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HelloFresh-Gründer Dominik Richters

Das Rocket-Internet-Venture HelloFresh bekommt 85 Millionen Euro. Ein neuer Geldgeber, der namentlich nicht genannt wurde, investierte gemeinsam mit dem schottischen Fonds Baillie Gifford. Der Fonds machte das Rocket-Venture bereits im vergangenen Jahr zu einem Milliardenunternehmen.

Die Finanzierung teilte Rocket Internet am späten Montagabend mit. Der Berliner Company Builder hat bei der Runde seine Anteile von rund 56 auf 53 Prozent reduziert. Dabei wurde der Kochboxen-Versender von den Investoren mit nur zwei Milliarden Euro bewertet – ohne das Geld aus der aktuellen Runde, eine sogenannte Pre-Money-Bewertung. Nach der Finanzierungsrunde im vergangenen Jahr lag die Firmenbewertung noch bei 2,6 Milliarden Euro. Auch bei einer Finanzierungsrunde im Frühjahr galt noch die höhere Bewertung.

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HelloFresh zählt nach wie vor zu den Hoffnungsträgern von Rocket Internet. Dessen Chef Oliver Samwer hofft auf einen Zalando-ähnlichen Erfolg und wollte das Food-Startup im vergangenen Jahr an die Börse bringen – der Plan platzte allerdings. Der Grund: Laut Medienberichten soll Samwer für den HelloFresh-IPO eine Bewertung von mehr als drei Milliarden Euro angestrebt haben.

Die Börsenpläne scheint man aber nicht aufgegeben zu haben. Vor wenigen Monaten sagte CEO Dominik Richter dem Wall Street Journal, HelloFresh sei immer noch „in einer Art strukturiert, um letztendlich ein börsennotiertes Unternehmen zu werden“. Interessant: Erst vor wenigen Tagen wurde eine HelloFresh SE im Handelsregister eingetragen. Eine SE ist eine Europäische Aktiengesellschaft, auch Rocket selbst und Zalando sind beispielsweise in dieser Form organisiert.

In den jüngsten Geschäftszahlen zeigt sich, dass HelloFresh seinen Umsatz in den ersten neun Monaten dieses Jahres stark steigern konnte: auf knapp 440 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum setzte das Venture knapp 200 Millionen Euro um. Der Verlust stieg in diesem Jahr ebenfalls, auf 66,3 Millionen Euro. In den ersten neun Monaten im Jahr 2015 schrieb HelloFresh noch etwa 52 Millionen Euro Verlust.

Besonders die Marketingausgaben machen sich bemerkbar: Das Startup gab in den ersten neun Monaten in diesem Jahr mehr als 120 Millionen Euro für Werbung aus. Im Vorjahreszeitraum waren es rund 72 Millionen. Rocket-Finanzchef Peter Kimpel hatte das zuletzt mit der Expansion innerhalb Nordamerikas begründet. Ohne diese Investitionen in das Wachstum stünde das Venture seiner Einschätzung nach mit einem deutlich geringeren Verlust da, sei aber wahrscheinlich noch nicht profitabel. Ob HelloFresh durch sein aggressives Marketing nachhaltig Kunden für sich gewinnen kann, wurde in der Vergangenheit immer wieder angezweifelt.

Bild: HelloFresh