Ein Beitrag von Daniel Markgraf, Entrepreneurship-Professor an der Fernhochschule AKAD University.

Wer in Deutschland von Investoren und Politikern eine bessere Gründerförderung verlangt, spricht hoffentlich von mehr als Geld. Was Gründer brauchen, sind Offenheit für die Risiken der Startup-Welt und Verständnis für das Scheitern. Doch gerade von dieser Kultur des Scheiterns ist die Bundesrepublik noch weit entfernt, wie eine Studie der Uni Hohenheim zeigt. Während die Deutschen schulischen oder beruflichen Misserfolgen auch positive Effekte zugestehen, zeigen sie im Umgang mit gescheiterten Startups wenig Toleranz. Der Gründer mag aus Fehlern lernen, doch seine Kunden verlieren das Vertrauen.

Neben dem finanziellen lastet also auch ein hoher gesellschaftlicher Druck auf dem Gründer, das Startup schon im ersten Anlauf zum Erfolg zu führen. Eine Möglichkeit der Vorbereitung bietet das Entrepreneurship-Studium. Es stellt sich aber die Frage: Was kann ein solches Studium leisten – und was nicht?

BWL-Basics: was muss, das muss

Egal, ob man die Informationen selber im Internet zusammensucht, in eine Weiterbildung investiert oder eine Hochschulausbildung durchlaufen will: Betriebswirtschaftliche Grundlagen braucht auch der beste Gründer mit der spannendsten Geschäftsidee, wenn er das Risiko des Scheiterns minimieren will. Von der Kostenkalkulation bis zum richtigen Marketing-Mix warten viele Herausforderungen auf den Gründer. Ein Startup-Studium kann hier solides Basiswissen in Projektmanagement, Marketing, Personalwesen, Qualitätsmanagement, Investitionen und Steuern vermitteln. Es bietet aber auch die Chance, Risiken einer Idee solider zu beurteilen und die eigene Geschäftsidee auf Tragfähigkeit zu prüfen. Das Risiko des Scheiterns kann so zumindest minimiert werden.

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Ziel muss es sein, aus dem Gründer einen BWL-Allrounder zu formen: Gerade in der Anfangszeit seiner Selbständigkeit sollte und muss er – mangels Mitarbeiter – einen Großteil der Aufgaben selbst übernehmen. Später muss er zumindest die Aufgaben und Ziele vorgeben, übergeben und die Umsetzung in den Fachabteilungen beurteilen können. Darüber hinaus sollte er zu jeder Zeit einem Gründungsberater oder Investor gegenüber darstellen und gut argumentieren können, weshalb diese Ausgabe ein sinnvolles Investment ist und jene nicht.

Erfahrungen und Kontakte sammeln

Wie die angesprochene Studie zeigt, haben die Deutschen wenig Geduld mit Gründern und honorieren deren Risikobereitschaft meist nicht. Daher bietet es sich für essentielle Aufgaben – wie beispielsweise die Erstellung des Businessplans oder erste Prototypen – an, eine sowohl geschützte als auch offene und kreative Umgebung zu wählen. Eine Kombination aus gründungsbezogenem Hochschulstudium und Gründerveranstaltungen wie Businessplan-Wettbewerben oder Startup-Weekends ist ein guter Weg. So lernt man aus dem Feedback von Professoren, Kommilitonen und anderen Gründungswilligen. Man kann eigene Fehler in der Theorie oder einer geschützten Umgebung begehen, bevor sie das reale Startup gefährden. Denn aus den eigenen Fehlern lernt es sich am besten.

Bereits daran zeigt sich, dass die akademische Entrepreneurship-Ausbildung über eine reine Wissensvermittlung hinausgeht. Vielmehr kann sie Gründer, Berater und Investoren an einen Tisch bringen und in den zwei Jahren Studium ein solides Netzwerk und eine gemeinsames Verständnis schaffen, das die Parteien auch nach dem Studium kontinuierlich nutzen können. Sei es, dass der Gründer auf der Suche nach neuen Investoren ist, oder, dass der Investor nach neuen kreativen Gründungsideen sucht: Die Kommilitonen des Entrepreneurship-Studiengangs werden zu wertvollen Multiplikatoren in die andere Welt.

Vom sicheren Job ins Startup-Wagnis

Für ein Startup-Studium muss der Job nicht gekündigt werden. Wer finanzielle Sicherheit wahren möchte, kann sich in Online-Studiengängen abends und am Wochenende die notwendigen Kenntnisse aneignen und ein Netzwerk aufbauen. Die Wahl zwischen Präsenz- und Online-Studium kann also jeder nach seiner zeitlichen und örtlichen Flexibilität wählen. Aufpassen sollte man jedoch im Hinblick auf die staatliche Anerkennung des Abschlusses: An einer Hochschule ohne anerkannten Abschluss sind Studiengänge zwar günstiger. Allerdings überzeugen sie potenzielle Mitarbeiter, Kunden und Investoren auch weit weniger von den Kompetenzen des Gründers.

Reality Check: Was kann ein Startup-Studium nicht leisten?

Ein Entrepreneurship-Studiengang bietet dem Gründer einen Werkzeugkoffer, aus dem er die kommenden Jahre schöpfen kann – mit Werkzeugen wie BWL-Wissen, Kontakten, Business-Plan-Erfahrungen und einem Bewusstsein für die Risiken und Chancen, auf die er sich einlässt. Ein Studium kann allerdings keinen Hund zum Jagen tragen. Der Student muss eine gewisse Gründungsaffinität mitbringen, die dann weiterentwickelt wird.

Dieser Punkt ist essenziell: Die Hochschulausbildung kann einer Idee eine wirtschaftliche Chance verleihen, aber sie nicht allein erfolgreich machen. Vorangegangene Studien (Markgraf 2008, Einfluss von Persönlichkeit und Wissen auf den Unternehmenserfolg, EUL Verlag) zeigen, dass der Gründer der wichtigste Faktor für die Umsetzung und den Erfolg einer Gründung ist. Das Studium bietet den Werkzeugkoffer für die Gründung – umsetzen, mit Leben füllen und weiterentwickeln muss sie der Gründer selbst.

Bild: Gettyimages / Hero Images