ananda social venture fund

Das Ananda-Team: Beatrix Paun, Lennart Hergel, Bernd Klosterkemper, Florian Erber und Johannes Weber (von links)

Den Gedanken des sozialen Unternehmertums gibt es nun seit einiger Zeit. Doch nach wie vor haben soziale Ventures ein Problem: Die meisten erwirtschaften keinen Gewinn. Ihre Geschäftsmodelle sind oft kompliziert, denn soziale Startups wollen vor allem gesellschaftliche Probleme lösen – wie Langzeitarbeitlosigkeit und Integration behinderter Menschen in die Arbeitswelt. Das kann dauern und ist nichts für VCs, die schnell das nächste ganz große Ding aufbauen möchten.

Florian Erber und Johannes Weber wollen sozialen Startups bei der Finanzierung helfen. Vor fünf Jahren gründeten sie dafür den Ananda Social Venture Fund in München. Wie weit sind sie bisher gekommen?

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Das beantwortete an diesem Mittwoch Florian Erber, der zu Gast beim Family Day des High-Tech Gründerfonds in Bonn war. Investoren und HTGF-Startups waren für die Vorträge gekommen. Mittlerweile verwaltet Ananda in zwei Fonds 30 Millionen Euro, hat in acht Startups investiert und beschäftigt sechs Mitarbeiter. Das Aushängeschild des Fonds ist das Unternehmen Auticon: Es vermittelt Menschen mit Autismus als IT-Berater. „75 Prozent der Angestellten bei Auticon waren vor ihrem Job dort arbeitslos“, sagt Erber. „Ein Drittel der Dax-Konzerne ist Kunde bei Auticon und beschäftigt die Berater zum Marktpreis.“ Und der Profit? Noch dieses Jahr werde bei Auticon und einigen weiteren Portfoliounternehmen der Break-Even erreicht, so der Geschäftsführer.

Der Fonds ist noch bei zwei britischen und fünf deutschen Tech-Firmen investiert. Zum Beispiel bei Verba Voice: Das Unternehmen bietet mobile Text- und Gebärdensprach-Einblendungen in Echtzeit an – bei Vorlesungen und Events – sodass Hörgeschädigte dem Inhalt folgen können. Und bei Little Bird: Die Firma will mit einer Software die Vergabe von Kita-Plätzen transparenter und effektiver organisieren. Auch „Deutschland rundet auf“ gehört zum Ananda-Portfolio. „Tech hilft zu skalieren. Das gefällt uns natürlich auch“, meint Erber.

Die Portfolio-Firmen setzen 40 Millionen Euro um

Für Florian Erber war der unternehmerische Aspekt immer wichtig. Bevor er seinen Partner Johannes Weber traf, arbeitete er als VC für Wellington Partners. Mit Weber ging Erber dann auf Tour durch Deutschland, um mit Gründern sozialer Startups zu sprechen. „Ich war erst einmal skeptisch“, erzählt er. „Ich dachte, solche Konzepte passen eher ins Spendenumfeld und die Philanthropie.“ Die Tour aber habe ihn überzeugt. Sie trafen zahlreiche Gründer mit guten Ideen. „Und es hat sich bewährt, ihnen Geld zu geben.“

Als Weber und Erber ihren Fonds starteten, begegneten ihnen weitere Zweifler. „Mit einem ‚first time unproven concept‘, da zeigt einem jeder einen Vogel“, sagt Erber. Doch: Vor einem Jahr hat Ananda den zweiten Fonds aufgelegt. Er ist mit über 22 Millionen Euro schon deutlich größer als der erste Fonds mit knapp über sieben Millionen Euro. Aktuell machen die Portfolio-Unternehmen laut Erber 40 Millionen Euro Umsatz.

Erber findet, dass auch die Politik Social Entrepreneurship stärker fördern soll. Der Europäische Investmentfonds habe zwar 230 Millionen Euro für soziale Ventures bereitgestellt. Doch in Deutschland habe die KfW ihren Fonds wieder eingestampft. „Ich bin kein Weltverbesserer“, sagt Erber. „Aber ich will meinen Beitrag leisten.“ Er hofft, dass so in Zukunft noch mehr Geldgeber denken werden.

Bild: Ananda Social Venture Fund