Gründerwettbewerbe gehören für viele Startups dazu. Nicht nur wegen des Preisgeldes, das es manchmal zu gewinnen gibt. Die Veranstaltungen bringen auch einige Aufmerksamkeit für die Jungunternehmen mit sich. Aber wie viele dieser Wettbewerbe gibt es eigentlich?

Das Gründer-Portal Für Gründer hat kürzlich die Wettbewerbs-Landschaft in Deutschland analysiert: Insgesamt fanden 145 Wettbewerbe im Jahr 2015 statt, ein Gesamtpreisgeld von 2,9 Millionen Euro wurde an die Startups vergeben. Ein Jahr zuvor waren es noch 21 Wettbewerbe weniger, damals lag die Gesamtsumme der Preisgelder bei 2,5 Millionen Euro.

Die Studie hat dabei nicht jeden Wettbewerb in die Auswertung einbezogen. Beispielsweise wurden nur Veranstaltungen berücksichtigt, bei denen die Teilnehmer von einer Jury bewertet wurden. Daher ist die Anzahl aller Startup-Wettbewerbe in Deutschland sicherlich deutlich größer. Außerdem wurde ein Wettbewerb in die Studie einbezogen, wenn die Verleihung der Preise im Jahr 2015 stattfand – auch wenn der Pitch bereits 2014 war.

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Was bei der Studie auffällt: Die meisten teilnehmenden Startups kommen nicht aus den Hype-Segmenten wie E-Commerce oder Fintech, wo in den vergangenen Monaten viel Geld eingesammelt wurde. Unternehmen aus Bereichen wie Life Science oder Informations- und Kommunikationstechnik waren am häufigsten vertreten.

Ein Augmented-Reality-Startup schlägt sie alle

Das zeigt auch ein Ranking, welches die Studienautoren angelegt haben – anhand der Zahl der Auszeichnungen, dem Erfolg bei verschiedenen Wettbewerben und der Höhe des gewonnenen Preisgeldes wurde es erstellt. Das Resultat: Unter den 50 erfolgreichsten Startups sind weder E-Commerce- noch Fintech-Unternehmen.

Das erfolgreichste Startup des vergangenen Jahres ist das Augmented-Reality-Startup Ioxp aus Kaiserslautern. Erst im Februar 2015 hat das Team um Mitgründer Alexander Lemken offiziell gegründet, konnte aber schon vier Wettbewerbe gewinnen. Insgesamt gab es dadurch ungefähr 50.000 Euro für das Startup.

„Ein Aspekt für die Teilnahme an den Wettbewerben war, dass jemand von einem anderen Blickwinkel aus und mit einer objektiven Sichtweise auf unser Projekt schaut“, erklärte Lemken auf Nachfrage von Gründerszene. „Wir haben bei den Wettbewerben unser Unternehmen in verschiedenen Entwicklungsphasen präsentieren können. Das hat natürlich unheimlich geholfen.“

Weitere wichtige Punkte der Studie im Überblick:

  • 105 Wettbewerbe vergaben ein Preisgeld, die übrigen Sachpreise wie Medienleistungen, kostenfreie Büroräume oder Coachings.
  • 86 der 810 Preisträger wurden mehrfach ausgezeichnet.
  • Der höchste Einzelpreis für Gewinner lag bei 50.000 Euro, der beispielsweise beim CeBIT Innovation Award vergeben wurde.
  • 944 Auszeichnungen wurden an 810 Startups vergeben, 591 davon beinhalteten Preisgelder. Dabei habe es Wettbewerbe gegeben, die nur die drei besten ausgezeichnet hätten, aber auch Veranstaltungen mit mehr als zehn Preisträgern.
  • 55 der Wettbewerbe waren für Startups deutschlandweit ausgeschrieben, 90 konzentrierten sich auf Regionen oder Bundesländer.
  • In Bayern fanden 15 Wettbewerbe für heimische Startups statt. Nordrhein-Westfalen folgt mit 13, Niedersachsen bietet zehn und Baden-Württemberg neun Wettbewerbe.
  • Dennoch vergab Baden-Württemberg mit einer Gesamtsumme von 286.250 Euro das meiste Preisgeld. In Bayern bekommen Startups bis zu 209.000, in Niedersachsen 139.750 Euro.
  • Nach Ioxp belegte das Jungunternehmen Membrasenz, das mit 71.000 Euro das meiste Preisgeld einsammeln konnte, den zweiten Platz. Der drittplatzierte Teilnehmer ist das Medizintechnik-Startup Coldplasmatech, welches bereits im Jahr 2014 bei sieben verschiedenen Wettbewerben ausgezeichnet wurde.
  • Die meisten der Top-50-Startups kommen aus Bayern, nämlich elf. Dicht gefolgt von zehn Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen. Erst danach kommt Berlin mit neun Startups unter den Top-Platzierten.
  • Nur 25 Gründerinnen waren unter den 140 Gründern der Startups zu finden, die unter die Top 50 fallen. Das Futtermittel-Startup PerformaNat ist mit seinen drei Gründerinnen eine deutliche Ausnahme.

Auch Gründerszene hat im vergangenen Jahr einen Wettbewerb veranstaltet. Dabei ging es jedoch nicht um die Meinung einer Jury, sondern um Wachstumszahlen. Die Gewinner seht Ihr hier:

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1. Platz: Das Berliner Startup KW-Commerce verkauft Elektronikzubehör. Die Studienfreunde Jens Wasel (links) und Max Kronberg haben das Unternehmen 2012 gegründet. Wachstumsrate: 2.307 Prozent.

Bild:  Gettyimages / Peter Muller