Heico Koch Trade Machines

Dass Gabelstapler und Bagger auch ein Thema für Internet-Gründer sein können, beweist Heico Koch. Mit seinem Online-Marktplatz für Gebrauchtmaschinen bringt er Industrieauktionen ins 21. Jahrhundert. Die zwölf Kilometer zur Arbeit kommt der Seriengründer übrigens zu Fuß – er ist laufsüchtig.

Und das ist nicht das einzige Extrem des Gründers. Sieben mal hat Koch bereits gegründet, zuerst 1998, zuletzt 2013: den Marktplatz TradeMachines. Über den sollen mittlerweile zehn bis zwölf Prozent des weltweiten Gebrauchtmaschinenmarkts laufen. Geld gab es dafür zuletzt über eine Crowdfunding-Kampagne auf Companisto, bei der 800.000 Euro zusammen kamen. Noch ist das Unternehmen allerdings nicht profitabel. Heico Koch im Interview über seine Marathon-Gründungen und Lauf-Ambitionen.

Heico, seit 18 Jahren bist Du im Internet aktiv. Wie fing alles an?

Ursprünglich bin ich Maschinenbauingenieur und habe für einen Konzern Anlagen geplant. Dort habe ich auch mein erstes Internetprodukt entwickelt, einen Online-Check für chemische Rühranlagen. Parallel ist auch ein Börsenportal entstanden, das war gemeinsam mit einem damaligen Freund meine erste kleine Gründung.

Hattest Du damit Erfolg?

Wir dachten, wir würden damit Geld verdienen, schalten ein bisschen Werbung und haben dann Buchungen ohne Ende – wir waren also Business-technisch noch total grün hinter den Ohren (lacht). Nach einem Jahr haben wir das wieder eingestellt.

Wie ging es weiter?

Eine ganze Weile war ich angestellt und habe ein Jahr lang mit meiner Frau eine Weltreise gemacht. Dann kam 2004 meine zweite Gründung: ein Ticket-Management-System für Veranstaltungen. Nach zwei Jahren habe ich das Unternehmen verkauft. Später folgten noch weitere Gründungen und Exits, etwa die Beratungsunternehmen Condrix und Leanovate.

Wie kamst Du zu Deinem aktuellen Unternehmen TradeMachines?

Die Digitalisierungswelle, die wir im Konsumentenbereich vor zehn bis 15 Jahren gesehen haben, kommt jetzt in verschiedenen Sektoren, wie dem Gebrauchtmaschinenmarkt. Zudem hatte ich in den Jahren zuvor bereits Kontakte zu Marktteilnehmern.

Wer sind die Kunden?

Das sind im Regelfall sehr klassische Auktionatoren, die ihren Prozess jetzt ins Internet übertragen haben. Für diese Kunden haben wir erstmals eine gut nutzbare Plattform gestaltet. Unsere Pionierarbeit beginnt bereits beim Verkauf am Telefon, wenn wir die Möglichkeiten des Internets für die Branche erläutern.

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Wie haben die Auktionatoren denn zuvor gearbeitet?

Vor fünf Jahren war unser Kunde noch Offline. Er hat Prospekte gedruckt, seine Bestandskunden angeschrieben und dann wurde eine Auktion aufgebaut, ganz klassisch mit einem Hammer und es wurde vor Ort verkauft. Vor circa drei Jahre haben sie damit begonnen, die Vorteile des Internet für sich zu entdecken: dass man etwa nicht mehr alles an einem Ort haben muss und die aufwändige Organisation entfällt. Die Gewinnung der Teilnehmer hat aber immer noch ganz klassisch stattgefunden. Und als Käufer hatte man keinen Marktüberblick.

Und über euch jetzt schon?

Käufer bekommen bei uns einen Überblick über Geräte auf dem Markt. Und die Verfügbarkeit ist dabei wichtiger als der Preisvergleich. Klickt er auf ein Angebot, wird er auf den Anbieter weitergeleitet. Und der bekommt von uns so potenzielle Kunden. Zusätzlich beraten wir unsere Kunden dabei, wie sie die eigene Webseite verbessern können.

Weil ein Kaufabbruch auf Kunden-Seite auch euch schadet?

Nein, wir werden für den gelieferten Interessenten bezahlt. Der Grund ist, dass wir eine Beziehung zu dem Kunden aufbauen. Außerdem haben wir einen Vorteil, wenn unsere Kunden im E-Commerce besser werden als unsere Nicht-Kunden.

Ist euer Thema ein sehr lokales, bei dem der Standort der verkauften Maschine entscheidet?

Die Transaktion ist sehr international. Es finden jetzt zum Beispiel Verkäufe von Düsseldorf nach Indien statt, weil nun transparent wird, dass die Maschine verfügbar ist. Unser größter Bereich sind Baumaschinen, die gehen häufig nach Afrika, besonders wenn sie schon älter sind und damit resistent gegen Spannungsschwankungen. Der komplexeste Bereich sind Holzbearbeitungs- und Metall-Maschinen, die häufig nach Asien gehen. Der Markt wird durch die Digitalisierung immer transparenter. Und bis 2020 wird er komplett digital sein.

Bei deinen vorherigen Stationen warst du meist ein oder zwei Jahre, bei TradeMachines sind es bereits drei. Denkst du also schon über das nächste Projekt nach?

Nein, und das ist das, was ich derzeit wahnsinnig genieße. Wir haben erst fünf Prozent von dem geschafft, was ich vor Augen habe. Es ist auch das größte aller bisherigen Unternehmen, von den Mitarbeitern, der Internationalität, dem Geld und der Geschwindigkeit.

Hast du jemals daran gedacht, kürzer zu treten und keine 60-Stunden-Woche mehr zu haben?

Ich achte darauf, dass ich Zeit für meine Familie habe. Ich versuche 19:30 Uhr Zuhause zu sein und meine Kinder noch zu erleben. Aber danach klappe ich den Laptop wieder auf und grübele über neue Ideen. Ich merke aber auch, wenn es zu viel wird. Das lässt sich aber nicht unbedingt an Zeit messen. Meist sind es bestimmte Themen, die ein Stress-Level bringen, das man nicht auf Dauer haben will.

Neben Deinem Berufsleben bist Du passionierter Läufer und mehrfach den Marathon gelaufen. Warum?

Weil ich sehr lange viel geraucht habe (lacht). Ich habe aufgehört und mich dann einfach für den Marathon angemeldet. Um danach nicht wieder mit dem Rauchen anzufangen, habe ich mich zum nächsten Marathon angemeldet und so ging es immer weiter. Mittlerweile bin ich wahrscheinlich von der Strecke her zwei bis drei mal um die Erde gelaufen.

Bist Du jetzt nicht mehr nikotinsüchtig, sondern laufsüchtig?

Durch das tägliche Laufen kriege ich meinen Kopf frei. Wenn ich vom Büro die zwölf Kilometer nach Hause laufe, ist der Stress abgebaut und mir fallen neue Ideen ein. Bei längeren Strecken ist es das Gefühl von Freiheit.

Bild: Priske/Trademachines