Ein Beitrag von Nico Rose, Diplom-Psychologe und promovierter BWLer.

Die richtigen Leute an Bord zu holen – das ist wohl die wichtigste Aufgabe, die ein Unternehmer zu leisten hat. Eine Personalentscheidung ist immer eine riskante Wette auf die Zukunft. Wird die Person den hohen Erwartungen gerecht werden? Hält die zukünftige Performance, was Lebenslauf und Referenzen versprechen?

Um diese Fragen zu beantworten, verlassen sich immer mehr Unternehmen nicht ausschließlich auf die Bewertung des Lebenslaufes und persönliche Gespräche. Zusätzlich stützen sie ihre Entscheidung auf die Einschätzung der Persönlichkeit des Aspiranten, einerseits durch Selbstauskunft und Persönlichkeitstest, in Zukunft mit einiger Wahrscheinlichkeit auch mehr und mehr durch algorithmische Matching-Verfahren.

Braucht es für die erfolgreiche Arbeit im Startup eine andere Persönlichkeit?

Hier stellt sich für Gründer die Frage: Haben Menschen, die in Startups erfolgreich sind, im Mittel eine andere Persönlichkeitsstruktur als solche, die in etablierten Großunternehmen reüssieren? Dafür muss man verstehen, was die Herausforderungen des Arbeitens in einem Startup von dem in einem bereits etablierten Großunternehmen unterscheidet.

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Ich möchte hier vor allem einen wichtigen Punkt hervorheben: die Gefahr des Scheiterns, welche ständig über allem schwebt. Obwohl die Schätzungen auseinandergehen, scheint es so zu sein, dass 80 bis 90 Prozent aller Gründungen innerhalb der ersten drei bis maximal fünf Jahre scheitern. Wer fühlt sich wohl und performed in so einem Umfeld? Studien zeigen, dass erfolgreiche Gründer über ein überdurchschnittliches Erfolgsmotiv, ausgeprägtes Streben nach Autonomie, besondere Innovationsstärke, hohe Stresstoleranz und eine deutlich ausgeprägtere Selbstwirksamkeitserwartung verfügen – also über einen starken Glauben daran, trotz Widerstand etwas bewirken zu können. Aber ist das schon alles?

Wäre ich Venture Capitalist, würde ich sicherstellen, dass von mir geförderte Gründerteams vor allem ein hohes Maß an Grit aufweisen. Grit ist eine non-kognitive, also von der allgemeinen Intelligenz unabhängige, Persönlichkeitseigenschaft, die zuerst von Angela Duckworth, Professorin an der University of Pennsylvania, beschrieben wurde (hier ihr TED Talk).

Grit ist definiert als Leidenschaft für das Verfolgen von langfristigen Zielen, auch im Angesicht von Widerständen und längeren Durststrecken. In diversen Studien konnte Duckworth gemeinsam mit ihren Kollegen nachweisen, dass das Grit-Level in der Lage ist, den Erfolg von Menschen in einer Vielzahl unterschiedlicher Situationen zu prognostizieren. Das zeigte sich auch gerade dann, wenn es gilt, sich angesichts ungewisser Erfolgswahrscheinlichkeiten regelmäßig selbst zu motivieren.

So konnte Duckworth demonstrieren, dass Menschen mit hohen Grit-Werten:

  • bessere Abschlussnoten auf dem College erzielen;
  • mit größerer Wahrscheinlichkeit die Ausbildung der U.S.-Militärakademie „West Point“ überstehen;
  • unter hohem Erfolgsdruck deutlich länger ihren Job behalten.

Ihr könnt übrigens selbst herausfinden, wie „gritty“ ihr seid: Ein wissenschaftlich validierter Test kann kostenlos auf der Seite des Positive Psychology Center an der University of Pennsylvania absolviert werden (vorher muss man sich registrieren).

Bild: Hong Li / Getty Images

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