hem jason goldberg

Das Vitra-Design-Museum im südbadischen Weil am Rhein, realisiert von Architekt Frank Gehry

Es ist das Ende einer langen Reise: Jason Goldberg, der schillernde Gründer des E-Commerce-Startups Fab und dem später ausgegründeten Möbel-Shop Hem, verlässt das Unternehmen nach fünf Jahren. Hem wird außerdem verkauft – laut einem Bericht des Londoner Design-Magazins Dezeen an das legendäre Schweizer Designmöbelhaus Vitra. Eine offizielle Bestätigung, dass Vitra der Käufer ist, gibt es bislang nicht.

Laut dem Magazinbericht übernimmt die Vitra-Mutter Ormand mit Sitz in Birsfelden bei Basel gemeinsam mit dem schwedischen Hem-Mitgründer Petrus Palmér das Unternehmen. Das Hauptquartier, das seit dem Spin-Off 2014 in Berlin war, soll nach Stockholm verlegt werden. Gegenüber Dezeen bestätigte Hem, dass am 3. Februar ein Asset-Deal unter der Führung von Palmér und „mit der Unterstützung einer privaten Investmentfirma“ stattgefunden habe. Palmér, bisher Head of Design, folgt Goldberg überdies als CEO.

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Spekulationen über einen Firesale des Berliner Möbel-Shops gibt es seit einiger Zeit – Ende Dezember berichtete TechCrunch, dass es für Hem zwar mehrere Angebote gebe, aber offenbar niemand bereit sei, mehr als 20 Millionen Dollar zu zahlen. Als aussichtsreichster Interessent galt damals schon Vitra.

20 Millionen – das wäre gegenüber den insgesamt 330 Millionen US-Dollar, die der Hem-Vorgänger Fab an Risikokapital einsammeln konnte, ein ausgesprochen mageres Exit-Ergebnis. Bei der Serie D im Jahr 2013 war Fab mit einer Milliarde Dollar bewertet worden – zu einer Zeit, als Startup-Unicorns noch tatsächlich selten waren.

Goldberg hatte Fab 2011 als als Schwulen-Community gestartet und bald in einen Flash-Sales-Shoppingclub verwandelt. Später wurde daraus ein klassischer, inventarbasierter Online-Shop für Designprodukte, 2014 folgte der Neustart mit Hem – einem vertikal integrierten Möbel-Shop mit eigener Produktion. Die Basis dafür waren zwei Übernahmen aus der Fab-Zeit, die des Hamburger Luxusmöbelhauses Massivkonzept im Mai 2013 und die des finnischen Anbieters One Nordic im Juni 2014. So kam auch der neue Hem-Chef Petrus Palmér ins Unternehmen, er war zuvor Kreativchef bei One Nordic.

Jason Goldberg und Fab – Stationen einer Reise

Was von Fab übriggeblieben war, verkaufte Goldberg vor einem Jahr für nicht mehr als 15 Millionen Euro an PCH International. Gesellschafter, Bewertung und Funding von Fab seien auf Hem übergegangen, hieß es damals. Für die Investoren – unter anderem Andreessen Horowitz, Atomico, Menlo Ventures und Ashton Kutchers A-Grade – dürfte Fab-Hem einer der teuersten Startup-Fehlschläge der letzten Jahre gewesen sein.

Jason Goldberg will sich nun neuen Projekten zuwenden. „Mir war es wichtig, dass Hem weiter wachsen und gedeihen kann mit der Unterstützung von Geldgebern, die sich einer starken Zukunft für Hem verpflichtet fühlen“, zitiert ihn Dezeen. Seine eigene Bilanz? Offenbar uneingeschränkt positiv. „In den vergangenen zwei Jahren haben wir Hem als glaubwürdigen und wichtigen Erneuerer in der Designbranche etabliert“, lobt sich Goldberg. „Die Hem-Marke ist auf der ganzen Welt heiß geliebt und hochgeschätzt.“

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von o palsson