Die Glassdoor-Gründer Robert Hohman, Tim Besse und Rich Barton (von links)

Wer bekommt wie viel?

Software-Entwickler bei Zalando in Berlin verdienen im Schnitt knapp 50.000 Euro im Jahr. Ein Berufseinsteiger bei dem Fashion-Riesen gibt sein Gehalt mit 46.000 Euro an, dazu kommt noch eine Prämie von 6.000 Euro. Bei Delivery Hero bekommt ein Marketing-Leiter 49.900 Euro jährlich und auch Wooga entlohnt seine Frontend-Entwickler mit etwa 50.000 Euro. Praktikanten bei Rocket Internet streichen im Schnitt 900 Euro monatlich ein.

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All diese Infos gibt das Bewertungsportal Glassdoor preis, das heute seine deutsche Seite und die dazugehörigen Android– und iOS-Apps gestartet hat. Arbeitnehmer können darauf anonym ihre Gehälter angeben, Fragen mitteilen, die in Vorstellungsgesprächen gestellt wurden und ihre Arbeitgeber mit einem bis fünf Sternen bewerten. Über 500.000 Stellenangebote sind außerdem auf der Seite gelistet. Für Deutschland gibt es bereits 6.500 eingetragene Arbeitgeber.

Mit dem Portal will Glassdoor Transparenz auf dem Jobmarkt schaffen. Das Ziel: Arbeitnehmer sollen bessere Karriereentscheidungen treffen können. Sonja Perry, Produktmanagerin von Glassdoor, sagt: „Wenn man berücksichtigt, wie viel Lebenszeit man täglich im Büro verbringt – getrennt von Familie und Freunden – muss man einen hohen Preis zahlen, wenn man eine Position annimmt, die ganz anders ist als eigentlich erwartet.“

Die kostenlose Community funktioniert nach dem Give-to-get-Modell. Das bedeutet, dass ein Nutzer alle Informationen lesen kann, sobald er einen eigenen Beitrag verfasst hat. Beispielsweise kann ein User ein Foto seines Büros hochladen. Bevor Beiträge öffentlich auf der Seite erscheinen, werden sie von Glassdoor moderiert.

Firmen können ihren Ruf verbessern, glaubt Glassdoor

Das Portal dürfte vielen Unternehmen ein Dorn im Auge sein – welche Firma lässt sich schon gern von einer Art „Nacktscanner für Unternehmen“ durchleuchten? Glassdoor allerdings findet, dass auch Arbeitgeber von den Bewertungen profitieren können. So könnten Firmen besser verstehen, welche Faktoren sich auf ihre Personalgewinnung auswirken. Die Unternehmen können ebenfalls einen kostenlosen Account erstellen, auf Bewertungen antworten und unangemessene Einträge melden.

In Deutschland konkurriert Glassdoor nun mit Portalen wie Kununu, das 2013 für 3,6 Millionen Euro von Xing übernommen wurde, und Job Voting, das bereits 2006 an den Start ging und sich selbst als First Mover bezeichnet.

Glassdoor wurde 2008 von Robert Hohman, Tim Besse und Rich Barton in den USA gegründet und hat seinen Hauptsitz in Sausalito, Kalifornien. Laut Glassdoor hat die Community heute über 27 Millionen Mitglieder in 190 Ländern. Zwei Drittel der angemeldeten Arbeitnehmer bewerten ihre Geschäftsführung positiv. Im Schnitt bekommen die gelisteten Unternehmen 3,2 Sterne in der Nutzerwertung.

Google Capital, Tiger Global und Benchmark waren unter den VC-Gebern für Glassdoor. Die Plattform hat von den Investoren bislang ungefähr 160 Millionen US-Dollar bekommen.

Bild: Glassdoor