Redebedarf – HelloFresh-Gründer Dominik Richter gibt zwei Interviews. Und distanziert sich von Rocket Internet.

Eigentlich sollte der Börsengang von HelloFresh die Erfolgsstory werden, die Rocket Internet so dringend braucht. Doch einen Tag vor Ausgabe des Prospekts wurden die Pläne im November vergangenen Jahres vertagt. Um den Börsengang soll es deftigen Streit im Rocket-Aufsichtsrat gegeben haben. Der Vorsitzende Lorenzo Grabau vom Großaktionär Kinnevik zog sich jedenfalls zurück, neuer Chef wurde ein Vertrauter von Rocket-CEO Oliver Samwer, der Unternehmensberater Marcus Englert.

In Interviews mit der aktuellen Ausgabe von Capital und der Wirtschaftswoche äußert sich jetzt der HelloFresh-Chef Dominik Richter zum geplatzten Börsengang, zur hohen Bewertung seines Startups und den Plänen für die kommenden Monate – und versucht, Optimismus zu verbreiten.

Zum verschobene Börsengang

Der HelloFresh-Chef macht das schlechte Börsenumfeld für den geplatzten Börsengang verantwortlich. Richter: „Wir beobachten das Marktumfeld und warten auf bessere Bedingungen. Wenn wir denken, dass das Marktumfeld passt, sind wir in einer Position, in der wir schnell handeln können.“ Und weiter: „Ein Börsengang wäre gut gewesen, aber wir brauchen ihn nicht unbedingt. Ob wir ihn in sechs, zwölf, 18 Monaten oder in drei Jahren wagen, ist sekundär.“

Zur Beziehung mit Rocket

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Zwischen den Zeilen lässt der CEO durchblicken, dass er sich als unabhängiger Unternehmer sieht. Richter: „Es gibt Wochen, an denen wir jeden Tag reden. Dann gibt es Monate, in denen wir uns kein einziges Mal austauschen. So wie mit jedem anderen Investor auch.“ Und weiter: „Rocket Internet sitzt bei uns im Aufsichtsrat, verfügt dort aber über keine Mehrheit, sondern hat einen von sechs Sitzen.“ Und diese Zitate kann dann durchaus als Unabhängigkeitserklärung verstehen: „Schlussendlich ist HelloFresh aber eine Firma, die wir gegründet haben, dementsprechend müssen wir Gründer uns mit jeder Entscheidung wohlfühlen.“ „Wir sind Hellofresh, nicht Rocket. Rocket ist einer unserer Investoren.“

Zum Streit im Rocket-Aufsichtsrat

Auch hier geht Richter auf maximale Distanz: „Davon habe ich aus der Zeitung erfahren. Kinnevik ist kein Investor bei uns. Ich wüsste nicht, was ein Streit zwischen Rocket und Kinnevik für einen Einfluss auf unsere Entscheidung gehabt haben sollte.“

Zur Milliarden-Bewertung

Der Firmenwert von HelloFresh liegt derzeit bei 2,6 Milliarden Euro. Das Startup gehört damit neben Home24 und Delivery Hero zu den Einhörnern in der Rocket-Familie. Ist diese Bewertung gerechtfertigt? Richter: „Wie schnell wir uns entwickeln, ist von außen für viele schwer zu verstehen. Der Wert einer Firma ergibt sich daraus, was sie von heute bis in die ferne Zukunft auf die Beine stellt. Man misst ein Unternehmen doch nicht nur daran, ob es Verluste macht oder nicht, sondern daran, ob es erfolgversprechend ist.“

Zu den Aussichten

Jetzt kommt der Optimismus-Teil: „Ich glaube, dass wir in jedem Land ein hohes Potenzial haben: auf ein Vierfaches des Umsatzes, den wir jetzt haben.“ Und zum Schluss natürlich der unvermeidliche Satz: „Gegessen wird immer.“

Foto: HelloFresh