Lars Hinrichs

Der Funding-Markt hat sich grundlegend verändert

„Im Silicon Valley sagt man, entweder du gewinnst oder du lernst. Hier sind die zehn wichtigsten Insights, die ich aus meiner Erfahrung zur nächsten Gründung mitnehme.“ So schreibt es Xing-Gründer Lars Hinrichs im Blog seines Inkubators HackFwd, den er nach Xing und einer langen Weltreise gegründet hat – und der nun weitgehend Geschichte ist. Hinrichs wird keine neuen Startups in das Programm mehr aufnehmen. Vor drei Jahren, drei Monaten und drei Tagen hatte er den Start von HackFwd mit einem Tweet angekündigt. Jetzt hat er ihn mit einem Tweet und einem Link zu einem langen Blogeintrag beendet.

Rund acht Millionen hatte er in HackFwd und die Portfolio-Unternehmen in den vergangenen Jahren investiert:

„At minimum, we are certain it will pay a good dividend. But is the portfolio worth 2 or 3 times our investment? Maybe. The future will tell. But knowing that we won’t lose money (especially compared to many other investors, accelerators and Incubators or even VCs) is still a solid outcome.“

Hinrichs will sich nun auf seine Later-Stage-Investmentfirma Cinco Capital und sein Immobilienprojekt in Hamburg konzentrieren.

Über 3.000 Bewerbungen gingen über die vergangenen drei Jahre bei HackFwd ein, nur 16 Unternehmen wurden akzeptiert (unter anderem Yieldkit, Cobook, Infogr.am und Watchlater). Diese will Hinrichs auch künftig weiter unterstützen beim Aufbau und der Suche nach neuem Funding.

Ein Programm, nur für Geeks

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Hinrichs wollte mit HackFwd keine MBA-Absolventen und Consultants fördern, sondern setzte von Beginn an gezielt auf Geeks. Denn die Programmierer bauen die Produkte, sie sind seiner Meinung nach die Künstler und Architekten des 21. Jahrhunderts. Wie ein Mantra hatte der Xing-Gründer dies auf Konferenzen stets wiederholt, er ist – wie auch in seinem Blog nachzulesen – begeistert von der Schaffenskraft der Coder. Sein Angebot an sie war vor drei Jahren revolutionär, die Ideenagentur Ideo hatte HackFwd mit und für den Xing-Gründer ausgearbeitet: Alles sollte transparent sein, der Beteiligungsvertrag ist auf der Website abrufbar, jedes Startup gibt 27 Prozent an den Inkubator, drei Prozent an die Berater. Alles standardisiert. Alles leicht nachvollziehbar, ohne Fallstricke.

Hinrichs wollte den damals noch jungen Inkubator-Markt mitgestalten. Denn man darf bei der aktuellen Schwemme ja nicht vergessen: Das gab es vor drei Jahren nicht:

„In Europe, Seedcamp was in its second year. In Asia, Innovation Works had yet to launch. And in the US, Y-Combinator was just starting to gain traction“, schreibt Hinrichs.

Zehn Lehren aus dem Scheitern

Jetzt ist HackFwd nicht mehr zeitgemäß. Accelerator-Programme wie You is Now verschenken 25.000 Euro Kapital an Startups – ohne dafür Anteile zu wollen. Da kann HackFwd nicht mehr funktionieren. Der Funding-Markt hat sich grundlegend verändert:

„ There are literally thousands of accelerators; so many that I often wonder if there are more accelerators than angels and more angels than there are entrepreneurs“, schreibt Hinrichs.

Hinzu käme, analysiert der Investor, dass sich auch die Rolle der Risikokapitalgeber geändert habe. Viele seien dem Beispiel von Digital Sky Technolgies gefolgt und hätten sich verstärkt auf große Series-D und -E-Runden spezialisiert:

„These traditional Series A funds investing later stage coupled with a sharp rise in seed stage investing contribute to a significant Series A gap.“ schreibt Hinrichs.

Angebote wie Angellist sowie die Crowdfunding-Ansätze haben zusätzlich zu einem komplett veränderten Markt beigetragen.

Seine zehn wichtigsten Erkenntnisse aus dem Scheitern von HackFwd teilt Hinrichs in zweimal fünf Punkte: Was gut und was nicht gut funktioniert hat. Nach wie vor glaubt er, dass:

  1. Geeks CEOs sein können.
  2. Programmierer aus Europa genauso talentiert sind wie ihre US-Kollegen.
  3. Mentoring wichtiger ist als Geld.
  4. Inspiration und Unterstützung durch andere wichtig ist. Hinrichs hatte von Beginn an HackFwd-Events veranstaltet.
  5. Großzügig mit Wissen umzugehen. Er meint damit sowohl den Funding-Vertrag, den jeder auf der Website auch weiterhin abrufen kann. Aber auch die Videoformate von Konferenzen, die er unter Creative-Common-Lizenzierung stellt, so dass sie künftig jeder benutzen kann.

Was in den drei Jahren HackFwd falsch gelaufen ist:

  1. Bei manchen Unternehmen, die nicht funktioniert haben, hat HackFwd zu spät den Stecker gezogen.
  2. Es war schwierig junge Startups aufzubauen und gleichzeitig bestehende Portfoliounternehmen zu skalieren.
  3. HackFwd hat die europäische Bürokratie unterschätzt (ein Grund vielleicht auch dafür, dass Hinrichs sich jüngst für ein Startup-Manifest stark gemacht hat.)
  4. Hinrichs ging von schnelleren Exits aus.
  5. Es war eine Herausforderung, sich einerseits tief mit einzelnen Herausforderungen auseinanderzusetzen, gleichzeitig den Blick fürs Ganze zu haben. „But it was difficult to constantly switch focus between challenges without feeling like I was short-changing people. Not to mention the fact that, speaking personally, it was hard not to get really excited about the opportunities and want to get my hands really dirty again. Investing is like taking a shower but not truly getting wet — I must confess that I missed the days of diving headfirst into a challenge, all the way.“

Ausführliche Begründungen zu den einzelnen Punkten, gibt es im HackFwd-Blog.

Bild: By Alexis Eisenhofer (Alexis Eisenhofer) [Public domain], via Wikimedia Commons