Wo bleibt mein Helpling?

Eine volle Ladung Disruption sollte es an diesem Sonntagnachmittag geben. Der Taxi-Angreifer Uber und das Putzkräfte-Portal Helpling hatten sich in Berlin für vier Stunden verbündet. Von den Uber-Fahrern anchauffiert sollten die Helplinge 45 Minuten lang in der Küche die Reste des Wochenendes wegputzen, kostenlos. In Eurer und meiner Küche.

Vollmundig verkündete die Uber-App: „Wenn du Glück hast, ist eine Reinigungskraft von Helpling innerhalb von wenigen Minuten bei dir.“ Über die App des Taxi-Angreifers sollte der Service laufen. Mehr On-Demand-Economy auf einmal geht eigentlich gar nicht. Die Zukunft des Transports trifft auf Zukunft des Putzens. Und das an einem Sonntagnachmittag.

So saß ich bei einem Kumpel im Wedding, zwei Early-Adopter in freudiger Erwartung auf die Vorzüge der schönen neuen Knopfdruck-Welt. Und dann das. „No cleaners available“, stand für den Standort seiner Wohnung vermerkt, ein Schlag ins Gesicht. Eine halbe Stunde verstrich – und noch eine halbe Stunde. Das von der App in Aussicht gestellte Glück blieb mir ganz offensichtlich verwehrt.

Mein Freund hatte mittlerweile das Interesse verloren, und ich streunte durch die virtuelle Uber-Welt. Erst in Prenzlauer Berg sah ich, wie ein schwarzes Auto durch die Karte kreuzte. Auf Wedding schienen die offenbar keine Lust zu haben.

Zweite Chance in Friedrichshain

Nächster Versuch, Locationwechsel. Also, auf nach Friedrichshain zu einem anderen Kumpel. 40 Minuten später saß ich seiner Küche und starrte frustriert auf die gähnende Leere der Straßenkarte. Auch diese Küche wollte offensichtlich kein Helpling kostenlos putzen. Verflixt.

Nach Disruption fühlt sich dieser Nachmittag irgendwie nicht an. Man hätte schon erwartet, die beiden Unternehmen würden massig Uber-Helpling-Gespanne auf die Straße bringen. Oder wenigstens eine Nachricht schreiben, dass sie mich nicht vergessen hätten. Einen Uber-Gutschein als Entschädigung – wie angekündigt – gab es bislang auch noch nicht. Das Fazit: So erobern Uber und Helpling wohl kaum den Markt. Und ich fühle mich für einen Marketing-Gag missbraucht – mit einem Putzlappen in der Hand.

So sieht das Büro von Helpling aus:

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Im Eingang hängen von allen Ländern die Teamfotos der Mitarbeiter. Hier sind unter anderem die Teams von Brasilien, Spanien und Schweden zu sehen.

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von illustir, Bildergalerie: MICHAEL BERGER/GRÜNDERSZENE