Goderma

Die Goderma-Gründer Simon Lorenz (l.) und Simon Bolz

Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Wir sind Simon Bolz und Dr. Simon Lorenz und sind die Gründer und Geschäftsführer von Goderma (www.goderma.com). Über unsere iPhone-App oder Webseite begutachten unsere erfahrenen Dermatologen Hautprobleme. Alles, was der Patient dafür tun muss, ist ein Foto des Problems zu machen und einen kurzen, medizinisch relevanten Fragebogen auszufüllen. Alle Daten werden dann anonymisiert und verschlüsselt an unsere Fachärzte übertragen, welche eine Begutachtung erstellen und Handlungsempfehlungen abgeben – alles in maximal 48 Stunden.

Wie seid Ihr auf Eure Idee gestoßen?

Simon B.: Ich hatte letztes Jahr nur eine Woche Urlaub, welche ich mit meiner Frau und unserer einjährigen Tochter in Italien verbracht habe. Am zweiten Tag hatte meine Tochter einen Ausschlag. Meine Frau und ich sprechen beide kein italienisch und standen vor der Wahl entweder in ein italienisches Krankenhaus zu fahren und uns dort durchzuschlagen, zurück nach Deutschland zu fahren oder einer befreundeten Dermatologin ein Foto des Ausschlags zu schicken.

Wir haben uns für das Foto entschieden und nach zwei Stunden wussten wir, dass unsere Tochter wahrscheinlich eine harmlose Sonnenallergie hat. Wir haben die vorgeschlagenen (rezeptfreien) Cremes in der Apotheke gekauft und am nächsten Tag war der Ausschlag weg.

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Simon L.: Als Simon zurück in Deutschland war, hat er mir die Geschichte von der Rettung seines Urlaubs erzählt. Ich hatte mich während meiner Promotion im Bereich der Gesundheitsökonomie auch mit dem sehr spannenden Feld der Telemedizin beschäftig. Zudem komme ich aus einer Ärztefamilie. Bei mir hat es zum Alltag gehört, dass ich meine Familienmitglieder per Telefon oder Email über meinen Gesundheitszustand konsultierte.

Uns beiden wurde relativ schnell klar, dass in diesem Bereich ein unglaubliches Potential steckt. Die Idee hat uns so gefesselt, dass wir Anfang diesen Jahres beide unsere Jobs gekündigt haben, um Vollzeit an Goderma arbeiten zu können.

Wer sind die Gründer, was habt Ihr vorher gemacht und wie habt Ihr zueinander gefunden?

Simon L.: Simon und ich kennen uns seit Schulzeiten. Manchmal bricht ja der Kontakt zu alten Schulfreunden leider ab, doch obwohl wir beide auch länger im Ausland waren, haben wir uns nie aus den Augen verloren. Ich habe vor Goderma auf der ESCP-EAP BWL in Passau, London, Paris und Berlin studiert. Danach habe ich bei einer Unternehmensberatung gearbeitet und gleichzeitig meine Doktorarbeit geschrieben.

Simon B.: Ich habe in Berlin und New York studiert und nach meinen Studium schon mehrere Firmen gegründet. Zuletzt gründete ich eine Agentur, die insbesondere Patientenakquise und -erfahrungen in Praxen, Kliniken und Gesundheitsunternehmen durch intelligente digitale Kanäle optimierte.

Viele Gründungsideen sind nicht gänzlich neu. Was ist Euer USP und was macht Ihr anders als alle anderen?

Simon L.: Eine medizinische Dienstleistung ist nur so gut wie die Ärzte, die dahinter stehen. Und unsere Ärzte sind unser großer USP. Wir haben es geschafft, einige der besten und erfahrensten Dermatologen Deutschlands für Goderma gewinnen zu können, wie zum Beispiel Prof. Dr. Dr. Johannes Ring, Prof. Dr. Bernadette Eberlein und Prof. Dr. Andreas Blum. Zudem arbeiten wir eng mit dem Universitätsklinikum Rechts der Isar, TU-München, zusammen, mit dem wir auch eine wissenschaftliche Studie durchführen.

Simon B.: Bezüglich unseres Produktes konzentrieren wir uns stark auf eine möglichst einfache Usability und hohe, medizinische Professionalität. Unser Service soll sowohl für junge als auch ältere Menschen verständlich und einfach zu bedienen und zu verwenden sein.

Ganz ehrlich: Wie viel Prozent der Ärzte, die ihr angesprochen habt, haben Bedenken geäußert? Eine Ferndiagnose ist ja ein heikles Unterfangen – drohen dem Arzt Konsequenzen, wenn er beispielweise einen krebsartig-entarteten Leberfleck als unbedenklich eingestuft hatte? Wird der Patient nicht vom wichtigen Gang zum Arzt abgehalten?

Simon L.: Was wir ganz deutlich sagen wollen ist, dass Goderma nicht den Besuch beim Arzt ersetzt, sondern ergänzt. Wir bieten unseren Patienten die fachärztliche Begutachtung eines unserer Dermatologen zu ihrem Problem an und die Patienten bekommen auch konkrete Handlungsempfehlungen. Wir stellen jedoch keine finalen Diagnosen oder Rezepte aus. Wir bieten den Patienten eine schnelle Klärung ihres Problems und nehmen ihnen so die Ungewissheit.

Sollte einer unserer Ärzte einen Fall bekommen, bei dem es sich um ein ernsthaftes Problem handeln könnte, dann wird dies dem Patienten mitgeteilt und ihm geraten, das Problem final von einem Hautarzt in Person untersuchen zu lassen. Bei der Hautarztsuche und der Terminfindung sind wir unseren Patienten natürlich gerne behilflich.

Bedenken hat keiner der Ärzte geäußert, mit denen wir gesprochen haben. Das liegt wohl daran, dass die meisten Hautärzte tagtäglich unzählige E-Mails mit Patientenanfragen und angehängten Fotos erhalten. Zudem ist die Teledermatologie erprobt und in anderen Ländern (zum Beispiel Schweiz, England, Holland) ein fester Bestandteil des medizinischen Systems. Es gibt wissenschaftliche Studien, dass bis zu 90 Prozent aller Patientenanfragen mir Hautkrankheiten auf Basis eines Fotos erkannt werden können.

Anfang des Jahres starten wir unsere eigene wissenschaftliche Studie mit dem Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, um auch den letzten Zweiflern zu zeigen, dass es funktioniert.

Zum Business: Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell? Und wie groß ist das Marktpotenzial?

Simon B.: Bei uns kostet die fachärztliche Begutachtung eines Hautproblems 29 Euro. Im Moment haben wir ein Einführungsangebot von 9 Euro, damit sich die Leute von der Qualität unseres Services überzeugen können. Das gilt aber nur noch bis Ende des Jahres. Weitere Preismodelle sind geplant. In Deutschland allein werden jährlich 24 Millionen Fälle von Hautkrankheiten von Ärzten diagnostiziert. Das Potenzial an vorgelagerten Begutachtungen über das Internet sehen wir noch als wesentlich größer.

Wenn viele Ärzte ohnehin bereits Patientenanfragen mit Fotos per E-Mail akzeptieren und die Patienten sich diesen Dienst von ihrer Krankenkasse bezahlen lassen können, warum sollten sie dann 9 oder 29 Euro bei Goderma ausgeben?

Simon L.: Eine genaue Zahl kann ich dazu nicht nennen. Gesetzliche Kassen übernehmen solche Leistungen derzeit nicht. Die neue Regierung hat sich jedoch zum Ziel gesetzt, dass Leistungen wie die von Goderma in Zukunft auch von den gesetzlichen Kassen erstattet werden. Private Versicherungen sind da schon etwas fortschrittlicher. Wir führen augenblicklich Gespräche mit ersten privaten Versicherungen, welche die Leistungen von Goderma übernehmen wollen.

Grundsätzlich muss auch gesagt werden, dass man seine Gesundheitsdaten generell nicht per E-Mail verschicken sollte. Das ist nicht sicher. Bei Goderma sind die Daten verschlüsselt und werden auch nicht per E-Mail verschickt.

Wieviel Prozent der Einnahmen gehen an die Ärzte und wie wird das Ganze abgerechnet?

Simon B.: Unsere Ärzte machen einen Großteil der Leistung aus und bekommen auch eine dementsprechende Vergütung.

Wie groß ist euer Ärztenetzwerk derzeit?“

Simon L.: Derzeit sind fünf Ärzte im unserem Netzwerk. Wir haben aber bereits Anfragen von neuen Dermatologen, die gerne mit uns zusammenarbeiten würden. Doch bevor wir mit einem neuen Dermatologen zusammenarbeiten, muss dieser erst mal die Qualitätsprüfung unseres medizinischen Beirats durchlaufen.

Ideen umzusetzen kostet Geld. Wie finanziert Ihr Euch?

Simon L.: Als wir im März mit Goderma anfingen, haben wir all unsere Ersparnisse zusammengeworfen geworfen und damit gebootstraped. Im Oktober konnten wir zwei renommierte Business Angels gewinnen, die uns durch eine Anschubfinanzierung unterstützen.

Gibt es etwas, das Euch noch fehlt? Ein Mitarbeiter, ein Investor oder ein Büro?

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Simon und Simon: Wir möchten diese Chance nutzen, um zu sagen: Wenn Du ein iOS-Entwickler bist, dann melde dich bei uns unter info@goderma.com, um gemeinsam mit unserem vierköpfigen Entwicklerteam die Gesundheits-App der Zukunft weiterzuentwickeln.

Gibt es ein großes Vorbild für Euch?

Simon B.: Was Uber mit Personentransport und Airbnb mit Übernachtungen macht, wollen wir mit dermatologischen Leistungen machen.

Stellt Euch vor, Ihr könntet ein Lunch gewinnen. Wen würdet ihr aus der deutschen Startup-Branche gerne mit an den Tisch holen?

Simon L.: Alle Gründer von Online-Apotheken, Terminvermittlungen und Gesundheitsportalen.

Bild: Goderma