Sean Fernback, President of Here, Klaus Fröhlich, BMW AG, Prof. Rupert Stadler, CEO Audi AG, und Prof. Dr. Thomas Weber, Daimler AG (v.l.n.r.)

2,8 Milliarden Euro haben die drei deutschen Autohersteller Audi, BMW und Daimler für den Kartendienstleister Nokia Here hingelegt. Eine stolze Summe für ein paar Navigationsdaten. Denn: Google, TomTom, Garmin und Apple bieten diese Dienste bereits an. Aber hinter dem Kauf, der Anfang dieser Woche formell abgeschlossen wurde, steckt eine klare Strategie der deutschen Autokonzerne: Sie wollen vor allem Google und Apple aus den eigenen Fahrzeugen raushalten. Dafür braucht es eigenes Kartenmaterial.

Nokia Here hat auch etwas im Angebot, woran Google und Apple zur Zeit noch scheitern: hochauflösende Karten. Während die Karten der US-Konkurrenz, vor allem in Europa, nur den Weg anzeigen, hat Nokia Here in den letzten Jahren große Teile des Wegenetzes bis auf den Zentimeter genau kartiert. Dazu gehören auch Kurvenradien, Wegmarkierungen, die Straßenbreite und andere Details. Erst diese Angaben sorgen mit dafür, dass selbstfahrende Autos nicht vom rechten Weg abkommen.

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Damit dieser Service gut – und vor allem weltweit – funktioniert, wird weitere Unterstützung von anderen Herstellern benötigt. So sollen die beiden Auto-Giganten Ford und Toyota an einem Einstieg bei Nokia Here interessiert sein. Allein durch diese beiden Hersteller kämen weitere Millionen Fahrzeuge hinzu, die Daten an Nokia Here liefern könnten. Die Überlegung: Je mehr genaue Kartendaten, desto größer der Vorsprung vor Google.

So sieht es auch Klaus Fröhlich, Mitglied des Vorstandes von BMW: „Die Kartentechnologie von Here und die Sensordaten aus Fahrzeugen, mobilen Geräten und Infrastruktur sind eine einzigartige Kombination, die Here und seinen Kunden einen gewaltigen Entwicklungsvorsprung für die Mobilitätsdienste der Zukunft verschaffen wird.“

Für die Zukunft planen die neuen Besitzer des Navigationsanbieters gleich mehrere Schritte. Zum einen sollen die Karten weiter verbessert werden. Zum anderen will man auf Livekartendaten zurückgreifen. Möglich wird das, weil die vielen Sensoren der Fahrzeuge schon jetzt Daten an den Hersteller senden. Tagesbaustellen stellen zum Beispiel Hindernisse da, die von den Autos erkannt und weitergegeben werden können. Taucht so eine Baustelle auf, laufen die Daten von den Servern der Hersteller direkt in die Navigationskarten in den jeweiligen Fahrzeugen des betroffenen Gebietes.

Der Schritt der deutschen Hersteller, den Kartendienst – an dem auch Google und Apple interessiert waren – zu kaufen, zeigt: die Branche will ihre Konzerne zu Mobilitätsdienstleister umbauen. Software, Daten und alternative Mobilitätsangebote sollen das Geschäftsmodell der Unternehmen auch in Zukunft sichern.

Bild: Daimler AG