Glamloop: Über 20.000 Kunden nach einem Jahr

Eine quietschgrüne Birkin Bag von Hermès für 13.990 Euro, ein Yves-Saint-Laurent-Männer-Mantel für 799 Euro oder ein Burberry-Kleid für Mädchen für 89 Euro – über den Online-Marktplatz von Glamloop können Modeliebhaber gut erhaltene, gebrauchte Designerklamotten weiterverkaufen. Mitarbeiter von Glamloop holen die Ware auf Wunsch beim Verkäufer ab, bestimmen den Preis und prüfen vorab die Echtheit der Kleidungsstücke. Über 20.000 Kunden hat das Münchner Unternehmen mit 14 Mitarbeitern mittlerweile.

Gegründet wurde Glamloop im März 2013 von den Freundinnen Kiana Mardi (33) und Alexandra Podeanu (35). Bevor sie die Idee für ein eigenes Startup hatten, arbeitete Mardi im Business Development bei Zalando, Podeanu war Geschäftsführerin bei Groupon und Glossybox in Australien.

In der Reihe „Startup-Helden“ erzählt Mitgründerin Alexandra Podeanu, warum plötzlich auch Gutverdiener ihre Kleidungsstücke über Glamloop weiterverkaufen wollen, wieso der Wert von einigen Designer-Handtaschen steigt und wie die Shareconomy das Kaufverhalten verändert.

Alexandra, wie seid Ihr auf die Idee für Glamloop gekommen?

Meine Mitgründerin Kiana und ich hatten selbst das Problem, dass wir irgendwann nicht mehr wussten, wo wir unsere ganzen Klamotten hintun sollen. Ich habe für Rocket Internet in Australien gearbeitet und als ich zurückkam, hatte ich quasi zwei volle Kleiderschränke und einfach Platzprobleme. Früher habe ich immer auf Flohmärkten und über Ebay verkauft. Ebay finde ich persönlich aber sehr mühsam und man kriegt auch nicht viel Geld für seine Sachen. Da ist Kiana und mir aufgefallen, dass es keine Seite gibt, über die man hochwertige Accessoires und Kleidungsstücke einfach verkaufen kann und wo man als Käufer sichergehen kann, dass die Sachen nicht gefälscht sind.

Gibt es ein Vorbild für Glamloop?

Glamloop ist eine Mischung aus dem amerikanischen Modell TheRealReal, die hauptsächlichen einen Abhol- und Concierge-Service anbieten, und dem französischen Unternehmen Vestiaire Collective, das nur einen Marktplatz hat.
Wir wollten uns immer im hochpreisigen Bereich positionieren, weil man in dem Bereich durch die Echtheitsprüfung einen Mehrwert schaffen kann.

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Wenn ihr bei jedem angebotenen Kleidungsstück oder Accessoire die Echtheit überprüft, ist Euer Geschäft sehr personalintensiv, oder?

Es ist definitiv personalintensiver als ein reiner Marktplatz, dafür können wir für den Service auch mehr Geld verlangen. Und wir können höhere Preise erzielen, weil der Käufer weiß, dass die Teile geprüft sind. Wir haben Experten bei uns im Haus, die nichts anderes tun. 90 Prozent werden von unserem eigenen Team überprüft, acht Prozent prüfen wir in Zusammenarbeit mit virtuellen Dienstleistern. Und für die letzten ein bis zwei Prozent, bei denen wir es nicht sicher verifizieren können, arbeiten wir mit den Marken direkt zusammen.

Wie viel behält Glamloop von dem Verkaufspreis?

Wenn wir die Sachen beim Verkäufer abholen, behalten wir 50 Prozent vom Verkaufspreis ein. Wenn der Verkäufer uns die Stücke zuschickt, behalten wir 20 bis 40 Prozent. Generell gilt: Bei sehr hochwertigen Artikeln kann immer individuell verhandelt werden.

Wie genau funktioniert der Abholservice?

Die Kunden fragen uns telefonisch oder über unsere Website an. Wir haben etwa 15 Fashion-Consultants in ganz Deutschland. Wenn der Verkäufer in der Nähe wohnt, fährt unser Consultant dorthin, um die Ware zu begutachten. Wenn wir niemanden in der Nähe haben, treten unsere sogenannten virtuellen Fashion-Consultants telefonisch mit dem Verkäufer in Kontakt, besprechen, welche Ware verkauft werden soll, und schicken dem Verkäufer dann gegebenenfalls ein frankiertes Paket.

Bei Euch verkaufen hauptsächlich Frauen. Wie sieht die typische Glamloop-Verkäuferin aus?

Die meisten Verkäuferinnen sind zwischen 35 bis 60 Jahre alt und brauchen entweder dringend Platz im Kleiderschrank oder eben Geld. Meistens haben die Damen über zehn gute Teile zu verkaufen, wollen sich aber nicht die Mühe machen, ihre Sachen zu verkaufen. Viele von unseren Verkäufern haben vorher noch nie etwas weiterverkauft – das ist natürlich schön, weil man so mit dem Modell noch einmal neue Kunden anspricht. Einige Kunden wollen auch nicht dabei gesehen werden, wie sie zum Second-Hand-Laden gehen. Außerdem haben wir viele prominente Verkäufer, die nicht genannt werden wollen und deswegen anonym über unsere Seite verkaufen.

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Und wer sind die Käufer?

Der typische Käufer ist zwischen 25 und 45 Jahre alt. Auch unten denen gibt es zwei Kategorien: Es gibt diejenigen, die Sachen etwas preiswerter haben wollen, andere Käufer suchen nach Ware, die es im Laden nicht mehr gibt oder nur mit Warteliste.

Mittlerweile werden Designer-Taschen sogar bei Auktionen von Sotheby’s oder Christie’s verkauft. Steigt der Wert von besonderen Accessoires wie bei Kunstwerken?

Absolut. Deswegen geben einige Käufer sogar mehr für eine Tasche aus, als sie einmal neu gekostet hat, nur weil es sie eben nicht mehr gibt.

Ist Preloved-Fashion ein Trend oder hat sich das Kaufverhalten in unserer Gesellschaft generell geändert?

Ich glaube nicht, dass das ein Trend ist. Second Hand gab es ja auch schon immer und gerade Frauen haben irgendwann immer zu viel im Kleiderschrank. Derzeit wird der Markt breiter, weil es Shops für die verschiedenen Produktkategorien gibt. Und durch das Internet wird der Second-Hand-Markt natürlich allgemein viel zugänglicher.

Hinzu kommt, dass die Menschen nicht mehr so viel Besitz anhäufen möchten und lieber teilen.

Klar, man teilt gerne, weil man sich nicht mehr so fest an Eigentum binden möchte. Dadurch wird auch Second Hand viel gesellschaftsfähiger. Außerdem schont es die Umwelt, wenn ich meine Sachen pflege und dann weiterverkaufe, anstatt sie wegzuschmeißen. Vor allem die Tatsache, dass es derzeit so viel Konkurrenz im Pre-Loved-Fashion-Bereich gibt, zeigt natürlich, dass es einen Markt gibt. Ich kaufe beispielsweise mittlerweile etwas teurere Sachen, die ich für einen guten Preis weiterverkaufen kann. Wenn ich beispielsweise eine Lederjacke für 800 Euro kaufe und die gut pflege, kann ich sie nach zwei Jahren noch für 300 oder 400 Euro weiterverkaufen, dann hat sie quasi nur rund 500 Euro gekostet.

Ein großer Konkurrent in Deutschland ist das Hamburger Startup Rebelle. Wie setzt ihr Euch von Rebelle ab?

Der große Unterschied zu Rebelle ist unser Fashion-Concierge-Netzwerk, über das wir die Ware auf Wunsch abholen – das hat nur Glamloop bisher.

Wollt Ihr expandieren?

Ja, wir wollen Anfang 2015 ins nahe Europa expandieren. Aus einigen Ländern bekommen wir schon jetzt viele Anfragen, dort werden wir dann wohl auch unsere nächsten Büros aufbauen. Welche Länder das sind, können wir allerdings noch nicht verraten.

Danke für das Gespräch, Alexandra.

 

Kiana Mardi und Alexandra Podeanu sind auch Teil unserer Bildergalerie „20 Gründerinnen in Deutschland – Teil zwei der Serie“:

Zur Galerie

Sophie-Cécile Gaulcke gründete 2013 Rebelle, eine Plattform für Second-Hand-Mode. Rebelle konnte bereits mehrere Millionen von verschiedenen Investoren einsammeln. Vorher war Gaulcke CEO bei dem Startup Gigalocal.

Bild: Glamloop