helpcheck Phil Sokowicz Peer Schulz

Die beiden Helpcheck-Gründer Phil Sokowicz (links) und Peer Schulz

Mitte vergangenen Jahres sorgte der Bundesgerichtshof (BGH) für eine folgenschwere Entscheidung: Etliche Lebensversicherungspolicen aus fast 15 Jahren – von 1994 bis 2007 – wiesen fehlerhafte Widerrufsbelehrungen auf. Was war passiert? Kunden bekamen zum Vertragsabschluss nicht alle Unterlagen vollständig ausgehändigt, sondern erst, als der finale Versicherungsschein schon ausgestellt war. Das sollte so nicht sein.

Mit dem Urteil des BGH haben deswegen nun Tausende Kunden in ganz Deutschland das Recht, ihre Verträge zu widerrufen – und es geht um fast 100 Millionen davon. Aber das ist erst der Anfang. Denn neben ihrer eingezahlten Summe erhalten Betroffene auch eine Entschädigung von durchschnittlich 10.000 Euro. Nur: Eine Versicherungen zu kontaktieren und den nötigen „Papierkram“ zu erledigen, ist lästig und kostet Zeit. Von der größten Schwierigkeit, das Geld dann auch „richtig“ einzufordern, einmal abgesehen, denn die Berechnung der genauen Beträge ist höchst komplex.

Genau davon möchte das Düsseldorfer Startup Helpcheck profitieren. Zwei junge Unternehmer haben sich vorgenommen, den vom BGH-Urteil betroffenen Menschen „die Arbeit zu ersparen“, sagt Peer Schulz, einer der Gründer. Wie das funktioniert? Potenzielle Kunden des Startups laden ihre Lebensversicherungsunterlagen auf der Homepage von Helpcheck hoch oder schicken sie per Post an das Unternehmen. Dann heißt es: zurücklehnen.

Anzeige
Bei Helpcheck kommen nun nämlich Anwälte ins Spiel, die mit Hilfe von Algorithmen und einer Scoring-Matrix schnell einschätzen können, ob ein Widerruf erfolgreich ist – oder eben nicht. Die Matrix, die Schulz und sein Gründerkollege Phil Sokowicz, beide 27, selbst entwickelt haben, kann der Kunde auf der Homepage des Startups auch selbst nutzen. In wenigen Schritten erhält er einen groben Richtwert, wie viel Geld er wahrscheinlich erstattet bekommt, hat er Helpcheck mit einem Klick einmal sein „Go“ gegeben, den Widerruf zu starten.

Zahlt die Versicherung das Geld tatsächlich zurück, behält Helpcheck 25 Prozent Provision ein. „Damit können die meisten Kunden durchaus leben“, sagt Peer Schulz, der im Herbst vergangenen Jahres seinen Management-Master an der ESCP Business School in Paris abgeschlossen hat. Die Pläne für sein Unternehmen sind groß – die fehlerhaften Versicherungspolicen sollen erst der Anfang sein. „Nach Möglichkeit möchten wir uns in allen Bereichen betätigen, in denen Kunden Geld zurückbekommen können“, sagt der 27-Jährige. Das kann in der Tourismusbranche der Fall sein, aber beispielsweise auch im Arbeits- oder Mietrecht.

Dass sich Helpcheck als junges Unternehmen dabei mit großen Unternehmen und jahrzehntelanger Erfahrung anlegt – Stichwort „David gegen Goliath“ –, ist für den Gründer kein Problem. „Wir arbeiten mit den Top-Kanzleien in Deutschland zusammen“, sagt Peer Schulz. „Das lässt uns nachts ruhig schlafen.“ Dass das Team bereits ein Büro auf der schicken Düsseldorfer Königsallee hat, hilft sicher auch.

Bild: Helpcheck