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Die Energiewende soll Deutschland bei regenerativen Energien und den dazu gehörigen Technologien im internationalem Vergleich weit nach vorne bringen. Neue Industrien sollen entstehen, neue Geschäftsfelder erobert werden. Dazu gehört auch die Elektromobilität, die in Deutschland immer noch ein Dasein auf der Standspur fristet. Das soll sich ändern, vor allem in der Industrie. BMW, Daimler, der Volkswagen-Konzern mit Porsche und Audi sowie die Ford Motor Company planen ein Joint Venture, das ein Schnell-Ladesystem für E-Autos an wichtigen Knotenpunkten aufbauen will.

Bis 2020 wollen die Hersteller 400 Standorte für diese Stationen bieten, hinzu kommen die 400 Stationen, welche die Bundesregierung aufbauen möchte – ebenfalls an den Autobahnen und den zentralen Achsen, die die großen Städte in Deutschland miteinander verbinden. Das ist alles zwar sehr löblich. Aber es ist zu wenig, um die von der Politik gesetzen und von der Wirtschaft anerkannten Ziele zu erreichen.

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Eine Million E-Autos wollte die Kanzlerin 2020 auf den Straßen sehen. Bis dahin ist es noch ein weiter weg. Anfang 2016 rollten 25.502 Fahrzeuge elektrisch angetrieben über die Strassen. Es fehlten also noch 974.498 weitere E-Autos in den nächsten Jahren. Und niemand weiß, wo sie herkommen sollen. Denn ein bezahlbares E-Auto, das es auf wirklich hohe Verkaufszahlen bringen könnte, hat kaum einer der deutschen Hersteller im Angebot. Stattdessen setzen Audi und Mercedes auf große Elektro-SUVs, die bis Ende 2018 auf dem Markt sein sollen.

Da hilft dann die Kaufprämie in Höhe von 4.000 Euro für reine E-Autos auch nichts. Die wurde bis September 2016 gerade mal 4.500 Mal abgerufen. Das ist mit Blick auf das kaum massentaugliche Angebot nicht allein der Fehler der Regierung. Aber allein diese traurige Zahl macht klar, wie ziellos die Politik in Sachen Elektromobilität ist. Die Ministerien wissen, dass sie etwas tun müssen. Aber ein großer Entwurf fehlt. Und so langsam läuft die Zeit davon.

Denn so gut die Idee der Schnell-Ladestationen an den Autobahnen ist, das Problem mit den Abgasen liegt in den Städten. Und ausgerechnet da tut sich nichts in Sachen Ladestationen. Die meisten der wenigen bisher verkauften E-Autos sind aber Stadtautos – etwa der Renault Zoe oder der Nissan Leaf –, schon wegen ihrer geringen Reichweite. Doch in den Städten tut sich in Sachen Energiewende nichts. Weder gibt es mehr Ladestationen, noch werden E-Autobesitzer gesondert gefördert, in dem man ihnen zum Beispiel reservierte Parkflächen zur Verfügung stellt.

Natürlich liegt die Entwicklung der städtischen E-Mobilität in den Händen der Kommunen. Trotzdem könnte die Bundesregierung mit einer gezielten Förderung etwas verändern. Es wäre ein wichtiges Signal, denn 74 Prozent der Deutschen leben in einer größeren Stadt und bewegen dort ihr Fahrzeug. Wenn die Feinstaubwerte sinken, die Lebensqualität für alle besser werden und mehr Menschen die Vorteile der E-Mobilität erfahren sollen, dann müssen E-Autos in den Städten rollen.

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Um die unterschiedlichen Arten der neuen Mobilität bilden sich auch neue Geschäftsmodelle. Ob das Ride-Hailing oder Sharing-Modelle sind – Startups sind die ersten Unternehmen, die neue Chancen entdecken und nutzen. Hier liegen also die Chancen für die deutsche Wirtschaft. Politiker können sich nicht einerseits das „Google“ oder „Amazon“ der Mobilität wünschen, andererseits aber nichts dafür tun, damit Unternehmen eine Infrastruktur vorfinden, mit der sie ihre Geschäftsmodelle auch umsetzen können.

Daher sollte die Regierung einen runden Tisch für die Zukunft der Mobilität einrichten. An diesem müssen Regierung, Kommunen, Industrie und Startups gemeinsam einen großen Plan für den Wandel der Mobilität entwerfen. Und zwar noch vor der nächsten Bundestagswahl, damit danach die gesteckten Ziele auch sofort umgesetzt werden können.

Bild: Getty Images / Ingo Jezierski