Hochschulen-Ranking - Gründungsradar - EXIST

Gründerschmiede Hochschule

Hochschulen spielen eine wichtige Rolle, wenn es um Gründungen geht. Sie sind Forschungshochburgen und Ideenschmieden zugleich, sie sind Inkubator für unzählige Studenten und Wissenschaftler, die unternehmerische Karrierewege beschreiten wollen, und sie treiben durch einen regen Wissenstransfer technologische Innovationen voran.

Doch damit aus akademischem Know-how ein handfestes Geschäftskonzept entspringt, bedarf es weit mehr als dem normalen Curriculum. Hochschulen müssen die Gründungsförderung fest in ihre Infrastrukturen verankern – denn nur so kann aus einer Idee ein Startup werden, und nur so kann Deutschland in puncto Innovationsstärke, Digitalisierung und wirtschaftliche Stabilität mithalten.

Die Gründungskultur an deutschen Hochschulen unter der Lupe

Der Gründungsradar beleuchtete zum dritten Mal das Gründungsklima hierzulande. Ziel war es, herauszufinden, wie Hochschulen Unternehmensgründungen unterstützen – und wer dabei das Rennen für sich entscheidet. Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) untersuchten der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft und die Heinz Nixdorf Stiftung 194 große, mittlere und kleine staatliche Hochschulen sowie staatlich anerkannte private Hochschulen, die an Befragung teilnahmen.

Die vier Grundlagen der Bewertung waren Gründungsverankerung, -sensibilisierung, -unterstützung und -aktivitäten. Der Schwerpunkt in diesem Durchgang lag auf der institutionellen Verankerung der Gründungsförderung.

Was sind die Key Findings?

Gründungsradar 2016 – die wichtigsten Ergebnisse

Top 3 große Hochschulen
Hochschule München
TU München
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Top 3 mittlere Hochschulen
Leuphana Universität Lüneburg
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
TU Kaiserslautern

Top 3 kleine Hochschulen
HHL Leipzig Graduate School of Management
WHU – Otto Beisheim School of Management
Private Hochschule Göttingen

Bei den Kleinen bleiben die Privaten groß
Die kleinen Hochschulen werden von Privaten angeführt, die einen wirtschaftswissenschaftlichen Schwerpunkt haben.

Rising Stars
Die größten Aufsteiger sind Freiburg, Paderborn und Trier.

Schlüsselrolle der öffentlichen Förderung
Die EXIST-Gründerhochschulen konnten sich Spitzenplatzierungen sichern. Mit EXIST fördert das BMWi seit 2007 Unternehmensgründungen aus der Wissenschaft, die einen innovativen technologierorientierten oder wissensbasierten Schwerpunkt haben. Insgesamt 44 % der Hochschulen haben das EXIST-Gründerstipendium bei sich angesiedelt, 19 % den EXIST-Forschungstransfer.

Hier gibt es alle Infos zu den Fördermitteln.

Anzahl Finanzierungen und Gründungen
Insgesamt haben die Hochschulen 6.401 Gründungsprojekte finanziert (22 % mehr als im ersten Radar in 2012). 1.615 Startups wurden gegründet (41 % mehr als in 2012 – im Vergleich zum zweiten Radar im Jahr 2013 waren es jedoch 151 Gründungen weniger).

Fördermittel
Die Gründungsförderung wird zu 60 % durch öffentliche Drittmittel von außen finanziert.

Gutes Gründerklima
Die Entwicklungen verlaufen weiterhin positiv. Im Vergleich zum Radar 2012 konnte sich die Gesamtpunktzahl im Schnitt um 5,9 % erhöhen – vor allem die Verbesserungen in der Verankerung machen das deutlich.

Die vier Erfolgsfaktoren für Verankerung aus Hochschulsicht
1. Vernetzung mit externen Akteuren (23,6 %)
2. Interne Verknüpfung von Gründungslehre, -forschung und -beratung (14,8 %)
3. Themenzuordnung zu einem Mitglied der Hochschulleitung (14,5 %)
4. Anreizstrukturen und Motivation für Professoren, sich an Förderung zu beteiligen (14,1 %)

Status quo in puncto Verankerung
Wie und in welchem Maße ist die Gründungsförderung institutionell verankert?
– Ein hybrides Leitungsmodell wird bei der Verankerung von Gründungsförderung als beste Form betrachtet (Mix aus zentral/managerial und dezentral/kollegial).
– Mehrere Einrichtungen auf dem Campus steigern die Qualität von Beratung und Förderung.
– Die Angliederung der Gründungsförderung an die Verwaltung verleiht dem Thema mehr Gewicht und stellt eine Kontinuität der Förderung sicher.
– Eine Tochtergesellschaft als agilere Organisation schafft Vorteile in der Zusammenarbeit mit Dritten.
– Die regionale Vernetzung ist wichtig (Unternehmen, Verbände, IHK, Inkubatoren etc.).

Status quo in puncto Sensibilisierung, Unterstützung und Aktivitäten

Sensibilisierung
Wie und in welchem Maße erreicht die Hochschule Studierende, Promovierende und wissenschaftliches Personal?
Die Zahl der Veranstaltungen stieg von 3.120 in 2012 auf 5.133. Es wurden hier zunehmend auch externe Referenten einbezogen. Die Anzahl der Studiengänge, in denen Gründer-Seminare als Leistung angerechnet werden, beträgt 45 % (2012: 35 %). Die Gründungsförderung auf der Hochschulwebseite ist weniger sichtbar geworden und liegt bei nur 12 % (2012: 15 %).

Unterstützung
Wie und in welchem Maße unterstützt die Hochschule Gründungsvorhaben?
Die befragten Hochschulen haben 76 Millionen Euro zur Verfügung, davon 43 Millionen Euro Drittmittel. Zum Vergleich: 2012 waren es nur 49 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter in der Gründungsberatung stieg von vier auf sechs. Die Intensität der Beratung ist von 4,7 auf 5,2 Gespräche ebenfalls leicht gestiegen.

Aktivitäten
Wie und in welchem Maße generiert die Hochschule Gründungen?
Mit aktuell 13,3 Gründungen je Hochschule hat sich die Anzahl der Gründungen im Vergleich zu 2012 um ein Drittel erhöht. Innovative Gründungen sind nicht nur in der Spitzengruppe zu finden – die Spitzengruppen nutzen jedoch eine Vielfalt an Förderquellen. Zudem haben Hochschulen mit technischem Fokus nicht mehr Gründungen, die auf Patenten und anderen Schutzrechten basieren (193), und nicht mehr Kapitalgesellschaften-Gründungen (566) als nicht-technische Hochschulen.

Quo vadis, Gründungsförderung?

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Gründungskultur ist auf gutem Wege, fester Bestandteil der Zielvereinbarungen an deutschen Hochschulen zu werden. Ihre Weiterentwicklung muss sich nun auf bestimmte Ansätze stützen. Da die regionale Vernetzung als eine der zentralen Erfolgsfaktoren angesehen wird, müssen Hochschulen, Kommunen und wirtschaftsnahe Einrichtungen beispielsweise noch stärker zusammenarbeiten. Die Politik sollte darüber hinaus die Netzwerke zwischen den Hochschulen stärken und mehr Präsenz auf Veranstaltungen zeigen.

Die Politik ist nach wie vor ein wichtiger Impulsgeber: Das Programm EXIST trägt noch immer maßgeblich dazu bei, dass die Gründungsthematik in deutschen Hochschulen immer stärker verankert wird. Hier finden Interessierte mehr Infos zu den drei Fördersäulen.

  • EXIST-Gründerstipendium unterstützt Studierende, Absolventen und Wissenschaftler mit Fördermitteln und Coaching in ihren Gründungsvorhaben.
  • EXIST-Forschungstransfer fördert forschungsbasierte Gründungsvorhaben, an denen aufwändige und risikoreiche Entwicklungsarbeiten hängen.
  • EXIST-Gründungskultur zielt darauf ab, eine lebendige Gründungskultur an Hochschulen zu etablieren und die Themen Unternehmertum und Selbstständigkeit als Karrieremöglichkeit sichtbarer zu machen. Gründungskultur fördert und begleitet Hochschulen bei der strategischen Planung und konkreten Umsetzung von gründungsunterstützenden Maßnahmen.

 

Artikelbild: ena/eyeem.com