Google investiert massiv in die Zukunftsindustrien

Der Name Google hat seit einiger Zeit einen anderen Klang. Er löst Besorgnis und sogar Ängste aus. Vor allem in Europa. Das ist auch dem CEO und Mitgründer Larry Page nicht verborgen geblieben. Die fast schon sagenhafte Macht seiner Firma, die 55.000 Mitarbeiter und unfassbare 62 Milliarden Dollar Barvermögen haben den Familienvater nachdenklicher und vorsichtiger werden lassen. In einem Interview mit der Financial Times spricht Page über seine Zukunftvision für Google und über die Technologie- und Gründerbranche.

Der 41-Jährige fordert in dem Interview Europa auf, jungen Firmen und Gründern endlich mehr Unterstützung zukommen zu lassen. „Der Technologiesektor braucht dringend mehr Hilfe. Die Europäer sollten agieren, wie es im Silicon Valley vorgemacht wird.“ Google selbst sieht er wegen der vielen Zukäufe als größten Venture Capitalist der Welt. „Du kannst eine Internetfirma mit zehn Leuten aufbauen, die dann Millionen von Nutzern hat. Das braucht nicht viel Kapital.“

Page richtet seine Kritik auch an die Politik. Sie sollte seiner Meinung nach, so wie Google, viel mehr in große Ideen investieren, um die Gesellschaft insgesamt voran zu bringen. „Wir sollten Technologie als etwas Gutes feiern und darüber nachdenken, wie wir mehr positiven Einfluss auf die Welt haben können.“

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Als Beispiel für mögliche Google-Engagements nennt er eine junge Firma, die sich mit Fusionsreaktoren beschäftigt. Page erwartet in naher Zukunft einen Durchbruch bei der Erzeugung von günstiger Energie. Ein anderes Startup, das er kürzlich besuchte, erforscht, wie man menschliche Gedanken lesen kann. Über das Subunternehmen Calico, das das Geheimnis des ewigen Lebens lüften will, hat Google bereits mehrere Hundertmillionen Dollar in die Biotech-Szene investiert. Page: „Es gibt nicht viele Finanzierungsmechanismen, die so gut wie Google funktionieren.“

Auch zum Thema Arbeitswelt äußert Page eine streitbare Meinung. Es könne schon sein, so Page, dass in Zukunft Roboter und Computer viele Jobs übernehmen. Aber die Menschen sollten vor allem die positive Seite dieser Umwälzung sehen. „Wenn sie eine Chance hätten, würden neun von zehn Leuten ihre Jobs aufgeben, weil es ihnen gar nicht gefällt, was sie tun.“ Es könne nicht die richtige Strategie sein, an überholten Jobmodellen festzuhalten. Page: „Einfach sklavisch weiterzumachen, kann nicht die Lösung sein. Wenn wir in Zukunft Computer haben, die unsere Jobs übernehmen, dann sollten wir viel mehr darüber nachdenken, was wir eigentlich unter ,Arbeit’ verstehen.“

Aber auch Google soll sich laut Page bewegen. Seine alte Mission, alle Informationen der Welt nutzbar und zugänglich zu machen, erscheint dem Gründer heute ein paar Nummern zu klein. Mit Investments in die Zukunftsindustrien, von der Robotik bis Biotech, will Google zum Teilhaber der wichtigsten und größten Unternehmen der Zukunft werden. Auf die Frage, ob Google eine neue Firmenphilosophie braucht, sagt Page: „Wir arbeiten daran.“

Foto: thierry ehrmann /  Bestimmte Rechte vorbehalten