„Wir suchen nach disruptiven Geschäftsmodellen für die Finanzindustrie“

DvH Medien, die Verlagsgesellschaft, zu der die Verlagsgruppe Handelsblatt, die Tagesspiegel-Gruppe sowie 50 Prozent der Anteile an der Zeit-Verlagsgruppe gehören, setzt auf ein neues Investmentvehikel: Die Beteiligungsgesellschaft DvH Ventures wurde Anfang Mai gegründet und startete in dieser Woche offiziell.

Die Investmentfirma will Startups mit bis zu 500.000 Euro, Management-Support und Media-Leistungen unterstützen. Das erste Unternehmen im Portfolio ist das Finanzportal Compeon. Über das Ende 2012 gegründete Startup aus Nordrhein-Westfalen können mittelständische Unternehmen und Selbstständige ihren Bedarf an Geldanlagen, Krediten oder Leasingfinanzierungen online ausschreiben.

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DvH Ventures will primär in FinTech-Startups investieren – auch weil in dem Bereich Medien-Kooperationen mit hauseigenen Wirtschaftsmedien besonders sinnvoll seien. „Wir suchen nach disruptiven Geschäftsmodellen für die Finanzindustrie. Compeon verfolgt einen solchen Ansatz“, erklärt Peter Richarz, der zusammen mit dem Geschäftsführer von DvH Medien, Oliver Finsterwalder, die Geschäfte von DvH Ventures leitet. Richarz ist Gründer des Kölner Company Builders Crossventures, der schon länger mit DvH Medien kooperiert. Im Spätsommer soll auch der scheidende Wirtschaftswoche-Chefredakteur Roland Tichy zur Geschäftsführung stoßen.

Neben Compeon befindet sich auch Wikifolio im Portfolio von DvH Ventures. Bei dem Wiener Startup, das gerade sechs Millionen Euro einsammeln konnte, stieg die Verlagsgruppe Handelsblatt über den Inkubator VHB Ventures bereits 2011 ein. DvH Ventures will den Fokus auf Beteiligungen legen, plant aber auch, eigene Startups aufzubauen, wie Richarz erzählt. Ein Unternehmen sei bereits in der Umsetzung.

Hinter der DvH-Ventures-Mutterfirma DvH Medien steht der Verleger Dieter von Holtzbrinck, ältester Sohn des Verlagsgründers Georg von Holtzbrinck, der 1980 zusammen mit seinem Halbbruder Stefan von Holtzbrinck und seiner Schwester Monica Schoeller die Verlagsgesellschaft des Vaters übernahm. 2009 verkaufte Dieter von Holtzbrinck seine Anteile an die Geschwister und übernahm im Gegenzug alle Zeitungen, einige Tochtergesellschaften sowie 50 Prozent an der Zeit-Gruppe. Für den übernommenen Teil gründete Dieter von Holtzbrinck noch im selben Jahr die in Stuttgart ansässige Familiengesellschaft DvH Medien.

Mit DvH Ventures tritt Dieter von Holtzbrinck in die Fußstapfen seiner Geschwister: Stefan von Holtzbrinck und Monica Schoeller verantworten über die Holtzbrinck Publishing Group die Tochterfirma Holtzbrinck Digital, die ebenfalls an Startups beteiligt ist. Erst diese Woche hatte Holtzbrinck Digital angekündigt, den Fokus nur noch auf Marktplätze, Publishing und E-Learning legen zu wollen. Über den angedockten Venture Capitalist Holtzbrinck Ventures, der zu den erfolgreichsten VCs in Deutschland zählt, ist Holtzbrinck Digital auch indirekt an Zalando, Wooga oder Westwing beteiligt.

Bild: Hannah Loeffler