Fintechs setzen die Bankenbranche unter Druck – bricht dort nun Panik aus? Bei Jürgen Fitschen, dem Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, jedenfalls nicht. Er gibt sich entspannt. Im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Bilanz mahnt er, man solle die Innovationskraft der Branche nicht unterschätzen. „Wir werden den Fintechs jetzt verstärkt Konkurrenz machen“, kündigt Fitschen an. „In einem bin ich mir sicher: Die meisten Banken von morgen sind heute schon bestens bekannt.“

Bisher war davon allerdings nicht viel zu merken. Fitschen gesteht ein, dass die Deutsche Bank „etliche dieser Ideen“ gern selbst entwickelt hätte. Seine Bank verstehe sich derzeit als als „Brückenbauer“ für Gründer. „Wir wollen dabei helfen, dass aus Erfindern und Gründern auch erfolgreiche Unternehmer werden“, so Fitschen in dem Interview und verweist auf „spezialisierte Teams“, die in Städten wie Berlin Gründer beraten und begleiten.

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Im Sommer hatte die Deutsche Bank bekanntgegeben, drei sogenannte Innovation Labs zu eröffnen. Dort soll daran gearbeitet werden, die Produkte, Dienstleistungen und Prozesse der Bank technologisch weiterzuentwickeln. Erklärtes Ziel der Bank: „Jährlich über 500 Startup-Ideen“ zu testen.

In Berlin arbeitet die Bank dafür mit Microsoft zusammen, in London mit dem indischen Unternehmen HCL und im Silicon Valley mit IBM. Die Eröffnung des Berliner Innovation Lab ist für kommende Woche geplant, heißt es von der Deutschen Bank. London folge Mitte November. Die Zentren sind Teil der Digitalisierungsinitiative im Rahmen der Strategie 2020, bei der die Bank in den kommenden fünf Jahren bis zu einer Milliarde Euro für die Digitalisierung bereitstellen möchte.

Die Fintech-Szene zeigt sich von diesen Vorhaben bislang unbeeindruckt. So sagte beispielsweise Number26-Gründer Valentin Stalf im Gründerszene-Interview im April: „Wir glauben nicht, dass wir von den Banken plötzlich modernes Online und mobile Produkte erwarten müssen. Gute digitale Produkte zu entwickeln, ist keine Entscheidung, die auf Vorstandsebene getroffen werden kann, sondern sie muss von Grund auf in einem Unternehmen verankert sein.“

Vermutlich wird sich schon bald zeigen, wer am Ende Recht behält.

Bild: Deutsche Bank