Das „Groupon Center Berlin“

Der US-Rabatt-Riese Groupon setzt den Rotstift an – auch in Berlin: Nach Gründerszene-Informationen werden in der Hauptstadt 260 von 550 Stellen gestrichen. Von hier leitete das Rabattportal, das seit Jahren mit Problemen kämpft, sein internationales Geschäft. Bislang beschäftigt Groupon 10.000 Mitarbeiter in mehr als 40 Ländern.

Update, 24. September: Nun meldet sich der deutsche Groupon-Betriebsrat zu Wort: „Der Betriebsrat sieht die Begründung für den radikalen Stellenabbau sehr kritisch“, heißt es in der offiziellen Mitteilung. Die Interessenvertretung der Belegschaft befürchte, dass die bisher nur angedeutete Umstrukturierung nicht die richtige Strategie für eine Konsolidierung des Unternehmens sei.

Der Grund: „Wesentliche Abteilungen mit speziell auf den deutschen Markt zugeschnittenen Fachkenntnissen sollen hier abgebaut und in neue zentrale Standorte in Billiglohnländern ausgelagert werden“, so die Begründung der Arbeitnehmervertretung. „Wir befürchten, dass dies ein radikales Absinken der Qualitätsstandards sowie der Kunden- und Partnerzufriedenheit zur Folge haben könnte.“ Der Betriebsrat werde demnächst in Verhandlungen mit der Unternehmensführung gehen.

Nun werden offenbar konsequent weniger rentable Büros zusammengestrichen. Auf globaler Ebene will das US-Unternehmen als Teil eines Restrukturierungsplans über die nächsten zwölf Monate 1.100 Stellen streichen. Das gab Groupon am frühen Dienstagnachmittag bekannt. Für den Stellenabbau rechnet das Unternehmen mit Kosten von 35 Millionen US-Dollar vor Steuern, wie aus einer Meldung der US-Börsenaufsicht hervorgeht.

In Berlin soll nach Gründerszene-Information die komplette Deal Factory, zu der etwa Redaktion und Qualitätssicherung gehören, betroffen sein: Die Abteilung soll demnach nach Polen und Rumänien ausgelagert werden. Über die Stellenstreichungen wurden die Mitarbeiter am Mittag in einer Betriebsversammlung informiert. Begründet wurde die Entscheidung intern damit, dass der Standort Deutschland unrentabel sei. Die verbliebenen Mitarbeiter sollen in ein neues, kleineres Büro ziehen. Ein Groupon-Sprecher bestätigte diese Informationen gegenüber Gründerszene.

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2013 wurden zuletzt Entlassungen im Berliner Büro bekannt, damals fielen 100 Stellen weg, vor allem im Online-Marketing. Nur knapp ein Jahr zuvor im Juli 2012 hatte das „Groupon Center Berlin“ in der Oberwallstraße eröffnet, das Platz für 1.000 Mitarbeiter bieten sollte. Zu dem Zeitpunkt hatte Groupon noch 850 Beschäftigte in der Hauptstadt.

Groupon kämpft seit Jahren mit roten Zahlen. Als das Unternehmen Ende 2011 an die Börse ging, war es noch mit knapp 13 Milliarden Euro bewertet. Heute liegt die Marktkapitalisierung nur noch bei 2,5 Milliarden Euro – der Wert der Aktie ist von damals 20 Dollar auf heute knapp vier Dollar gesunken. Mittlerweile empfehlen viele Analysten, das Papier abzustoßen. Zwar konnte Groupon im zweiten Quartal 2015 Profit verbuchen, allerdings blieben die Zahlen hinter den Erwartungen zurück. Und: Die Prognosen für das Geschäft wurden dieses Jahr bereits mehrfach nach unten korrigiert.

Zuletzt hatte Groupon sich auch aus der Türkei und aus Griechenland zurückgezogen. In Taiwan hat das US-Unternehmen gerade angekündigt, bis zum Jahresende 115 Mitarbeiter zu entlassen und den Markt ebenfalls aufzugeben. In einem Blogbetrag erklärte COO Rich Williams nun, dass sich Groupon auch aus Marokko, Panama, den Philippinen, Puerto Rico, Thailand und Uruguay zurückziehen werde.

Mitarbeit: Christina Kyriasoglou, Hannah Löffler; Bild: Groupon; Die erste Version dieses Artikels erschien am 22. September 2015, 15:17 Uhr