Sicher fragen sich einige ob und welche Auswirkungen die Kreditkrise unglaublichen Ausmaßes auch auf Start-Up’s haben wird.

Ich bin kein Experte auf diesem Gebiet, aber hier mal meine Perspektive herunter geschrieben:

  • Start Ups brauchen Kapital und Start Ups brauchen Exits (IPO’s oder zahlungskräftige Käufer), insofern besteht eine Verbindung zum Kapitalmarkt
  • die Nahrungskette sieht so aus: Pensionsfonds, Universitäten, Fonds of Funds, Family-Offices geben ihr Kapital in größeren Losen an VC’s, welche sie wiederum an die Start Ups ‚verteilen‘. In Europa sind typische Größenordnungen: 100 – 500 Mio. in einem VC Fonds und ca. 2-25 Mio. Kapital in einem Start Up (über den gesamten Lebenszyklus – die größeren Summen meist eher in späteren Phasen).
  • große Unternehmen sitzen entweder auf großen Bar-Beständen oder können sich über Kredite Liquidität beschaffen. Die Höhe der Zinsen hängt dabei stark vom Wirtschaftszyklus ab.
  • Große Private Equity Player traten in der Vergangenheit ebenfalls als Käufer auf. Ihr Geschäftsmodell beruhte gar im Wesentlichen auf günstigen Krediten, mit denen sie ihr Eigenkapital ‚hebeln‘ (=Leveraged Buy-Outs)

Was passiert nun in wirtschaftlich schwachen Zeiten und mit angeschlagenen Kapitalmärkten?

Operatives Geschäft für Unternehmen

Eine Rezession hat je nach Produkt eines Unternehmens unterschiedliche Auswirkungen. Manche Produkte und Dienstleistungen gedeihen gerade in schwachen wirtschaftlichen Zeiten, andere leiden.

Klar ist, dass Unternehmen sich mit größeren Investitionen zurückhalten. Ihnen in einer Rezession Investitionsgüter zu verkaufen bildet eine schwache Position. Also Achtung an alle b2b Unternehmen – gerade bei höheren Tickets wird es gefährlich.

Auch immaterielle größere Investitionen werden zurückgehalten. Klassisch ist hier ‚Branding‘ – also Werbekampagnen um die eigene Marke zu stärken. Diese werden zurückgehen, die Werbemärkte werden leiden. Wer in dieser Wertschöpfungskette agiert, wird es schwer haben. Unklar ist aber, wie es mit Internet-Werbung ist. Internet ist der vermeintlich effizientere Kanal im Vergleich zu Print oder TV. Es gibt auch Stimmen, die sagen, dass der Werbekanal Internet den anderen Kanälen Marktanteile abnimmt und dennoch weiter wächst (oder zumindest relativ weniger stagniert/ zurückgeht). Das Interessante dabei: nach der Rezession haben die Akteure die neuen Kanäle stärker kennen und schätzen gelernt und die Werbe-spendings werden vermeintlich nicht wieder in die alten Kanäle zurückfiessen.

Ausgaben hingegen, die Fixkosten durch variable Kosten ersetzen, haben in einer Rezession Konjunktur.

Bei Konsumgütern kommt es auf das jeweilige Produkt an. Tendenziell leiden Produkte, für die höhere Ausgaben notwendig sind mehr als Produkte mit relativ kleinen Gesamtausgaben. Weiter verzichtet man eher auf Zusatzanschaffungen die in Richtung Luxus gehen. Effizient einkaufen (Preisvergleiche etc.) gewinnen an Bedeutung. T-Shirts sind auch o.k. – nicht zu teuer (v.a. im Vergleich zu Marken) und die kauft man sich mal zwischendurch :)

Auf der anderen Seite sind schwache wirtschaftliche Zeiten auch von geringem Wettbewerb geprägt. schwache Player werden ausradiert, was die starken stärkt. Spreadshirt z.B. war in diesem Sinne gut getimed – unter der Schutzglocke des damaligen Nuclear Winters konnten wir in relativer Ruhe sogar international expandieren.

Kapitalmärkte

VC’s

Die VC’s müssen sich refinanzieren, sprich, sie nehmen für Ihre Fonds Kapital bei meist Institutionellen Anlegern (s.o.) auf. Diesen sitzt das Geld aber nicht so locker, denn sie haben gerade ihre Aktiendepots (oder auch Festgeldkonten & Bonds ;) dahin schmelzen sehen.

Für die VC’s wird die Finanzierung somit schwerer. Einige schwache Player werden es nicht schaffen einen Fonds aufzunehmen, die Stärkeren schaffen es trotzdem, brauchen aber länger dafür und die Fonds fallen eventuell kleiner aus (wer länger auf Kapitalsuche ist hat weniger Zeit dafür sein Portfolio zu managen oder neue Deals zu machen).

Aus der Branche hört man, dass die TOP-VC’s (in Europa gibt es davon so 3 bis 5 Stück… im Internet sind das z.B. eindeutig Index oder Accel, je nach Sichtweise auch Wellington, Acton, Balderton, Atlas, Partech) es hingegen nicht schwer haben, ihre Fonds zu realisieren. Denn prinzipiell ist immer noch sehr viel Kapital vorhanden, welches gute Anlagemöglichkeiten sucht. Es konzentriert sich aber am liebsten auf die Top-Player.

Ferner will das Kapital sich für einen längeren Zeitraum binden. Dafür sind VC-Fonds gut geeignet, Investitionszyklen sind dort zwischen 5 und 10 Jahren. Verlieren tun z.B. die Hedge-Fonds, welche mit dem Kapitalmarkt stark gelitten haben und auf kürzere Zyklen ausgelegt waren.

Insgesamt: Top-Player werden gestärkt, die Masse an VC’s geschwächt, aber im Vergleich zu anderen Anlageformen immer noch interessant.

Start-Up’s

Für die Start-Up’s wird es schwerer, Geld aufzunehmen und die Bewertungen werden sinken.

Bewertungen werden von verschiedenen Faktoren getrieben:

  • Vergleich zu Multiples gelisteter (=Börsennotierter) Unternehmen: Wenn die Börse schwächelt, dann sind die Multiples kleiner und diese ziehen die Kapitalgeber oftmals als Vergleich heran.
  • Exit-Fantasie: Wenn es keine frischen Exits gibt, dann halten sich Gier, die positive Fantasie und die Angst etwas zu verpassen in Grenzen
  • Wettbewerb zwischen den Kapitalgebern: Wenn es weniger Kapitalgeber, die um einen ‚deal‘ buhlen, gibt, dann hat der Unternehmer eine schwächere Verhandlungsposition.

Alles in allem also durchaus eine harte Zeit zur Kapitalaufnahme. Das Positive daran ist, dass die, die es schaffen, dann auch wirklich gut dastehen und oben erwähnten ‚Wettbewerbsschutz‘ bzw. einen zeitlichen Vorteil genießen.

Exit-Märkte

IPO: Es wird in den nächsten 12 – 18 Monaten eher GAR KEINE IPO’s geben. Punkt.

Trade-Sales

Potentielle Kaufinteressenten haben höhere Zinsen (siehe oben) und halten sich generell mit Investitionstätigkeiten zurück. Ferner brauchen viele der Unternehmen in stürmischen Zeiten ihr Kapital um ihre eigenen Geschäftsbereiche, die aufgrund schwächerer Nachfrage in Not geraten, zu unterstützen. Alles in allem wird auch hier der Markt weniger kompetitiv und Exiterlöse in den kommenden 2-3 Jahren relativ schwach. Wer warten kann, der wartet den nächsten Boom ab, um lieber dann zu verkaufen…

Es ist aber nicht so, dass gar keine Exits stattfinden werden. Die anstehende Rezession ist ja beileibe keine Überraschung und so manch ein Spieler hat sich darauf vorbereitet und ist jetzt scharf darauf, gerade dann zuzuschlagen und sich relativ billig einzudecken. Zumal es das eine oder andere Unternehmen geben wird, welches im Kern sehr gut da steht, aber in Liquiditätsschwierigkeiten kommen wird… ein super Zeitpunkt also für die erfahrenen Jäger!

Fazit

  • Unternehmerische Gelegenheiten gibt es immer, auch in schweren wirtschaftlichen Zeiten. Man muss sich aber auf die Situation einstellen und seine Überlegungen und sein Handeln danach ausrichten (Tipp: Antizyklisch handeln :)
  • Für die gesamte Start-Up Wertschöpfungskette wird die Zeit rauer. Aber gerade für die Top Player (sowohl auf Start-Up als auch auf Kapitalgeberseite) dennoch eine gute Zeit.
  • ein second nuclear winter ist aber übertrieben (siehe Hypothese bei Techcrunch UK). Der Nucelar Winter 2001-2003 folgte auf eine hausgemachte Krise. Es ist also eher ein Nuclear Winter in Teilen von Bankgeschäftsmodellen zu erwarten denn einer bei den Start-Up Finanzierungen

so long, muss schnell zur Spreadshirt-new-HQ Party :)