Entwickler_Hackathon

Hackathon-Teilnehmer: viele Ideen, wenig Zeit

Team Sparta wirkt tiefenentspannt. Alexander, Lukas, Andre und Tatjana sitzen an einem Biertisch und essen zu Abend, vor der Alten Mensa auf dem Campus der Mainzer Universität. Es ist Freitag, 19 Uhr, der erste Tag des ersten Rhein-Main-Hackathons. Halbzeit, und es gibt noch jede Menge zu tun. Doch als die selbsternannten Spartaner von ihrem Vorhaben und den vergangenen 24 Stunden erzählen, ist von Anspannung keine Spur.

Tatjana und Andre studieren Informatik in Gießen und Marburg, Alexander und Lukas kommen aus der Software-Entwicklung. Zusammen wollen die vier eine Konferenz-App programmieren. Nach wie vor, obwohl bislang nicht alles rund lief: Eine andere Frontend-Oberfläche musste her, als ursprünglich geplant war. Dafür bleibt Team Sparta, das sich vom Actionfilm 300 zu seinem Namen inspirieren ließ, jetzt noch ein Tag. Genauso wie den fünf anderen Tech-Truppen.

Trotz der Kursänderung lägen sie gut in der Zeit, erklärt das Team. „Dass wir morgen Abend etwas abliefern werden, ist klar“, erklärt Alexander überzeugt. „Die Frage ist momentan nur, wie das aussehen wird.“ Er kümmert sich um die Benutzeroberfläche, seine drei Mitstreiter programmieren das Backend.

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Ziel eines Hackathons ist es ganz allgemein, innerhalb eines vorgegebenen Zeitfensters nützliche und originelle Software zu produzieren. Große Unternehmen, die solche Veranstaltungen ausrichten oder sponsern, erhoffen sich dadurch den Zugang zu digitalen Innovationen. Oft ist dabei ein bestimmter Themenbereich vorgegeben. Aus wirtschaftlicher Sicht kann diese Form des Ideen-Outsourcings für Konzerne nützlich sein.

Veranstalter des Mainzer Code-Marathons ist das Wissenschaftsportal Thesius und die Gründer-Initiative der Universität. Neben der Sparta-App sollen dort ein Chatroom für Vorlesungen und ein Lern-Spiel entstehen. Außerdem treten an: eine App, die anzeigt, wie voll es gerade in Bibliothek oder Mensa ist, eine Stundenzettel-Lösung zur besseren Projektplanung und eine Lern- und Wiederholungsapplikation für MINT-Studierende.

Für die Köpfe hinter den Projekten stehen in der Alten Mensa jede Menge Energydrinks bereit. Gut so, denn in dem Saal mit dunkler Holzvertäfelung und riesigen Kronleuchtern brummen die Laptops am Freitag noch bis spät in die Nacht. Und die Spartaner? Wollen coden, bis ihnen die Augen zufallen, wie Andre ankündigt.

Gesagt, getan: Nach den finalen Vorträgen der Teilnehmer am Samstagabend erzählt Tatjana von einer arbeitsreichen letzten Nacht. Geschlafen habe das Team im Schnitt vielleicht zwei, drei Stunden. Doch das habe sich gelohnt: „Mit der Müdigkeit kam das Adrenalin, das hat uns nochmal richtig produktiv werden lassen.“ Entsprechend zufrieden sind sie mit dem Ergebnis der vergangenen 48 Stunden. Sie hätten dem Publikum ja in erster Linie ein laufendes Produkt vorlegen wollen. „Und das haben wir geschafft“, findet Alexander.

Die Jury sieht das ähnlich: Für Team Sparta reicht es am Ende zum Sieg. Die Präsentation gefällt den Juroren – ebenso wie die nahezu fertig programmierte App, die zwar noch etwas blass aussieht, aber offenbar funktioniert. Alexander, Lukas, Andre und Tatjana sind aus dem Häuschen. Honoriert wird der Sieg mit einer Smartwatch für jeden der vier Mitstreiter.

Team Sparta

Team Sparta: Alexander Gräsel (links), Tatjana Berger, Lukas Schaller und Andre Ganser. Bild: Gründerszene

Doch wie soll es jetzt mit ihrem Tool weitergehen? Bislang können Nutzer damit etwa gemeinsam Notizen erstellen oder direkt auf die Slides von Sprechern zugreifen. Außerdem bestehen Anbindungen zu Twitter oder Flickr.

Noch befindet sich erst das Web-Modell auf dem vor der Jury präsentierten Stand, die mobilen Versionen für iOS und Android müssen erst angeglichen werden. Wenn das geschafft ist, meint Alexander, kann er sich auch vorstellen, ein Startup zu gründen. Abschreiben will er ihre Entwicklung jedenfalls nicht.

Der Wiesbadener war ursprünglich alleine auf das Event gekommen, die drei anderen hatten sich ihm am Donnerstag angeschlossen. Die Idee zur App hatte er mitgebracht: „Ich muss zugeben, dass ich nicht ganz unvorbereitet hergekommen bin. Ich hatte noch nichts programmiert, aber die Vision stand.“

Durchgezogen hätte er die Hauruck-Aktion notfalls auch alleine, sagt er. „Umso mehr freut es mich, dass es in dieser Konstellation geklappt hat. Und dass wir gewonnen haben, ist ein schöner Nebeneffekt.“

Artikelbild: Thesius