Handwerker-Vermittlung über das Internet – wie funktioniert das?

Digitale Handwerker-Vermittlung? Das ist ja nicht neu, denkt Ihr jetzt bestimmt. Schließlich gibt es Urgesteine wie MyHammer, das bereits seit zehn Jahren am Markt aktiv ist. Bei dem Online-Marktplatz können Anzeigen von Handwerkern oder potentiellen Kunden aufgegeben werden. Aber: Das Portal hatte lange Zeit mit Problemen zu kämpfen.

In den USA gibt es etwa das vor zwei Jahren gegründete Porch, das ähnlich wie MyHammer eine Mischung aus Handwerker-Bewertungsportal und Kleinanzeigen-Plattform ist. 100 Millionen US-Dollar Venture Capital gaben die Investoren, mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigte das Startup. Doch Ende vergangenen Jahres sah es für Porch nicht mehr rosig aus. Mitarbeiter wurden entlassen, die Burn-Rate soll besorgniserregend sein. Ist es also an der Zeit für ein neues digitales Konzept im Handwerker-Bereich?

Der Handwerkermarkt 2.0

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Der neue Ansatz orientiert sich an dem Vermittlermodell à la Helpling oder Movinga, bei dem ein Startup bestimmte Dienstleistungen zu einem Festpreis anbietet. Während Helpling selbstständige Putzkräfte vermittelt, hilft Movinga Umzugsunternehmen an Kunden zu kommen.

Eines der Startups, die sich am Handwerker-Segment ausprobieren, heißt Homebell. Auf der Plattform des Berliner Unternehmens können Kunden ein Online-Formular ausfüllen und sich ein unverbindliches Festpreisangebot einholen. Die Beratung für einen Handwerkerdienst erfolgt dann telefonisch. Angeboten werden Arbeiten wie Tapezieren oder Streichen, das Startup arbeitet mit selbstständigen Handwerkern und Partnerunternehmen.

Homebell wurde im September 2015 von Felix Swoboda und Sascha Weiler gegründet. Man habe den Bedarf für einen solchen Service gesehen, erklärt Swoboda. „Woher bekommt man einen Handwerker, wenn Arbeit erledigt werden muss?“

Die Homepage von Homebell

Nach eigenen Angaben hat das Startup bereits 60 Mitarbeiter und ist in acht Ländern aktiv. Am Wochenende gab Homebell eine Finanzierungsrunde von Vorzeige-VC Index Ventures und dem Rocket-Fonds Global Founders Capital bekannt. Gründer Swoboda war einer der ersten Investoren des ebenfalls von Index und GFC finanzierten Umzugsstartup Movinga, er kennt das Vermittlermodell. „Wir wollen eine Marke aufbauen, bei der Kunden wissen, dass sie überall unter diesem Namen die gleiche gute Qualität bekommen“, erzählt er.

„Das Movinga für Renovierungsarbeiten“

Um einiges kleiner und noch ohne prominente Unterstützung ist das Berliner Startup Renovinga. Im Oktober haben Jonathan Kohl und Justus Klocke die hinter Renovinga stehende UG gegründet, das Jungunternehmen soll acht Mitarbeiter haben. Das Konzept ist dasselbe wie bei Homebell – man versucht, Handwerkerunternehmen eine bessere Auslastung der Kapazitäten zu ermöglichen.

Die Homepage von Renovinga

Für Kohl und Klocke ist es nicht das erste Startup. Nachdem sich die beiden bei einem Startup-Wettbewerb kennenlernten, zogen sie zusammen eine Autovermietung für Luxuswagen auf. FastCars habe das Geschäft geheißen, das mittlerweile liquidiert sei, erzählt Klocke.

Der Name des Startups ist übrigens bewusst an das Umzugsstartup Movinga angelehnt, gibt Kohl freimütig zu. Er habe dort im Sommer 2015 ein Vertriebspraktikum gemachte. „Das Movinga für Renovierungsarbeiten“ soll sein Startup werden, erklärt Kohl. Erst hieß das Portal Fixitup, das Gründerteam entschied sich also bewusst gegen einen Namen mit Alleinstellungsmerkmal.

Auch Renovago gibt’s

Ebenfalls wie ein Umzugsstartup klingt der Name des Renovierungsvermittlers Renovago. Aber: Die Ähnlichkeit mit dem Movinga-Konkurrenten Movago – der jetzt Move24 heißt – ist laut Gründer Alexander Hollmann nicht gewollt. Man sei nur auf der Suche nach einem „einprägsamen Namen“ gewesen, der sich von dem Wort Renovieren ableiten lässt. Außer Hollmann gebe es noch einen weiteren Gründer, der jedoch anonym bleiben will.

Die Homepage von Renovago

Die Gesellschaft hinter Renovago gibt es schon seit Juli, allerdings war das Konzept damals, möblierte Zimmer zu vermieten. Einige Monate später startete Hollmann die Handwerkervemittlung. „Wir sind durch unsere ursprüngliche Unternehmensgründung darauf gekommen, dass es sehr schwierig ist, schnell und einfach einen Handwerker aufzusuchen“, so Hollmann. Das ebenfalls in Berlin ansässige Unternehmen hat nach Angaben des Gründers zehn Mitarbeiter.

Alle drei Startups geben sich zugeknöpft, Fragen zu Kunden oder Aufträgen werden nicht beantwortet. Von allen heißt es, man befinde sich im „Stealth-Modus“. Sprich: Eigentlich sind die Unternehmen noch nicht bereit, mit dem Konzept an die Öffentlichkeit zu gehen – sei es aus technischen Gründen oder um sich von der Konkurrenz abzuschirmen. Nur die Renovinga-Gründer erzählen, sie forderten eine Gebühr von 15 bis 20 Prozent des Festpreises.

In den kommenden Monaten werden wahrscheinlich noch weitere Startups mit einem ähnlichen Geschäftsmodell aus dem Boden schießen. Eine der Herausforderungen für die jungen Unternehmen wird sein: Wie überzeugen sie Handwerker, dass sich eine Zusammenarbeit mit ihnen lohnt? Immerhin werden diese eine Gebühr an die Vermittler abtreten und flexible Preise aufgeben müssen. Für Handwerker mit ausreichender Auslastung ist eine Zusammenarbeit also nur interessant, weil die Plattform ihnen administrativen Arbeit abnimmt, etwa bei der Buchung.

Das größte Potential liegt daher bei Handwerksunternehmen, die nicht gänzlich ausgelastet sind und mithilfe der Startups weitere Kunden finden.

Bild: Gettyimages / Juan Silva; Bilder im Text: Screenshots