Das Team von Home eat Home: Fried Große-Dunker (ganz links), Philippa Pauen (links) und Sebastian Esser (vorn).

Home eat Home: Kochservice mit Abholboxen in ganz Berlin

Im vergangenen Jahr machte sich Coca-Cola in der ganzen Welt auf die Suche nach motivierten Gründern für das neu gegründete Coca-Cola Founders Network. Das Ziel: Neue Startups zu gründen, die mit dem Getränke-Riesen kooperieren. Dabei investiert Coca-Cola in die jungen Gründer, bevor die überhaupt eine Idee entwickelt oder ein Team gebildet haben.

So geschehen auch bei Sebastian Esser und Fried Große-Dunker. Von den beiden kommt das Konzept für Home eat Home, das diese Woche in Berlin startet. Ähnlich wie bei Marley Spoon, dem neuen Startup von Fabian Siegel, oder dem Berliner Unternehmen Kochhaus können die Kunden zwischen mehreren Gerichten wählen, für die die Zutaten perfekt portioniert vorbereitet werden. Der Unterschied: Die Zutaten werden nicht geliefert oder in einem eigenen Laden verkauft, sondern an Stationen mit Kühlschränken verkauft – vorerst allerdings nur in Berlin.

Mittlerweile hat das Team von Home eat Home zehn Mitarbeiter. Auch Wummelkiste-Gründerin Philippa Pauen, die im Juli ihr Unternehmen verließ, ist als COO an Bord.

Im Interview spricht Mitgründer Sebastian Esser, Gründer der 2013 von Vertical Media übernommenen Agentur CEO Event, über die Förderung von Coca-Cola und das Konzept von Home eat Home.

Sebastian, Home eat Home ist das erste von Coca-Cola finanzierte Startup in Deutschland. Wie kam es dazu?

Coca-Cola hat ein Projekt aus Atlanta ins Leben gerufen, das Coca-Cola Founders Network. Hierfür sind Fried und ich vor einem Jahr ausgewählt worden. Es gibt mittlerweile acht Teams weltweit, unter anderem in San Francisco, Rio de Janeiro oder Tel Aviv. Das Ziel ist es, neue Firmen zu gründen und dabei Synergien mit Coca-Cola zu nutzen, um schneller wachsen zu können.

Wie genau finanziert Coca-Cola Euer Startup?

Coca-Cola finanziert die jungen Unternehmen über ein Wandeldarlehen. Es ist praktisch so, dass Coca-Cola in das Team investiert, bevor die Idee vorhanden ist. Rechtlich gesehen sind die Unternehmen aber komplett eigenständig.

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Wie ist die Idee für Home eat Home entstanden?

Der Markt für Lebensmittel ist riesig und superspannend. Anhand der Aktivität in diesem Bereich merkt man, dass es hier Zeit für einen Umbruch ist. Modelle wie HelloFresh oder Kochhaus finden wir toll, aber die Logistik dieser Startups ist immer noch sehr kompliziert. Hier wollen wir eine neue Lösung anbieten und dem Kunden mehr Flexibilität präsentieren.

Deswegen liefert Ihr nicht nach Hause, sondern bietet die Lebensmittel an verschiedenen Stationen an. Wie genau funktioniert das?

Unsere Lebensmittel werden in Tüten verpackt und in „intelligenten“ Kühlschränken über die ganze Stadt verteilt. Diese Kühlschränke wollen wir in großen Bürogebäuden, Spätis und Fitnessstudios aufstellen. Die Kunden können dann spontan entscheiden, was sie kochen wollen. Sie müssen bloß an einer der Stationen vorbeilaufen und den Kühlschrank per App öffnen. Das Konzept funktioniert also ohne Abo und auch ohne Vorlaufzeit.

Bisher habt ihr fünf Stationen in Berlin, ab morgen soll es die App im Store geben. Wie lange habt Ihr an dem Konzept gearbeitet?

Wir haben in den letzten sechs Monaten das Warenwirtschaftssystem entwickelt und die Technologie der Stationen mit der App gekoppelt. Jetzt wollen wir starten und das System auch mit den Kunden zusammen testen. Bis zum Ende des Jahres wollen wir 20 Stationen in ganz Berlin haben und dann Anfang 2015 auch in neue Städte expandieren. Unsere Kunden können auf der Website übrigens für neue Stationen in ihrem Kiez stimmen.

Es gibt mittlerweile unglaublich viele Startups im Foodbereich, Marley Spoon, Kochhaus oder HelloFresh zum Beispiel. Wie könnt Ihr Euch von denen absetzen?

Wir unterscheiden uns in mehreren Punkten von anderen Firmen in diesem Bereich: Wir erreichen beispielsweise sehr gute Einkaufspreise für unsere Zutaten, weil wir wöchentlich nur drei Gerichte anbieten und deswegen in großen Mengen einkaufen. Außerdem ist die Logistik bei unserem Modell deutlich unkomplizierter, weil wir nur einige Stationen in Berlin ansteuern müssen, um unsere Kunden zu erreichen. Viel wichtiger ist aber, dass das Modell für die Kunden neue Möglichkeiten bietet. Bei Home eat Home kann – muss aber nicht – vorbestellt werden und man muss nicht in ein Abo-Modell einsteigen.

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Aber könnten nicht auch andere Startups einfach Ihr Modell mit Shop-in-Shop-Konzepten erweitern?

So einfach geht das nicht. Wir haben in Zusammenarbeit mit Coca-Cola dieses sehr aufwendige Kühlschranksystem entwickelt, was den Code, den Kunden und die Ware erkennt. Außerdem können wir sehr schnell skalieren – auch international –, weil Coca-Cola weltweit ein riesiges Netz an Händlern hat. Wir können also leicht neue Standorte hinzugewinnen.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene Florian Siegel über sein neues Startup Marley Spoon: „Ganz ehrlich? Wir haben keine Ahnung, was passiert, wenn das Ganze skaliert“

Ihr wollt mit Gerichten zwischen 4,20 Euro und 7,90 Euro deutlich günstiger sein als euer Konkurrent Marley Spoon. Wie könnt Ihr Euch das leisten?

Wir achten bei unseren Gerichten darauf, dass sie einfach sind, aber trotzdem immer den gewissen Twist haben. Dadurch, dass wir pro Woche drei bis vier verschiedene Gerichte einkaufen, können wir zu guten Bedingungen bei unseren Partnern einkaufen. Wir haben eigene Köche, die unser Angebot kreieren und nutzen hauptsächlich regionale Zutaten. Langfristig wollen wir auch die Kunden einbinden und deren Vorschläge annehmen, damit wir eine große Vielfalt anbieten können. Bezüglich des Pricings anderer Firmen in dem Sektor kann ich nichts sagen. Wir versuchen jedenfalls das frische Kochen wieder in den Alltag zu integrieren und das auch bei einem stressigen Arbeitstag.

Danke für das Gespräch, Sebastian.

Bild: Home eat Home