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Wo Uber und Google getrennte Wege gehen

Unter Uber-Beobachtern galt ein Exit lange als eines der wahrscheinlichsten Zukunftsszenarien für den Mobilitätsgiganten. Der Kandidat dafür schien ebenfalls schon ausgemacht: Google. Der Grund: Der Internetkonzern aus Mountain View ist seit 2013 mit über einer Viertelmilliarde Dollar in Uber investiert, bei der 1,2-Milliarden-Runde Ende 2014 soll Google Ventures noch einmal mitgegangen sein.

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Dazu kommt, dass sich Google mit seiner Karten- und Mobile-Infrastruktur sowie der Entwicklung selbstfahrender Autos perfekt mit der Logistik-Kompetenz von Uber zu ergänzen schien. Uber-Chef Travis Kalanick gilt als ausgesprochener Fan autonomer Mobilität (vor allem, weil ein Uber ohne Fahrer noch einmal billiger wäre als eines mit Chauffeur).

Nun aber mehren sich die Zeichen, als ob aus beiden Unternehmen statt Partnern Konkurrenten würden. Das ist passiert:

  • Uber will jetzt auch selbstfahrende Autos entwickeln. In einem Blogpost kündigte das Unternehmen eine Partnerschaft mit der Carnegie Mellon University in Pittsburg, Pennsylvania, an. Für das neue Uber Advanced Technologies Center sollen die Kalifornier mehr als 50 Forscher abgeworben haben. Die Robotik-Spezialisten sollen vor allem im Bereich Mapping, Fahrzeugsicherheit und autonomer Technologie forschen und entwickeln.
  • Uber entwickelt eigene Karten für seine App. Bislang nutzt Uber für seine App Kartentechnologie von Google und Apple sowie eigene Entwicklungen. Das Wall Street Journal zitiert Uber-Produktchef Jeff Holden, laut dem an der eigenen Mapping-Technologie schon „seit einiger Zeit“ gearbeitet worden sei, deren Entwicklung mit dem neuen Forschungszentrum aber beschleunigt werden solle. Fliegt Google Maps aus der Uber-App, würde Google den Zugriff auf die aufschlussreichen Bewegungsdaten des Dienstes verlieren.
  • Google arbeitet an einer eigenen Ridesharing-App. Offenbar wurde Google-intern eine App entwickelt, mit der Mitarbeiter sich zu Fahrgemeinschaften zusammenschließen. Laut Bloomberg Business steht die App sogar im Zusammenhang mit dem Self-Driving-Car-Programm des Zukunftslabors Google X. Das Wall Street Journal berichtet allerdings unter Berufung auf informierte Kreise, dass die App nichts mit selbstfahrenden Autos zu tun haben soll. In jedem Fall sollen dem Uber-Verwaltungsrat Screenshots der Google-App vorgelegt worden sein. Würde Google damit zum Uber-Konkurrenten, müsste Googles Chief Legal Officer David Drummond, der den Suchmaschinenkonzern im Uber-Board vertritt, das Gremium wohl verlassen.
  • Google Now integriert Lyft und nicht Uber. Unbestritten ist, dass der Echtzeit-Infodienst Google Now seit vergangener Woche Zugriff auf die Informationen einer ganzen Reihe von Drittanbieter-Apps hat. Dafür hat Google Kooperationen mit 40 Anbietern Kooperationsvereinbarungen getroffen, etwa mit dem Internetradio Pandora, dem Unterkunftsvermittler Airbnb - und der Ridesharing-App Lyft, dem ärgsten Konkurrenten von Uber. Wer fehlt? Die Uber-App.

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Was heißt das jetzt? Dass Google und Uber „in den Krieg um selbstfahrende Taxis ziehen“, wie Bloomberg formuliert, ist wohl ziemlich übertrieben.

Dafür sieht Googles Ridesharing-Projekt erst einmal zu harmlos aus. Und dafür ist Uber mit seiner Arbeit an selbstfahrenden Autos zu weit von einer möglichen Marktreife entfernt. Googles Wissenschaftler, daran muss erinnert werden, arbeiten schon seit 2005 daran.

Was die Entwicklungen aber zeigen: Uber emanzipiert sich von seinem Groß-Investor. Das kann sich ein Startup, dass fast vier Milliarden US-Dollar an Kapital aufgenommen hat, auch erlauben. Travis Kalanick will ein Unternehmen bauen, das von alleine riesig werden und bleiben kann. All das sieht nicht danach aus, als Uber bloß das Logistik-Anhängsel für Google werden soll.

Bild: © panthermedia.net / Jiri Moucka