Das Team von GoEuro

Ein Teil des GoEuro-Teams

„Wir sehen GoEuro sehr stark als europäisches Produkt“

Am gestrigen Mittwoch gab das Berliner Startup GoEuro den Abschluss einer beachtlichen Finanzierung bekannt: In der dritten Kapitalrunde investieren New Enterprise Associates (NEA) sowie die Altgesellschafter Battery Ventures, Hasso Plattner Ventures und Lakestar 27 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 20,5 Millionen Euro) in die Reisesuchmaschine.

GoEuro ist ein Transportmittelvergleich, mit dem sich bald europaweit die günstigste beziehungsweise schnellste Verbindung zwischen zwei Orten finden lassen soll. Dazu vergleicht der Dienst Preise und Reisedauer von Bahn, Flug, Bus und Auto. Das Angebot von GoEuro deckt derzeit sieben europäische Länder ab: Deutschland, England, Spanien, Italien, Belgien, die Niederlande und Luxemburg. In diesen Ländern vereint das Portal laut eigenen Angaben insgesamt 20.510 Bahnhöfe, 10.011 Busstationen und 207 Flughäfen.

Geschäftsführer und COO Malte Cherdron erzählt im Interview, was GoEuro mit den 27 Millionen Dollar vorhat, wieso Europa der ideale Markt für Preisvergleiche ist und weshalb die Deutschen gerade besonders viel sparen.

Malte, herzlichen Glückwunsch zum Deal. Was macht ihr mit den 27 Millionen US-Dollar?

Danke. Wir werden unser Wachstum beschleunigen – sowohl in den Ländern, in denen wir schon aktiv sind als auch im Rest Europas.

Ihr seid bisher in sieben europäischen Ländern aktiv. Wohin wollt ihr als nächstes expandieren?

Zu den genauen Plänen kann ich noch nichts sagen. Fest steht, dass wir GoEuro in ganz Europa ausbauen wollen.

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Eventuell auch über Europa hinaus?

Nein, wir wollen erst einmal nicht über Europa hinaus expandieren. Wir sehen GoEuro sehr stark als europäisches Produkt, weil es in Europa einen großen Reisemarkt über alle Verkehrsmittel hinweg gibt, der insgesamt etwa 150 bis 200 Milliarden Euro umfasst. Das liegt auch an der guten Infrastruktur und der hohen Bevölkerungsdichte. Ein Vergleichsportal wie GoEuro ist in Europa deswegen besonders sinnvoll – die Nachfrage ist groß, das Verkehrsangebot exzellent, aber undurchsichtig.

In Deutschland schimpfen immer alle über die Deutsche Bahn. Sind die Preise für Verkehrsmittel hierzulande tatsächlich so ungleich verteilt?

In Deutschland herrschen gerade goldene Zeiten für Reisende, weil sich die Fernbusse seit der Bus-Liberalisierung im vergangenen Jahr einen harten Preiskampf mit der Bahn liefern. Die Preise sind deswegen sehr niedrig, weil jeder Anbieter seine Marktanteile sichern will. In Spanien oder England beispielsweise konkurrieren Fernbusse schon länger mit der Bahn – dort hat sich der Markt schon stärker konsolidiert.

Wie konntet ihr die Investoren überzeugen, in GoEuro zu investieren? Schließlich habt ihr einige Mitstreiter wie Verkehrsmittelvergleich.de oder Waymate.

Überzeugen konnten wir mit unseren schnellem Wachstum bei Bus- und Bahnpartnern und Nutzerzahlen in ganz Europa.

Wie hoch sind die?

Das kann ich leider nicht verraten. Ich kann aber sagen, dass die Nutzerzahlen überall relativ proportional zu den Einwohnerzahlen in den jeweiligen Ländern sind.

Ihr bekommt bei jedem Deal, der über eure Seite abgewickelt wird, Provision. Wie funktioniert das genau?

In den meisten Fällen wird der Nutzer auf die Seite des Anbieters weitergeleitet, von dem wir entweder eine fixe Provision oder – und das ist üblicher – eine verkaufsbezogene Provision bekommen. Die ist in Deutschland zum Beispiel schon im Ticketpreis enthalten, das heißt, die Kunden zahlen nichts extra. In anderen Ländern, beispielsweise in Italien oder Spanien, verkaufen wir die Tickets direkt auf unserer Seite. Das machen wir in Deutschland noch nicht.

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Ihr beschäftigt 60 Mitarbeiter aus 23 verschiedenen Nationen. Welche Vorteile hat ein so multikulturelles Team?

Wir wollen von Berlin aus ein Produkt für ganz Europa aufbauen. Nur wenn wir Mitarbeiter aus vielen Nationen beschäftigen, verstehen wir die Nutzergewohnheiten in den anderen Ländern. Deswegen brauchen wir immer Leute im Team, die sich in einem bestimmten Land besonders gut auskennen. Außerdem macht es irre Spaß, mit so vielen Nationalitäten zusammenzuarbeiten.

Wollt ihr das Team weiter ausbauen?

Wir werden uns definitiv vergrößern und viel von dem eingesammelten Geld auch in das Team investieren.

Bild: GoEuro