Nachfolge: Glossybox-Gründer Charles von Abercron (links) und Caren Genthner-Kappesz, die neue Chefin des Berliner Startups

Zum Jahreswechsel gibt Gründer Charles von Abercron den Posten des CEO bei Glossybox auf. Künftig leitet Caren Genthner-Kappesz die Geschicke des Berliner Beauty-Boxen-Versenders. Im Online-Geschäft kennt sie sich gut aus, fast ein Jahrzehnt verbrachte sie in unterschiedlichen Rollen bei Ebay: im Produktmarketing, als General Manager Germany bei der Tochter Shopping.com oder als COO beim Ende 2010 übernommenen Shoppingclub Brands4Friends. Zuletzt arbeitete Genthner-Kappesz beim südafrikanischen Internet- und Medienkonzern Naspers.

Im Gespräch mit Gründerszene verraten von Abercron und Genthner-Kappesz, wie es zu dem Wechsel kam – und was die Zukunft für das Digital-Startup bringen soll.

Charles, fünf Jahre an der Spitze von Glossybox waren bestimmt eine turbulente Zeit – nun gibst Du die Führung ab. Wie fühlst Du Dich dabei?

von Abercron: Ich sehe meinen Weggang aus dem operativen Geschäft mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Und eine solche Entscheidung ist natürlich emotional sehr anstrengend. Aber ich bin sicher, sie war und ist richtig.

Wie bist Du zu der Entscheidung gekommen?

von Abercron: Anfang des Jahres habe ich überlegt, ob ich Glossybox noch weiter in die Zukunft begleiten kann und soll. Das Unternehmen braucht sehr viel Management, ich hatte mich schon immer bemüht, im Gespräch mit den Investoren und Coaches einiges dazu zu lernen. Dennoch bin ich dann zu dem Schluss gekommen, dass jemand anders das wahrscheinlich besser machen kann als ich.

Die Investoren haben also nicht auf einen Wechsel gedrängt?

von Abercron: Nein, der Schritt kam zu 100 Prozent von mir.

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Ist Dein Weggang auch ein Eingeständnis, dass Gründer nicht immer die besten Manager sind?

von Abercron: Gründer haben meist natürliche Stärken und Schwächen. Sie brennen für ihre Idee und sollten zumindest ein gewisses Talent mitbringen, das Unternehmen in den ersten Jahren nach vorne zu treiben. Aber Managen ist anders als Gründen. Nach und nach kommen im Unternehmen viele Layer hinzu. Strategie, Struktur, Systeme, das sind meine drei S, mit denen ich einmal die wichtigsten Säulen zusammengefasst habe.

Am Anfang macht man noch viel „on-the-go“, danach wird es strukturierter. Glossybox hatte ja neben mir schon mal jemanden, der sich um das Management der operativen Prozesse kümmern sollte. Das hat aber damals in der Konstellation nicht funktioniert. Danach hatten wir die Entscheidung gefällt, dass das Unternehmen aus einer Hand geführt werden sollte. Das wird unter Caren zukünftig auch so bleiben.

Als Gründer bist Du auch Gesellschafter von Glossybox. Was machst Du mit Deinen Anteilen?

von Abercron: Die werde ich behalten und Glossybox weiterhin als Berater zur Verfügung stehen.

Was steht jetzt auf Deinem Plan?

von Abercron: Ich hatte nach dem Studium vor mittlerweile acht Jahren ja kaum eine Pause. Und daher auch wenig Zeit für Freunde und Familie – oder dafür, mal nach rechts und links zu schauen. Deswegen werde ich sicher nicht gleich wieder etwas Neues machen, es gibt keinen Plan, keinen Takt. Wahrscheinlich werde ich bald einfach mal zum Flughafen fahren und irgendwo hin fliegen. Das wollte ich schon immer.

Und Du, Caren, leitest Glossybox dann ab dem 1. Januar 2016. Wie bist Du zu dem Job gekommen?

Genthner-Kappesz: Ich wurde von einem Headhunter angesprochen, den Glossybox beauftragt hatte. Ich kam gerade erst mit meiner Familie aus Afrika zurück.

Dort warst Du beim südafrikanischen Internet- und Medienkonzern Naspers.

Genthner-Kappesz: Richtig. Es ist schon beeindruckend, zu sehen, wie unterschiedlich die Märkte hier und in den sich entwickelnden Ländern sind. Auch wenn man auf das Wachstum schaut.

Wird Wachstum auch Dein Fokus bei Glossybox sein?

Genthner-Kappesz: Klar, wir wollen wachsen. Ich denke, es gibt noch genug Potenzial in den Kernmärkten. Dann müssen wir uns auch die Frage stellen, wie man das erweitern kann. Und dann gibt es natürlich noch neue Märkte, die wir uns ansehen werden. Aber Wachstum ist für uns kein Selbstzweck.

von Abercron: Es war ja auch gerade der globale Footprint, der Glossybox 2013 zum Verhängnis wurde. Das passiert, wenn man zu schnell wächst. Die Erfahrung hat das Unternehmen gemacht – und wir haben dazu gelernt.

Was willst Du anders oder besser machen als bisher?

Genthner-Kappesz: Es ist noch zu früh, dazu etwas Genaues zu sagen. Ich habe da keine vorgefertigten Ideen. Natürlich habe ich so meine Hypothesen. Aber es gibt in digitalen Märkten keine Standardrezepte.

Welche Hypothesen sind das?

Genthner-Kappesz: Zum Beispiel, dass der Markt für Kosmetik und Beauty großes Potenzial hat, das Kundengeschäft ist noch lange nicht ausgereizt. Dass wir höhere Margen haben als der „normale“ E-Commerce, gibt uns natürlich auch mehr Spielraum.

Heißt das, aus Glossybox wird irgendwann ein Shop? Viele Abo-Versender haben das ja letztendlich versucht – auch wenn der Schwenk längst nicht immer funktioniert hat.

Genthner-Kappesz: Auch das werden wir uns genau ansehen. Oder zum Beispiel White-Label-Lösungen, also Angebote für andere Anbieter aufzubauen. Aber erst einmal ist das Kerngeschäft der Hauptfokus und es gibt viel, auf dem man aufbauen kann. Es gibt im Unternehmen eine lange Liste an Ideen, und ich habe mir auch im Vorfeld Gedanken gemacht, wohin man Glossybox noch entwickeln kann.

Gibt es für Dich Tabus bei der Geschäftsenwicklung?

Genthner-Kappesz: Man kann natürlich nichts kategorisch ausschließen.

Wie übernimmt man ein Team, das über lange Zeit zusammengewachsen ist und schon einige Höhen und Tiefen miteinander durchgemacht hat?

Genthner-Kappesz: Charles hat mich dem Team vorgestellt und es wird eine weiche, geplante Übergabe werden. Quasi ein Soft Launch. Ich bin nicht Charles, und das werde ich auch nicht sein. Es kann also durchaus Veränderungen geben. Mit viel Kommunikation und Offenheit sollte das funktionieren. Das Team ist ja noch nicht so groß, man kann also miteinander reden. Und es bedarf ja auch keiner sofortigen radikalen Schritte, das Unternehmen ist ja auf einem guten Weg.

von Abercron: Der Wechsel ist ein Prozess, nichts Punktuelles. Außerdem war das Führungsteam schon eingeweiht.

Ist der Zeitpunkt zum Jahreswechsel für die Übergabe günstig?

von Abercron: Für uns ist der Stress ja eigentlich vorbei. Die Zeit vor dem Jahreswechsel ist für uns zwar sehr wichtig. Aber die Planung dafür geschieht natürlich lange im Voraus – und da haben wir unsere Hausaufgaben gemacht.

Caren, was sind – ganz knapp – drei Learnings aus Deiner langen Zeit bei Ebay und anderen Digitalunternehmen, die Du bei Glossybox einbringen willst?

Genthner-Kappesz: Erstens: Fokus. Man muss genau wissen, was man macht und warum. Zweitens: Jeder Tag zählt und ist wichtig. Drittens: Speed. Es geht um schnelles Lernen und Weiterentwicklung.

Caren, Charles, vielen Dank für das Gespräch!

Bild: Glossybox