Innovationsgrad: Ob Datingportal oder Immobilienportal, Unister ist kein Innovator, der mit einem neuen Mehrwert reizt. Um sich in einem so wettbewerbsintensiven Umfeld zu behaupten, braucht man ein starkes Alleinstellungsmerkmal und vorallem Mehrwert.
Mein Urteil daher: witzlos!
Ich finde den Stil des Artikels gut und hoffe, daß sich das so fortsetzt. So verständlich es ist, daß man als Autor bei Gründerszene keine Brücken zu Gründern in der “Gründerszene” abbrechen will, ist es für den Leser doch mit deutlich mehr Nutzwert verbunden, wenn Geschäftsmodelle auch mal kritisch hinterfragt werden. Natürlich sollte das hier genausowenig in skandalträchtigen Sensationsjournalismas ausarten, die Balance muß eben stimmen.
Zum Thema: Ich finde die Usability von Portalen wie Immobilienscout sehr verbesserungsbedürftig. Vielleicht läßt sich Unister hier ja auch etwas neues einfallen.
Wie sich das Portal entwickelt, wird sich zeigen – noch ist es ja nicht online.
Aber einen Tipp zum Mehrwert hätte ich bereits: Ein Suchfeld für Courtagefreie Wohnungen / Häuser.
Vielleicht auch eine Möglichkeit, Makler zu bewerten. Das wäre für Eigentümer und Mieter recht interessant.
Damit sollten sie aber warten, bis sie groß genug sind. :-)
Auch wenn sich der Artikel aus meiner Sicht zu recht kritisch mit den Erfolgsaussichten von Myimmo.de auseinandersetzt, muss man Unister grundsätzlich eine recht gute Note ausstellen.
Kritisch weil:
- myimmo.de keine generische URL ist wie z.B. news.de oder kredit.de (beide ebenfalls im Besitz von Unister)
- sich ein etablierter Markt nicht mit copycat-Modellen sondern nur mit innovativen Ansätzen aufbrechen läßt
gute Note weil:
Unister es schafft, viel Traffic zu genieren und gleichzeitg recht gut zu monetarisieren, was eigentlich nichts anderes ist als ein klassisches Abitragegeschäft.
… sollte man schon sehr ernst nehmen, was Unister so als Konstrukt aufbaut, würde ich mal als Leipziger sagen ;-)
guter artikel…. aber wohnfinder gehört doch zu immonet *grübel
Ich kann nur sagen, dass ich mich jedesmal über die Gebühren bei Scout, Immonet etc aufrege. Deshalb sollten doch wohl alle Makler Ihre Immobilien auf myimmo.de einstellen. Kostet doch nichts. Somit stellen wir auch eine Win2win-Beziehung her. myimmo hat was davon und wir natürlich auch, denn eventuell senken Immoscout irgendwann die Preise, wenn sie merken, dass die Makler von den Großen abziehen.
Ich kann myimmo nur viel Glück wünschen! Ich bin dabei!
erinnert mich an die für diesen August angekündigte Website hablib.com in Großbritannien.
http://www1.propertyportalwatch.com/2009/06/hablibcom-launching-in-august/
Das Projekt wird beworben als kostenlose alternative zu Maklern und herkömmlichen Immobilien-Portalen, kombiniert mit Facebook-artigen Funktionen. Mitglieder fürs Betatesten werden mit 25 Pfund pro Neuanmeldung belohnt.
“Makler” :D oder Unister :D
Natürlich könnte ich meine Immobilie auch dort einstellen, wie in den anderen kostenlosen Angeboten auch… aber was bringt es mir, wenn als Konsumenten ehh erst einmal bei immoscout24 oder immowelt schauen, die sind über die Doppelangebote EHER GENERVT.
Eine gute Nische hat zum Beispiel WG-Gesucht. Ein Portal für wirklich Courtage freie Immobilien würde sehr wohl Sinn machen, sollte dann aber ein Message System haben, weil Privat Personen nicht die ganze Zeit telefonieren und den Stress nicht haben wollen.
[...] Nach einem Unterlassungsurteil schrumpfte das Angebot von Auto.de so von 300.000 auf 20.000 Angebote. [...]
Kann mir irgendjemand einen Tip geben, wo ich das angesprochene Unterlassungsurteil finde? Werden solche Urteile nicht irgendwo veröffentlicht?
VG
Thomas
Ist “Heute” eigentlich schon “heute”?
Oder ist das Einstellen einer Baustellen-Seite inzwischen schon der “Onlinegang”?
Nunja, bis jetzt tut sich auf der Seite jedenfalls noch nichts.
Leider findet man auf der Seite keinen Ansprechpartner mehr. Hat unister wieder das EX-Personal von wohnfinder.de entfernt?
Hallo Franziska, soweit ich mitbekommen habe, hat der Initiator der Webseite “myimmo.de” das Unternehmen verlassen. Seitdem tut sich wirklich nichts mehr auf myimmo.de. Ich habe meine Angebote bereits entfernt. Viele Grüße