Goodwall_Brothers_Antarctica

Omar (23) und Taha Bawa (25, rechts) in der Antarktis, wo die Brüder gerade einen Kurzfilm über ihre Vision von der Zukunft des Lernens gedreht haben.

Taha und Omar Bawas Gründer-Karriere beginnt mit einem Klassiker: Als Kinder verkaufen die Brüder selbstgemachte Limonade. Weil ihre Eltern für eine internationale Hilfsorganisation arbeiten und viel unterwegs sind, werden die beiden zwar in der Schweiz geboren, wachsen aber in der ganzen Welt auf. Ihr erstes Unternehmen, eine Mode-Firma, gründen sie mit 16 beziehungsweise 18, geben es aber für eine Online-Aktivismus-Plattform wieder auf. Dieses Projekt entwickeln Taha und Omar 2014 weiter – und nennen es Goodwall.

Mit der neu ausgerichteten Seite, einem sozialen Karriere-Netzwerk für Schüler, erreichen die Brüder heute eigenen Angaben zufolge rund 500.000 junge Nutzer. Zielgruppe sind 14- bis 18-Jährige. Die sollen auf der Plattform präsentieren, was sie außerhalb der Schule alles leisten: die Sommerakademie besuchen, ein Praktikum absolvieren, ein Ehrenamt übernehmen. Die Botschaft: Erfolgreich ist, wer seine Interessen verfolgt und sich engagiert. Jeder soll sein Potenzial voll ausschöpfen. Und: Außerschulische Leistungen können die Türen zu Universitäten öffnen.

In das eigene Profil packt ein Schüler auf Goodwall seine Interessen und Fähigkeiten. Auf Basis dieser Angaben schlägt der Algorithmus passende Aktivitäten vor. Beispielsweise die Teilnahme an einem Girls-in-Tech-Programm. Leistungen wie diese werden anschließend verifiziert, etwa von einem Repräsentanten an der Schule – und gesammelt. Das wiederum schaltet Features frei, darunter das Uni-Kandidaten-Matching á la Tinder. Auch die Wahrscheinlichkeit ein Stipendium zu erhalten steigt mit der Zahl erbrachter Leistungen. Für Schüler ist die Nutzung von Goodwall kostenlos.

Goodwall sammelte Ende Januar ingesamt 2,1 Millionen Franken ein

Anders sieht es auf Hochschul- und Unternehmensseite aus. Sie bezahlen für die Sichtbarkeit auf der Seite – und für die Möglichkeit, Talent früh abzuschöpfen. So lassen sich etwa automatisiert Nachrichten an Kandidaten verschicken, deren Profil die Zulassungskriterien erfüllt. Für Universitäten und Organisationen wie Code.org ist das ansonsten werbefreie Goodwall vor allem ein Marketing- und Recruiting-Kanal.

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„Gerade in den USA herrscht ein großer Wettbewerb um die besten Studenten“, sagt Taha. „An den staatlichen Universitäten in Deutschland oder der Schweiz ist dieser Konkurrenzdruck nicht so hoch, lange herrschte da in Sachen Marketing Windstille. Das hat sich inzwischen geändert.“ Neben privaten seien daher nun auch einige staatlich finanzierte Hochschulen auf Goodwall vertreten, unter anderem aus Deutschland. Insgesamt 3.000 sollen es weltweit sein. Seite und App gibt es allerdings nur auf Englisch.

Goodwall sammelte Ende Januar insgesamt 2,1 Millionen Franken ein, umgerechnet rund 1,9 Millionen Euro. Beigesteuert hatten das Geld unter anderem mehrere Mitglieder eines Schweizer Business-Angel-Netzwerks sowie zwei Mitgründer des Domain-Marktplatzes Sedo. Hinter Goodwall steht ein Team aus 19 Leuten mit Büros in Genf und Boston.

Bild: Goodwall