Hojoki

Die eigene Geschäftsidee vor potentiellen Geldgebern und anderen Interessierten zu pitchen, ist eine der Fertigkeiten, die jeder Gründer beherrschen sollte. Und da ein Fahrstuhl ein reichlich ungeeigneter Ort dafür ist, haben junge Startups im Format “Frischlingsfragen” von nun an die Möglichkeit, sich und ihr Geschäftsmodell kurz und präzise vorzustellen: Gründerszene stellt zehn Fragen, und dieses Mal antwortet Hojoki (www.hojoki.com).

Wer seid ihr und was macht ihr?

Hojoki verbindet Cloud-Apps wie Dropbox, Google Docs und Delicious unter einer gemeinsamen Oberfläche. So kann man immer sehen, woran die eigenen Teamkollegen gerade arbeiten, kann sofort kommentieren und in die Diskussion mit einsteigen. Hojoki ist also eine Art Facebook, das aus allen Productivity-Apps gleichzeitig gespeist wird. Und wir versprechen euch: nach sehr kurzer Zeit kann man sich nicht mehr vorstellen, ohne Hojoki im Team zu arbeiten.

Hinter jedem Erfolg steckt eine Vision. Wie seid ihr auf eure Idee gestoßen?

Wir selbst nutzen alle möglichen Cloud-Apps. Da hat man dann nicht selten zehn Tabs gleichzeitig offen, um immer zu sehen, was in den verschiedenen Projekten gerade so passiert, schreibt sich ständig E-Mails und verpasst trotzdem noch viel zu viel. Gleichzeitig haben wir uns mit Microblogging-Tools für Teams beschäftigt und auch selbst in verschiedenen Projekten Communote, Yammer und StatusNet genutzt. Schnell war uns klar, dass in diesem Stream noch was fehlt: nämlich Updates aus den Cloud-Apps.

Noch wichtiger als die Idee ist häufig das Team. Wer sind die Gründer, was habt ihr vorher gemacht und wie habt ihr zueinander gefunden?

Wir haben zu viert gegründet. Danilo Härtzer und Thilo Schmalfuß kennen sich schon ewig  und stemmen bei Hojoki die Entwicklung. Die beiden haben zusammen ein paar Turniere im Beachvolleyball gewonnen, sind also ein gut eingespieltes Team. Danilo war vor Hojoki mehrere Jahre als Chefarchitekt in einem anderen Startup tätig, und Thilo ist gerade mit seinem Informatikstudium fertig geworden. Lutz Gerlach und Martin Böhringer kennen sich von der Uni, wo sie beide promoviert haben. Lutz ist der Management-Typ, was er bei Hojoki im Business Development auslebt, und Martin macht sich als Wirtschaftsinformatiker Gedanken darüber, wie Hojoki am besten unseren Nutzern helfen kann. Die Schnittstelle war dann der Twittwoch Sachsen, wo wir schlussendlich zusammengekommen sind.

Viele Gründungsideen sind nicht gänzlich neu. Was ist euer USP und was macht ihr anders als alle anderen?

Zunächst einmal ist die Idee tatsächlich neu. Oder anders ausgedrückt: sie funktioniert erst, seitdem sich Cloud-Apps in der breiten Masse durchsetzen. Anfangs war die Vielfalt an Apps allerdings noch viel zu groß und der Zugang zu den lokal installierten Programmen zu schwer, um Hojoki zu entwickeln. Seit kurzem kristallisieren sich nun immer stärker Standard-Sets an Cloud-Apps heraus, die wirklich viele Leute nutzen – und das haben natürlich auch ein paar andere erkannt. Wir sehen da ganz aktuell mehrere Startups entstehen, die in eine ähnliche Richtung gehen.

Unser Ziel ist dabei immer, unseren Nutzern ein Maximum an Informationen zu geben, damit sie verstehen, was in den Apps vor sich geht. Das ist technisch ziemlich komplex, weil viele Apps gar keine API für solche Use Cases bieten. Wir nutzen eine graphenbasierte Datenhaltung und ausgefeilte Algorithmen, um die ActivityStreams zu produzieren. Das zu kopieren ist nicht einfach. Dabei ist wichtig, dass wir die Funktionalität selbst den Lieblingstools unserer Nutzer überlassen. Wir wollen nicht Dropbox nachprogrammieren. Der Wettbewerb sieht das teilweise anders und baut eigene Interfaces, um die Funktion von Dropbox & Co. zu imitieren. Hojoki beschränkt sich bewusst darauf, die zentrale Verteil- und Diskussionsplattform für die Aktivitäten in den Apps zu bauen. Das dann aber richtig.

Zum Business: Wie funktioniert euer Geschäftsmodell? Und wie groß ist das Marktpotenzial?

Hojoki hat das Potenzial, richtig groß zu werden. Alle Apps, die wir integrieren, haben über eine Million Nutzer, einige wie Dropbox, Google Docs oder Evernote sogar im hohen zweistelligen Millionenbereich. Jeder Einzelne von ihnen hat theoretisch einen Nutzen von Hojoki. Unser Ziel ist es deshalb, über ein Freemium-Modell schnell in den Markt einzutreten und keine Wachstumsbarrieren einzubauen. Wir möchten, dass – ähnlich wie bei Dropbox und Evernote – nur die Powernutzer etwas zahlen müssen. Und zu einem Powernutzer wird man ziemlich schnell, wenn man Hojoki einmal nutzt und die Vorteile erkannt hat. Dabei sind Projekte der Dreh- und Angelpunkt in Hojoki, um mit Anderen zusammenzuarbeiten und die Aktivitäten zu diskutieren. Free-Accounts werden die volle Funktionalität besitzen, aber nur einer begrenzte Anzahl von Projekten unterstützen, während die Anzahl an Projekten in Premium-Accounts unbegrenzt sein wird.

Ideen umzusetzen kostet Geld. Wie finanziert ihr euch?

Rückblickend hatten wir drei Finanzierungsstufen: die Idee ist entstanden und konkretisiert worden, während wir alle noch andere Jobs hatten. Den Sprung in die Unternehmensgründung haben wir dann selbst finanziert, wobei uns Gründerstipendien der SAB-Bank (Sachsen), Preisgelder von Wettbewerben und kleine Consulting-Aufträge sehr geholfen haben – klassisches Bootstrapping also. Jetzt haben wir vor kurzem die dritte Phase eingeleitet und uns mit Kizoo (www.kizoo.com) einen namhaften Investor mit ins Boot geholt. So können wir freier agieren und in die richtigen Dinge investieren, und haben zum Beispiel zwei sehr gute Entwickler und einen Community-Manager einstellen können. Damit sind wir immer noch klein genug, um agil arbeiten zu können, gleichzeitig haben wir aber die Schlagkraft, um schnell vorwärts zu kommen.

Gibt es etwas, das euch noch fehlt? Ein Mitarbeiter, ein Investor oder ein Büro?

Uns fehlt der offizielle Launch, den Hojoki am 07. Dezember auf der LeWeb-Konferenz in Paris feiern wird. Von da an sind wir Public Beta und offen für alle Nutzer. Bis dahin fehlt uns vor allem eines: nämlich Zeit.

Gibt es ein großes Vorbild für euch?

Ein direktes Vorbild haben wir eigentlich nicht. Aber natürlich schaut man, was andere so machen und wie sie erfolgreich sind. Prinzipiell ist uns sehr sympathisch, wie beispielsweise 37signals (Basecamp, Highrise) oder Wildbit (Beanstalk, Postmark) ganz systematisch ein richtig solides Unternehmen mit tollen Apps aufbauen, und das ganz ohne Anfangsbuzz. Und gleichzeitig ist es natürlich beeindruckend zu sehen, wie die Jungs von Amen (www.amenhq.com) oder 6Wunderkinder (www.6wunderkinder.com) fantastisches Marketing machen. Irgendwo dazwischen werden wir den Hojoki-Weg finden.

Stellt euch vor, ihr könntet ein Lunch gewinnen. Wen würdet ihr aus der deutschen Startup-Branche gerne mit an den Tisch holen?

Spannend wäre für uns, Leute aus der Social-Gaming-Szene kennenzulernen, also mal bei Wooga (www.wooga.com) in Berlin oder MegaZebra (www.megazebra.com) in München anzuklopfen. Productivity-Apps wie Hojoki können sicher richtig stark profitieren, wenn man eine Prise Game-Dynamics dazu gibt.

Wo steht ihr heute in einem Jahr?

Wir integrieren mehr als 20 Apps, haben mehrere hunderttausend Nutzer und helfen ihnen jeden Tag aufs Neue, Rockstars ihrer Cloud-Tools zu sein.

Hojoki, vielen Dank für das Gespräch.

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