Wer von zuhause aus arbeitet, ist oft zufriedener mit seiner Work-Life-Balance und leistet mehr

Viele deutsche Arbeitnehmer würden gern häufiger zuhause arbeiten. Etwa 30 Prozent wünschen es sich, von Zeit zu Zeit im Homeoffice zu bleiben, ergibt eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Doch nur zwölf Prozent arbeiten tatsächlich gelegentlich oder regelmäßig in den eigenen vier Wänden. Denn Arbeitgeber stellen sich quer. Befragt wurden für die Analyse 30.000 Personen in 11.000 deutschen Haushalten.

Die Antworten ergeben, dass Deutschland in Sachen Homeoffice europaweit hinterher hinkt. In Frankreich (15 Prozent), Großbritannien (20 Prozent) und Schweden (über 25 Prozent) liegt der Anteil derer, die gelegentlich oder gewöhnlich von zu Hause aus arbeiten deutlich höher. Dies geht aus der Eurostat Labour Force Survey hervor, auf die sich das DIW bezieht. In den Niederlanden gilt seit Juli 2015 sogar ein gesetzliches Recht auf Homeoffice. Der Studie des DIW zufolge verspielen sich deutsche Arbeitgeber so wertvolles Potential. Denn Angestellte mit der Option Homeoffice sind laut Studie in der Regel zufriedener mit ihrer Arbeit, ihrer Work-Life-Balance und arbeiten effektiver und mehr.

Die Studie ergibt außerdem: Nicht nur Eltern, sondern genauso junge Singles wünschen sich mehr Autonomie bei ihrer Tagesplanung. Wenn demnach Arbeitgeber Homeoffice und mobiles Arbeiten zulassen, können sie etwas für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun, da sie weniger oft krank werden und sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Dazu muss sich aber zunächst die Arbeitskultur in Deutschland ändern. Überraschenderweise ist die Rate der zu-Hause-Arbeitenden momentan sogar rückläufig.

Anzeige
Offensichtlich betrifft das auch die Digitalbranche. Auf Nachfrage von Gründerszene gibt das Fintech-Startup Number26 an, dass die 90 Mitarbeiter im Büro präsent sein sollen. Die direkte Zusammenarbeit sei wichtig für das Teamgefühl und die Unternehmenskultur, sagt eine Sprecherin. Nur durch kurze Wege könne das schnelle Wachstum gelingen. Zudem hätten die vorwiegend jungen Mitarbeiter auch kein Bedürfnis nach Homeoffice. In Einzelfällen könne man allerdings individuell nach einer Lösung suchen.

Mit diesem Vorgehen ist Number26 im Finanz-Sektor nicht alleine. Das DIW kommt in seiner Studie zu dem Schluss, dass gerade Banken, Versicherungen und die öffentliche Verwaltung selten Homeoffice genehmigen – obwohl die Mitarbeiter sich das wünschen.

Anders geht Berlins E-Commerce-Händler Zalando mit dem Thema Homeoffice um. Das Unternehmen möchte für seine Angestellten attraktiv sein und Flexibilität bieten, erläutert eine Sprecherin gegenüber Gründerszene. Mobiles Arbeiten sei daher ein wichtiges Thema. „Dabei geht es natürlich um Homeoffice, aber auch um viele andere Aspekte einer Arbeitskultur in der heutigen Zeit“, sagt sie. Zalando biete flexible Arbeitsplätze, an denen die Mitarbeiter teamübergreifend zusammen kommen könnten. So müsse man nicht den ganzen Tag alleine am eigenen Bürotisch sitzen. Außerdem gebe es Eltern-Kind-Räume, wo ein bis zwei Arbeitsplätze und eine Kinder-Spielecke vorhanden sind. Dieser würde jedoch bisher noch nicht gut angenommen und seien die meiste Zeit leer. 

Es gebe aber durchaus mehrere Mitarbeiter, die nicht nur adhoc, sondern regelmäßig nicht im Büro seien, heißt es von Zalando. Viele von ihnen würden dann aber nicht klassisch im Homeoffice arbeiten, sondern beispielsweise ihren Aufenthalt vor oder nach einer Dienstreise verlängern oder bei Auswärts-Terminen vor Ort arbeiten. Konkrete Zahlen kann Zalando allerdings nicht nennen. Es gebe keine Statistik darüber, wie viele Angestellte regelmäßig oder häufiger von zuhause aus arbeiten, erklärt die Sprecherin, das geschehe alles in Absprache mit dem Teamleiter. Zalando baue da auf die Eigenverantwortung seiner Mitarbeiter.

Das DIW kommt in seiner Studie zu dem Schluss, dass Arbeitgeber bei der Suche nach Fachkräften zukünftig noch mehr auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter eingehen müssen. Unternehmen, die das nicht tun, seien nicht zeitgemäß und würden durch Marktkräfte früher oder später zur Einsicht gezwungen werden.

Bild: Gettyimages HeroImagesCLOSED