Home eat Home

Glaubt man Gründer Sebastian Esser, dann hatten er und sein Mitgründer Fried Große-Dunker einfach sehr viel Pech. Zwei Mal, so erzählt es Esser im Gespräch mit Gründerszene, sei eine hoffnungsvolle Finanzierungsrunde für sein Food-Startup Home Eat Home im letzten Moment geplatzt. Erst vor drei Wochen sagten zwei strategische Investoren, deren Namen nicht bekannt sind, einen großen Deal kurz vor der Unterzeichnung ab. Für Esser und Große-Dunker kam die Absage überraschend. „Es sitzt tief, dass die letzte Runde gescheitert ist“, sagt Esser. „Wir sind sehr enttäuscht.“

Ende 2014 war Home Eat Home mit finanzieller Unterstützung von Coca-Cola gestartet, den Gründern gehören bis heute aber alle Anteile. Das Startup tüftelt an einem „intelligenten Frische-Automat“, wie Esser es nennt. Heißt: Das Startup stellt Kühlschränke in Shops mit langen Öffnungszeiten, Fitness-Studios, Supermärkte oder Unternehmen. Gefüllt sind diese Kühlschränke mit Tüten und Boxen, die abgepackte Zutaten für eine oder mehrere Mahlzeiten enthalten. HelloFresh to go sozusagen. Das Essen in den Tüten und die Rezepte stellte Home Eat Home zunächst selbst zusammen (siehe Foto), mittlerweile kommt das Essen nur noch von externen Partnern. Startups wie Eating with the Chefs, Kukimi oder Marley Spoon nutzen die Kühlschränke beispielsweise, um die eigenen Gerichte an den Kunden zu bringen.

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Anstatt auf typische VCs oder Business Angels zu setzen, wollten die Gründer strategische Investoren, also Unternehmen, überzeugen. Die sollten dabei helfen, die Kühlschränke an mehr Standorten zu verteilen und sie zu befüllen. Das habe auch geklappt, so Esser, mehrere Investoren seien anfangs von dem Home-Eat-Home-Konzept überzeugt gewesen – auch wenn die Vision nicht immer einfach zu erklären gewesen sei. Bei der geplanten Finanzierungsrunde vor zwei Wochen hätten „politische Entscheidungen“ oder „geplante Übernahmen“ bei zwei potentiellen Investoren zu Absagen im letzten Moment geführt. An dem Modell des Startups habe es nicht gelegen, versichert der Gründer.

Jedoch hat das Geschäftsmodell von Home Eat Home auch Nachteile. Schon ein Blick in die App genügt, um mehrere Schwachstellen ausfindig zu machen. So bietet das Startup mit seinen Kühlschränken an manchen Standorten keinen klaren Mehrwert für den Kunden. Lokalisiert die App einen im Büro von Gründerszene in Berlin Mitte, ist der nächste Kühlschrank am Alexanderplatz neben dem Burger King – etwa 1,5 Kilometer entfernt. Müslis von MyMuesli für 1,90 Euro und Salate von Green Guru für 5,99 Euro befinden sich in dem Kühlschrank, wie in der App zu sehen ist. Ein Problem: Am Alexanderplatz gibt es genügend Fastfood-Ketten, Imbissbuden oder Bäcker, die eine Vielzahl an Mahlzeiten anbieten – teilweise sogar rund um die Uhr. Die Konkurrenz ist also groß.

Auch die hohen Preise fallen auf, wenn man sich beispielsweise den Inhalt des Kühlschranks anschaut, der bei Zalando aufgestellt wurde. Ein Kraftriegel kostet 2,90 Euro, eine Paprikasuppe aus dem Glas 6,50 Euro. Das bieten viele Restaurants in der Umgebung günstiger an. Leicht skalierbar ist das Modell ohnehin nicht, schließlich müssen die Kühlschränke ständig frisch befüllt werden. Dafür benötigt das Startup Dienstleister und eine ausgereifte Logistik.

Gründer Sebastian Esser ist von seinem Modell nach wie vor überzeugt und sucht weiter nach Investoren. Am Freitag haben die Gründer eine strategische Insolvenz angemeldet. „Wir schaffen es gerade nicht im Rahmen unserer Liquidität eine sinnvolle Investment-Struktur aufzusetzen“, sagt Esser. Es sei schlichtweg nicht genug Geld vorhanden gewesen, um noch weitere Gespräche mit strategischen Investoren zu führen, mit denen Verhandlungen häufig mehrere Monate dauerten. „Nun nutzen wir die Insolvenz der GmbH, um die Gespräche weiter zu führen und können damit einige Kosten reduzieren.“

Die Ausgangslage sei alles andere als ideal, gibt Esser zu. Schließlich habe Home Eat Home in den vergangenen Monaten mit zahlreichen potentiellen Partnern Gespräche geführt, Angebote sogar ausgeschlagen. Diese Verhandlungen müssten nun wieder aufgenommen werden. Esser zeigt sich dennoch optimistisch, sowohl ein Exit als auch ein passendes Investment seien eine Option. Einige Interessenten gebe es schon.

Bild: HomeEatHome