Das Team von Giant Swarm und die Gründer: Ganz links Henning Lange, daneben Oliver Thylmann (Zweiter von links) und Timo Derstappen (Dritter von links)

„Wir sind eher darüber gestolpert“

Oliver Thylmann ist in der Startup-Szene bereits als Gründer von Ligatus, Ormigo und Adcloud bekannt. Gemeinsam mit Henning Lange und Timo Derstappen hat der Seriengründer im Juli 2014 schon wieder ein neues Projekt gestartet: Giant Swarm. Das Kölner Tech-Startup bastelt an einer Microservice Infrastruktur, die vor allem Entwicklern das Leben leichter machen soll. Statt sich um Server Gedanken machen zu müssen, haben sie mit Hilfe der neuen Technologie Zeit, sich zum Beispiel um Features zu kümmern.

Bereits im Oktober wurde der Dienst mit ersten Nutzern gestestet, nun hat das Jungunternehmen seine Open Alpha für weitere Entwickler geöffnet. Im Interview mit Gründerszene erklärt Thylmann, was hinter seinem neuen Tech-Startup steckt, wann ein Exit Sinn ergibt und weshalb er und seine Mitgründer lieber von vornherein groß denken.

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Oliver, worum geht’s bei Giant Swarm?

Wir bauen eine Microservice Infrastruktur, mit der wir Entwicklern ermöglichen, nicht mehr über Server nachdenken zu müssen. Sie können ihre Software in Docker-Container packen – um alles andere kümmern wir uns. Wir kümmern uns also auch um die Orchestrierung der diversen verschiedenen Container, die da laufen und alles andere, was drumherum benötigt wird.

Das klingt sehr, sehr technisch. Kannst du das mal in einfachen Worten erklären? So, dass es auch deine Oma verstehen würde?

Hmm, meiner Oma würde ich vermutlich sagen: Wir bauen eine Infrastruktur für Entwickler, wie sie zum Beispiel auch Facebook und Google intern für ihre Programmierer haben. Hinter solchen großen IT-Firmen stehen sehr viele Rechner. Und es ist äußerst kompliziert, sich um diese vielen Rechner zu kümmern. Viele Entwickler solcher großen IT-Firmen wie Facebook und Google brauchen sich aber darum gar nicht zu kümmern, weil sie dafür eine Infrastruktur gebaut haben. Und das ist genau das, was wir tun: Wir bauen genau so etwas, das es ermöglicht, dass Entwickler nicht mehr über Server nachdenken müssen. Das klingt leider immer noch sehr technisch, aber das Thema ist auch einfach sehr komplex.

Giant Swarm ist ja bei Weitem nicht dein erstes Unternehmen. Du hast unter anderem Ligatus, Adcloud, Ormigo und Catalyst Zero mitgegründet. Außerdem bist du in die Entwicklung einer Micropayment-Spenden-App gemeinsam mit der UNO involviert. Hast du parallel noch weitere Projekte? Wo liegt der Hauptfokus?

Nachdem wir Adcloud an die Post verkauft haben, sind wir da im April 2013 rausgegangen – und haben dann erstmal ein bisschen nix gemacht. Catalyst Zero haben wir quasi als Zwischenschritt gegründet, um die nächste Firma zu starten. Aber Catalyst Zero schläft jetzt komplett, das gesamte Team ist zu Giant Swarm gewechselt. Da liegt jetzt absolut der Fokus drauf. Und da sind auch unsere Investoren drin. Henning Lange und ich haben da Geld reingesteckt, mein Bruder Fabian Thylmann, Stefan Glänzer und BoxGroup ebenfalls.

Wie seid ihr denn überhaupt auf die Idee zu eurer Microservice Infrastruktur gekommen?

Wir sind eher darüber gestolpert. Ursprünglich wollten wir das eigentlich nur als Basis haben – für was auch immer wieder danach machen. Wir haben uns zum Beispiel Agriculture, FinTech und MedTech angeguckt. Aber dann haben wir mit verschiedenen Leuten gesprochen und denen gezeigt, woran wir arbeiten – und die haben gefragt: „Kann ich das auch haben?“ Und wenn so etwas mehrfach die Woche passiert, denkt man sich natürlich irgendwann: „Vielleicht ist da ein Markt.“ Und tatsächlich ist der Hosting-Markt jetzt schon riesig. Und er wird in den nächsten Jahren einfach nur noch riesiger. Und Menschen etwas zu erleichtern, hat natürlich auch einen Mehrwert. Da haben wir uns gesagt – das ist es wohl.

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In der Vergangenheit haben du und deine Mitgründer bereits mehrere Exits hingelegt. Ist das für Swarm Giant auch geplant?

Wir haben letztlich bei keinem Unternehmen wirklich einen Exit angestrebt. Einer unser Investoren hat mal so schön formuliert: Bei Technik ist es meistens so, dass ab einem gewissen Zeitpunkt die Technik für jemand anderen mehr wert ist, als für einen selbst. Und dann ergibt es unter Umständen auch Sinn, einen Exit zu haben. Aber das ist nicht unser Streben, sondern es geht darum, eine sinnvolle Firma aufzubauen.

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Aktuell ist eure Open Alpha kostenlos, das wird aber ja sicherlich nicht so bleiben. Welches Geschäftsmodell steckt hinter Giant Swarm?

Wir werden wohl eine ähnliche Billing-Struktur haben, wie man es auch von Amazon kennt. Das heißt, das Ganze wird auf Basis der verbrauchten Ressourcen laufen. Da müssen wir uns einfach in den nächsten Monaten über Use-Cases an eine sinnvolle Preisstruktur heranrobben.

Wann strebt ihr an, mit dem fertigen Produkt in den Markt zu gehen?

Wir sind ungeduldige Gründer – also so schnell wie möglich! Aber für einen genauen Termin ist es noch zu früh, das können wir noch nicht sagen.

Aber natürlich wollt ihr gleich global agieren.

Naja, wenn schon, denn schon! Erst einmal groß denken. Uns geht es ja grundsätzlich um Entwickler, First Adopter und darüber hinaus auch um Startups – insgesamt alle, die eine große Infrastruktur brauchen. Und die findet man eben weltweit.

Oliver, danke für das spontane Gespräch!

Bild: Giant Swarm