Itembase-Gründer Stefan Jørgensen und die Schülerinnen Jacqueline, Carolin und Johanna

„Kennt Ihr Euch mit Startups aus?“ fragt Stefan Jørgensen in die Runde. Ein verlegenes Kopfschütteln der Schülerinnen Jacqueline, Carolin und Johanna. Macht nichts, Jørgensen beginnt ganz von vorne. Er ist der Gründer des Berliner Startups Itembase und die drei 18-Jährigen sind hier, um das Leben eines Unternehmers kennenzulernen.

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Die Idee hinter den „Gründerstunden“ stammt von dem Beirat für Junge Digitale Wirtschaft. Schüler sollen sich frühzeitig mit dem Gründen beschäftigen, erzählt Beiratsmitglied Andera Gadeib. Sie sollen an Wettbewerben teilnehmen und das eigene Unternehmen als Option für die Zukunft berücksichtigen.

„Natürlich wollen wir nicht, dass sie die Schule abbrechen – aber wir wollen Unternehmertum mit seinen Höhen und Tiefen nahbarer machen. Denn viele wollen es gar nicht probieren, es könnte ja schief gehen“, so Gadeib. Gründergeist solle geweckt werden.

Prominente Unterstützung für Gründer-Pilotprojekt

Angefangen hat alles mit einem Pilotprojekt in Bonn, bei dem die Beiratsmitglieder Gadeib und Hightech-Gründerfonds Alexander von Frankenberg sowie Investor Frank Thelen selber vor Schülern über die Startup-Szene sprachen. Die Resonanz war gut, der Beirat entschied sich für ein größeres Projekt. Und holte das Social-Startup SchulePlus, eine Networkplattform für Schulen und Unternehmen, mit ins Boot.

Der Gründer-Schüler-Treff in Bonn kam nicht nur gut bei den Lehrern an: Nach dem Vortrag bekam Von Frankenberg eines Tages einen Anruf. Einige der Schüler, die ihn reden hörten, hatten eine Startup-Idee. Sie wurden kurzerhand eingeladen und werden laut Von Frankenberg bald vor dem Bonner Fonds HTGF pitchen.

Bis jetzt gibt es die „Gründerstunden“ nur in der Startup-Hauptstadt Berlin. Doch bereits ab Sommer sollen sie bundesweit ausgerollt werden. Das erste Treffen fand bereits mit Jan Mechtel, Geschäftsführer des Software-Startups Veodin, statt. Die gemütliche Runde bei Itembase, ein fünf Jahre altes Unternehmen, das unter anderem für Kunden eine digitale Inventur ihrer erworbenen Produkte erstellt, ist eine von 16 weiteren Treffen, die in den nächsten Wochen stattfinden sollen.

Im Büro neben dem obligatorischen Kicker redet Jørgensen über seine Erfahrungen. Der gebürtige Däne hat bereits einige Gründungen hinter sich, das dauert schon mal. Nach einem Onlineshop folgten ein soziales Netzwerk und andere Projekte – bis er nach Berlin kommt und Itembase startete. Zwischendurch erwähnt er, wie er vor Jahren mit Freunden kommunizierte – via MSN Messenger. Abschätzende Blicke von Seiten der Mädels. Ja, grinst Jørgensen, das ist schon ein Weilchen her.

Guten Rat hat Jørgensen auch auf Lager: „Was wichtig ist, ist ein starkes Branding für das Konzept. So wie wir das mit den Wikinger-Helmen gemacht haben. Die Leute wollen ein Gefühl, ein Erlebnis kaufen,“ so der gebürtige Däne. „Deshalb ist es wichtig, dass man nicht nur gründet, um Geld zu verdienen. Das hältst du nicht durch.“

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Gründergeist nach Deutschland holen

Von Gründergeist ist bei den Schülerinnen derzeit noch wenig zu sehen, etwas demotiviert sitzen sie im Meeting-Raum. Doch dann können sie Fragen stellen. Und plötzlich sind alle hellwach. „Wie haben Sie das Unternehmen eigentlich finanziert?“, fragt Carolin. Jørgensen wirkt kurz aus der Fassung gebracht – was auch an der Startup-untypischen formellen Anrede liegen kann. Er wirft einen kritischen Blick in die Runde und grinst. Da müsse er jetzt aufpassen, was er sagen kann – mit Gründerszene im Raum, lacht er. Aber er erzählt den Schülerinnen, dass Itembase einiges an Risikokapital einsammeln konnte, unter anderem von Rheingau Founders und dem ehemaligen Skype-Investor Morten Lund.

Noch eine Frage? „Wie viel verdienen Sie?“, schießt Carolin neugierig hinterher. Das will Jørgensen nun wirklich ungern beantworten. Die Mädchen lassen nicht locker und grillen Jørgensen weiter: Welche Stolpersteine gab es auf Itembases Weg? Welche Meilensteine? Er versucht, so gut wie möglich zu antworten – ohne seine tiefsten Geheimnisse zu verraten.

Die wohl größte Herausforderung für ihn war wohl, die Position als Geschäftsführer. Denn: „Da musste ich noch einiges bezüglich Mitarbeiterführung und Struktur des Unternehmens dazu lernen“, sagt er heute.

„Will denn jemand von Euch gründen?“ fragt Jørgensen schließlich. Ein drittstimmiges „Nein“ schießt ihm entgegen. Warum nicht, fragt er etwas fassungslos hinterher. Johanna fasst die Ablehnung der drei in Worte: Sie wolle lieber mehr Freizeit und Zeit für die Familie haben. Selbstständigkeit im Berufsleben sei ihr zu viel Verantwortung. Jørgensen gibt die Hoffnung nicht auf: „Aber was, wenn Du theoretisch immer Freizeit hättest, da Du genau das machst, was du gerne tust – denn Deine Leidenschaft ist gleichzeitig Dein Unternehmen?“ Das müssen die drei Schülerinnen dann aber erst einmal sacken lassen.

Gründer immer gern gesehen: Wer selbst eine „Gründerstunde“ in seinem Startup anbieten will, kann SchulePlus kontaktieren. 

Bild: Kim Richters / Gründerszene

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