Amanda Birkenholz

Für Helcy gab Amanda Birkenholz (29) ihren gut bezahlten Job als Ingenieurin auf.

Mal ehrlich: Wer von Euch liest diesen Satz gerade mit krummem Buckel vorm Laptop? Erwischt. Aber das haben wir uns schon gedacht. Amanda Birkenholz übrigens auch. Deshalb hat die Diplom-Wirtschaftsingenieurin eine Laptoptasche entwickelt, die für eine aufrechtere und gesündere Haltung sorgen soll.

Wie? Zunächst klappt man die Tasche auf und stellt sie angewinkelt auf den Tisch. Die Seiten der Tasche lassen sich anschließend über zwei Riemen miteinander verbinden. Auf diesem Dreieck kann der Laptop, dem Nutzer zugewandt, positioniert werden. Die Länge der Riemen ist verstellbar, sodass die Konstruktion in verschiedenen Winkel aufgestellt werden kann – je nach Körpergröße oder Stuhl- und Tischhöhe. Optimal ist die Haltung nach Angaben von Birkenholz, wenn sich der Bildschirm etwas unter Augenhöhe (zwischen 5 und 35 Grad) befindet, und der Rücken gerade ist. Ohne zusätzliche Tastatur und Maus geht es allerdings nicht (siehe Foto).

Helcy_Zug

Kerzengerade: So sieht Arbeiten am Helcy im Idealfall aus.

Im vergangenen Mai kündigte Erfinderin Birkenholz ihren gut bezahlten Job als Ingenieurin, um Helcy zu gründen. Nach ihrem Studium an der RWTH Aachen hatte sie beim Flugzeug- und Schienentechnikhersteller Bombardier angeheuert: „Dort hatte jeder einen Mitarbeiter-Laptop. In der Zeit hatte ich häufig Nacken- und Rückenschmerzen von der schlechten Haltung vor dem Gerät. Ich habe versucht, mit Pilates etwas dagegen zu tun, bis ich erkannt habe, dass ich an der Ursache arbeiten muss, nicht bloß an den Symptomen.“ Das war vor etwa zwei Jahren. An Helcy arbeitet Birkenholz nun seit letztem Sommer in Vollzeit.

Zunächst hatte die Gründerin einen zusammenklappbaren Metallständer entworfen. Doch der Gedanke, noch ein zusätzliches Gewicht mit sich rumtragen zu müssen, habe sie auf die Idee gebracht, die Halterung in eine Tasche zu integrieren. Beraten wurde Birkenholz unter anderem von einem Orthopäden. Taschen mit ähnlicher Funktion habe sie zwar gesehen, die seien aber „eher mit sperrigen Aktenkoffern aus den Achtzigern vergleichbar“ gewesen. Ihre Tasche besteht aus Rindsleder und soll später, in Serie produziert, 250 Euro kosten.

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Letzte Woche startete Birkenholz für Helcy eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter - erfolgreich: Nach nur einer Woche ist das Fundingziel von 17.000 Euro bereits erreicht. Dieses Geld soll in die Serienproduktion fließen. Denn noch lebt die 29-jährige Münchnerin von ihren Ersparnissen und wird von Familie und Freunden unterstützt. Geplant ist, die erste Bestellung zum Ende der laufenden Kampagne in etwa eineinhalb Monaten beim Produzenten in Asien aufzugeben. Ausgeliefert werden sollen die ersten Exemplare dann im Juli.

Ist Birkenholz vom Erfolg der Aktion überrascht? „Ein bisschen“, sagt sie. In erster Linie freue sie sich. „Das ist eine Bestätigung für mich, dass das, was ich in den letzten Monaten gemacht habe, gut angenommen wird und ich nicht die Einzige mit diesem Problem bin.“

Bilder: Helcy