Seneit Debese und Andres Schüpbach (mittig), die Gründer von Greta und Starks, bei der Verleihung des Deutschen Hörfilmpreises 2015

Mit der Hilfe des Startups Greta und Starks soll jeder Film barrierefrei werden – egal, ob auf der Kinoleinwand, im Open Air oder zuhause. Das Berliner Unternehmen bietet zwei kostenlose Apps: Starks hält Untertitel bereit für Menschen, die nicht, oder nur schwer hören oder die Filmsprache nicht verstehen. Greta flüstert Menschen, die nicht sehen können, die Szenen auf der Leinwand beschreibend ins Ohr.

Angefangen hat alles 2011. Seneit Debese betreibt ihren eigenen Filmverleih in Berlin und dreht gerade einen Film über eine 19-jährige blinde Läuferin. Während der Dreharbeiten erzählt ihr die junge Frau, dass sie fast ausschließlich sehende Freunde habe. Wenn sie zusammen im Kino seien, würden die Freunde ihr die Handlung, die durch die Dialoge nicht eindeutig zu verfolgen sei, ins Ohr flüstern. Doch oft würden sich andere Kinobesucher über die Unruhestifter aufregen und die Situation sei für alle unangenehm.

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Heute vertreibt Debese mit ihrem Schweizer Kollegen Andres Schüpbach die beiden Apps, mit denen bis zu 90.000 Kinofilme angesehen wurden. Über 100 Filme sind schon auf der Datenbank verfügbar. Verleiher wie Universal Pictures, Warner Brothers oder 20th Century Fox bezahlen dafür, dass Greta und Starks ihre Audiodeskriptionen und Untertitel verfügbar macht – und dadurch die Zielgruppe ihrer Filme erweitert.

Mittlerweile wirtschaften Schübach und Debese profitabel. Anfangs wurden sie mit insgesamt 250.000 Euro aus diversen öffentlichen Töpfen gefördert, darunter dem Creative-Europe-Programm. Der Telko-Konzern Ericsson, mit dem Debese durch ihre frühere Arbeit in Kontakt stand, unterstützte die Entwicklung mit einer Test-Software.

Die App-Inhalte synchronisieren sich automatisch mit dem Film

Der App-Nutzer bekommt seine gewünschten Deskriptionen aus der Cloud. Danach ist keine Internetverbindung mehr nötig. Durch das Mikrofon des Smartphones synchronisiert sich die Anwendung automatisch mit dem Film.

Später sollen die Untertitel einmal als digitaler Zusatzinhalt auf einer Datenbrille zu sehen sein. Zusätzlich könnten damit auch Gebärden-Übersetzungen augmentiert werden. Das Unternehmen arbeitet gerade an einem entsprechendem Prototypen. Das fertige Produkt soll bereits im Sommer zum Verkauf stehen und bis zu 350 Euro kosten, so das Startup. Eine Kamera wird diese Datenbrille allerdings nicht an Bord haben, um keine Filmrechte zu verletzen. Finanzielle Unterstützung erhält Greta und Starks durch einen Fond der Landesbank Berlin.

Übrigens: Nach eigenen Angaben sollen die Nutzer von Greta und Starks doppelt so oft ins Kino gehen wie ein durchschnittlicher deutscher Kinobesucher. Und der potenzielle Markt ist groß: In Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen gibt es rund 9,3 Millionen Menschen, die blind, schwersichtig, taub oder schwerhörig sind, in Deutschland alleine sind es 7,9, so die Zahlen des Deutschen Schwerhörigenbundes und des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes. Hinzu kommen alle Nicht-Muttersprachler. Mehrsprachige Untertitel sollen bald in die Datenbank aufgenommen werden.

Bild: Greta und Starks